Durch Zeit und Räume
Kane Parsons’ Backrooms
Wenn man aus einem Kinosaal tritt, ist das immer mit einem Moment der Orientierungslosigkeit verbunden. Die Lichter sind zu hell und man wird unsanft zurück in die eigene Realität gerissen, nachdem man damit beschäftigt war, eine fremde zu erleben. Kane Parsons‘ Backrooms fängt diesen Moment ein und dehnt ihn auf knappe 2 Stunden aus.
Der Film dreht sich um einen gescheiterten Architekten, nun Manager eines Möbelgeschäftes kurz vor dem Bankrott, und seine Therapeutin in den 1990er Jahren. Sie entdecken unabhängig voneinander im Keller des Möbelladens einen endlosen Komplex von Räumen.
Interessant ist da das Setdesign: Die verschiedenen Räume repräsentieren alle eine bestimmte Erinnerung an spezifisch und subjektiv erlebte Versionen bestimmter Momente. So gibt es eine Art Rampe mit einer kleinen Tür am Ende, die die perspektivische Verzerrung beim Blick durch einen Korridor nachstellt. In einem Raum mit Swimmingpool sieht man nicht unter die Wasseroberfläche. Einen Raum mit Treppe gibt es, der sich M. C. Escher mäßig im Nirgendwo verliert. Kurz gesagt: sie zeigen leicht verzerrte Versionen des Konzeptes Raum, weil die Erinnerung an sie auch mit der Zeit verblasst. Wie eine Kopie von einer Kope von einer Kopie, oder wie sie im Film sagen „like describing a dog to a person who has never seen a dog before and asking them to draw it“.
Was das internet zu backrooms zu sagen hat
Manchmal fühlt sich das Set an wie eine Kunstinstallation, denn diese Verzerrung und Orientierungslosigkeit stellt sich ja doch manchmal auch durch Kunst ein, sei es unfreiwillig (verwirrende und / oder klaustrophobische Raumkonzepte in einer Ausstellung und / oder Installation) oder freiwillig (neben Gregor Schneider ja auch z.B. Erwin Wurms Narrow House). Der ganze Popanz mit der Hintergrundgeschichte der Backrooms mag abschreckend wirken, aber es ist wirklich interessant, diesen Umgang mit der ganz subjektiven Idee von Raum und Räumen mal unvoreingenommen zu erleben und zu hinterfragen, wie man mit diesem Konzept umgeht.
Der Regisseur Kane Parsons hat vor dem Featurefilm Kurzfilme auf Youtube zu den Backrooms gedreht, die den inhaltlichen Hintergrund bieten, aber die man nicht gesehen haben muss um den Film zu genießen. In einer Zeit wo Kunst immer „imersiv“ sein muss, gelingt Parsons ein wirklich mitreißender Kinofilm, der das auf ganz natürliche Art und Weise schafft.
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