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Kunstmarktkrise: Österreichische Regierung kann sich Hilfe derzeit nicht leisten

Am 4. Juni gab die Megagalerie Pace Gallery bekannt, dass sie die Anzahl ihrer Mitarbeiter:innen von 250 auf rund 200 Personen zu reduzieren. Von den davor 135 Künstler:innen der Galerie sollen in Zukunft nur noch 85 weiterhin vertreten werden, alle anderen müssen sich neue Galerien suchen. Erst vor kurzem waren die Spitzenpreise die bei den Auktionen in New York erzielt werden konnten als Zeichen für eine Erholung des gebeutelten Kunstmarkts gewertet worden. Nun kündigt eine Galerie, die jahrelang Teil des hyperkapitalistischen Kunstkarussels mit immer mehr Künstler:innen, immer mehr Niederlassungen und immer höher steigenden Preisen war, eine deutliche Kurskorrektur an. Ein ofensichtliches Zeichen, dass es selbst für Großgalerien schwierig ist, bei steigenden Kosten noch Gewinne zu erwirtschaften.

In Österreich treten die Schwierigkeiten, in denen der Kunstmarkt steckt noch wesentlich deutlicher hervor. Nicht nur dass viele Galerien ohnehin kaum mehr Gewinne machen, hat sich durch die Absage der zwei wichtigen zeitgenössischen Kunstmessen viennacontemporary und SPARK die Situation deutlich zugespitzt. Dazu kommt, dass im Jahr 2025 aufgrund einer EU-Richtlinie zwei für den heimischen Kunstmarkt wichtige Nachbarländer den Mehrwertsteuersatz für Kunst deutlich senken konnten: Deutschland von 19% auf 7%, Italien von 22% auf 5%. Das bedeutet jetzt einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber den 13%, die in Österreich auf Kunstwerke und Antiquitäten erhoben werden.

Die bereits im Jahr 2023 gegründete Initiative für mehr Sicherheit für Sammler:innen am Kunstmarkt hat sich seitdem dafür eingesetzt, den Mehrwertsteuersatz auf Kunst in Österreich ebenfalls zu senken und die Möglichkeit, Kunstkäufe steuerlich geltend machen zu können. Der Autor dufte im März 2025 eine Podiumsdiskussion zu diesem Themenfeld im Wiener Aktionismus Museum moderieren. (⤇ Siehe dazu den atmagazine Bericht).

Am Dienstag den 2. Juni, also kurz vor Abschluss der Budgetverhandlungen für das Doppelbudget 2027/28, wurde im Rahmen eines weiteren Podiums[1] im Auktionshaus Im Kinsky diskutiert, ob die Bemühungen nun demnächst Früchte tragen könnten. Gertraud Auinger-Oberzaucher, Kultursprecherin der Neos und Daniela Gmeinbauer, Parlamentarierin der ÖVP in der selben Funktion, sicherten nochmals ihre Unterstützung der Anliegen der Galerien und Kunsthandlungen zu und verwiesen auf vielversprechende Vorgespräche mit den zuständigen Politiker:innen. Gmeinbauer wies außerdem auf erste Zahlen aus Deutschland und Italien hin, die ein Wachstum des Kunstmarktes durch die Mehrwertsteuersenkung belegen. Katrin Auer, Kultursprecherin der SPÖ, die sich bereits im Jahr 2025 für steuerliche Maßnahmen zugunsten des Kunsthandels eingesetzt hatte, musste allerdings eingestehen, dass die Chancen für eine Umsetzung in den letzten Wochen auf Null gesunken seien. Sowohl Kulturminister und Vizekanzler Andreas Babler und Finanzminister Markus Marterbauer, beide Parteikollegen von Auer, sehen derzeit keine Möglichkeit, den Kunsthandel, Galerien und Künstler:innen zu unterstützen. „Die Tür ist zu“, so Auer im Rahmen des Podiums. Brigitte Löw-Radeschnig, Mitinitiatorin der Initiative Sammlersicherheit, verwies darauf, dass durch steigende Umsätze gar kein Verlust an Steuereinnahmen zu erwarten sei und dass vor allem auch Künstler:innen von steuerlichen Maßnahmen profitieren könnten. Das wurde von der Künstlerin Franziska Maderthaner bestätigt, die von einem deutlichen Umsatzwachstum bei den Galerien die sie in Deutschland vertreten berichtete. Rechtsanwalt Ernst Ploil, Geschäftsführer des Auktionshauses Im Kinsky, verwies darauf, dass es einen Verlust an Steuereinnahmen geben werde, weil Kunsthandel und Galerien entsprechende Tochterunternehmen im Ausland gründen könnten, um den Verkauf dorthin zu verlagern. Die Kosten einer solchen Firmengründung könnten sich schon mit dem Verkauf eines einzigen Kunstwerks amortisieren, so Ploil.

Auch wenn die drei Kultursprecherinnen eine weitere Unterstützung der Forderungen zusagten, scheint es derzeit unmöglich, dem Beispiel der Nachbarländer zu folgen und die entsprechende Eu-Richtlinie umzusetzen. Das ist schade, weil es damit auch schwieriger wird, wieder eine internationale Kunstmesse in Wien zu etablieren, wie es eine Gruppe von Galerien derzeit versucht (⤇ das artmagazine berichtete).

Mehr zur Initiative für mehr Sicherheit für Sammler:innen am Kunstmarkt unter  ⤇ sammlersicherheit.at

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[1] Die Podiumsdiskussion am 2. Juni wurde ebenfalls von Werner Remm moderiert.



Mehr Texte von Werner Remm

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