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Art Brussels: Alte neue Entdeckungen

Die Art Brussels reagiert auf den Markt nicht mit Expansion, sondern mit Reduktion. Nach einem ersten Schrumpfkurs im Vorjahr fällt die Messe nun noch einmal deutlicher kleiner aus: 138 Galerien statt zuvor 165, 27 Länder statt 35, nur noch eine Halle für die Stände. In der Halle nebenan finden Gastronomie und „Horizons“ Platz, eine neue Sektion für großformatige Arbeiten. Sechs Projekte, kuratiert von Devrim Bayar vom künftigen Kanal–Centre Pompidou, bilden eine Miniatur von Basels „Unlimited“ zu deutlich niedrigeren Kosten. Zu sehen sind Arbeiten, die im üblichen Messestand kaum Platz fänden: etwa Zuzanna Czebatuls ruinöse Aufblasarchitektur oder Oswald Oberhubers 17,5 Meter breiter „Paradiesgarten“, erstmalig und zuletzt 1983 öffentlich gezeigt. Wer ihn nach dem Wochenende weiter sehen will, braucht 380.000 Euro – und vermutlich ebenfalls eine Halle.

Weniger Angebot soll den Ausstellenden bei stagnierender Nachfrage zumindest gleichbleibenden Ertrag sichern. In einem Markt mit steigenden Kosten, zurückhaltenden Sammler:innen und sinkender Reiselust wird Reduktion zur Tugend. Brüssel ist dabei kein Billigstandort. Die Teilnahmegebühren gelten als ambitioniert, während Miart in Mailand, Art Paris und Art Düsseldorf terminlich im gleichen Marktsegment in direkter Konkurrenz stehen. Dass dennoch 85 Prozent der Galerien im Hauptsektor „Prime“ zurückkehren, darf die Leitung um Nele Verhaeren als Stabilität verbuchen. Zugleich verschiebt sich die Aufgabe einer Messe: Sie muss nicht nur verkaufen helfen, sondern für ein Publikum relevant bleiben, das Auswahl gewohnt ist und Wege scheut.

Inhaltlich behauptet sich die 1968 gegründete Messe weiter als europäisches Schaufenster zeitgenössischer Produktion. 83 Galerien besetzen das Hauptfeld, 38 den Sektor „Discovery“. Der unterscheidet sich wohltuend vom üblichen Nachwuchsfolklore-Modell vieler Messen: Nicht das Alter der Galerie zählt, sondern die Frische der Kunst – maximal vier Jahre dürfen die Arbeiten alt sein. Zugelassen sind maximal zwei Positionen pro Stand. Das erzeugt Konzentration statt Überfüllung – und den spannendsten Parcours der Messe. Zusätzlich gibt es 26 Solopräsentationen, teils als Annex von regulären Aussteller:innen des Hauptfelds oder als einzigen Beitrag, wie bei Willie Stewart, den Lazy Mike aus Seoul und Riga in einer auffallenden Inszenierung zeigt.

Robert Grunenberg aus Berlin nutzt die Discovery für einer Soloschau von Filip Henin. Mehrere Landschaften waren bereits vor Messebeginn verkauft, drei weitere auf der Vernissage – sämtlich an belgische Käufer:innen. Der um mehr als ein Drittel günstigere Standpreis macht die Rechnung zusätzlich attraktiv. Am anderen Ende des Gangs kombiniert Falko Alexander aus Köln Dominik Halmer und Tim Berresheim zu einem Dialog über malerische Autorschaft im Zeitalter digitaler Bilder. Auffällig bleibt allerdings, wie wenig Skulptur in diesem Bereich auftaucht. Eine Ausnahme bildet Office Impart mit sprachbasierten Wandarbeiten von Ana Maria Caballero und Lena Marie Emrich.

Im Hauptfeld herrscht mehr Volumen. Fast jede größere Galerie setzt ein plastisches Signal. Mendes Wood DM versammelt eine kleine Skulpturenparade, die in einem animehaften Plüschtier von Precious Okoyomon endet. Ruttkowski;68 zeigt junge Positionen zwischen gegossenem Material und Zeichnung. Settantotto aus Gent präsentiert den 95-jährigen Herman de Vries – ein Hinweis darauf, dass Entdeckungen nicht zwingend jung sein müssen.

Mehr Texte von Stefan Kobel

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Art Brussels
23 - 26.04.2026

Brussels Expo
1020 Brüssel, Place de la Belgique, 1, Halle 5
Tel: 0032-2-402-36-66
http://www.artbrussels.com
Öffnungszeiten: 11-19 h


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