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Art Düsseldorf: Art-to-go

Es ist Messezeit, es ist Art Düsseldorf! Und wer dem Lockruf der rheinischen Kunstmetropole zur 8. Ausgabe folgt, wer also bilderhungrig und interpretationsfreudig zum Areal Böhler kommt und die Presskonferenz besucht, kann sich gleich am ersten Bild als Exeget versuchen. Das Bild der beiden Kunstmanager nämlich, die die Messe verantworten – ganz in Weiß. Hausherr Walter Gehlen und Gilles Neiens, neuberufener künstlerischer Leiter, beiderseits im weißen Anzug auf der Bühne. Was will uns jene Szene sagen? Der Auftritt atmet Frühling, Neustart, das passt schon mal zu Neiens und seiner neuen Aufgabe, das Profil der Messe zu schärfen und sie so für die Zukunft gut aufzustellen. Oder ist es dandyeske Nonchalance als Antwort auf düstere Krisenzeiten? Oder, wie mit der weißen Fahne bewehrt: Wir Kunstfreunde kommen in Frieden, stehen für Frieden? Es ließe sich aber auch noch anders auffassen, denn nicht eigentlich weiß gewandet sind die beiden, vielmehr cremefarben, ja, wenn man so will: leinwandfarben. Die Messemacher sozusagen als Leinwand, auf der die Kunst sich austoben darf. Das ist so weiterhergeholt nicht, denn die Art Düsseldorf bietet viel Malerei, viel junge Malerei vor allem.

Etwa beim vor Ort ansässigen Galerist Rupert Pfab, der eine Palette auffächert, die unmittelbar Laune macht: Isabelle Borges, Astrid Busch, Sophia Schama, Laura Aberham, auch weitere Künstlerinnen und Künstler machen interessante Vorschläge, wie dem Medium neue Spielarten zu entlocken sind.  

Crispy-clean zeigen sich Isabelle Borges knackige Abstraktionen; reizvoll zwischen Malerei, Relief und Skulptur changierend Astrid Buschs Bildobjekte; streetsmart und wie von Graffiti inspiriert Sophia Schamas Bilder; bei Laura Aberhams schwungvoll-lässigen Paintings kann man auf Spurensuche nach ihrer einstigen Professorin Katharina Grosse gehen. Muss man aber nicht – auch die größten Vorbilder waschen sich irgendwann raus. 

Dass man im Format so auffallend klein und handlich auftritt, ja doch, das habe schon mit der krisenhaften Weltlage zu tun, bekennt der Düsseldorfer Galerist Pfab. Man wolle gut durch diese Phase kommen und das sei eben eine der Maßnahmen. Sicher ein Statement, dem sich viele Galerien auf der Messe anschließen – offensichtlich. Denn nicht Weniges könnte man spontan im Shoppingbag nach Hause tragen, bisweilen reichte gar ein Jutebeutel. Jener Art-to-go Spirit gilt übrigens auch für die Preise: Im Tausch mit einer schicken Schweizer Uhr wären große Teile des Angebots locker zu erwerben.   

Und wie fühlen sich die Gäste in Düsseldorf, etwa Alex Reding von Nosbaum Reding, mit Standorten in Brüssel und Luxemburg? Rundum wohl, so gibt der Galerist zu Protokoll, lobt die angenehme Atmosphäre und den allseits beliebten Industriecharme des Areal Böhler. Und macht geradezu künstlerische Argumente stark: Das einfallende Tageslicht stünde der Messe gut zu Gesicht und, tatsächlich, auch der von reicher Geschichte kündende, malerische Boden, auf dem seine Koje steht. Bloß die Bistros der Messe, etwa direkt nebenan, naja, die ließen sich doch liebevoller gestalten, da sei noch Luft nach oben.   

Künstlerische Argumente sprechen auch für einen Neuzugang in Redings Reihen: David Schmitz. Anfang 30, mit Preisen zwischen 1.650 Euro für eine Zeichnung und 8.200 Euro für ein größeres Bild ist er eine typische Entdeckung, wie man sie auf der Art Düsseldorf jetzt machen kann.

Albert Oehlen würden diese Bilder gefallen: In einem kühnen, zeichnerisch-malerischen Free Jazz lässt Schmitz allerlei zweckentfremdete Druckwerkzeuge über die Fläche fetzen, heraus kommt eine ganz eigenwillige und doch wunderbar austarierte Zeichenpartitur; es könnte nicht verwundern, wenn diese Bilder plötzlich, per synästhetischem Zauber, zart erklängen.

An andere Vorbilder erinnern Franck Miltgens Bilder, zu sehen bei der Galerie Lage Egal, die in Berlin und Brüssel aktiv ist: Er bezieht zunächst Kissen mit Leinwandstoff, besprüht jene Körper, zieht sodann den Stoff vom Kissen wieder ab. Die Farbpartikel legen sich jedoch so fein in den Faltenwurf, dass der dreidimensionale Eindruck bleibt. Dann zieht er jene Leinwände auf Holz und polstert sie abermals auf. Es ergeben sich von einem feinen Farbfilm übersprühte Bildobjekte. Wer nicht an Kissenbild-Erfinder Gotthard Graubner und seine Meisterschülerin Katharina Grosse denken muss, der hebe die Hand. Graubner-meets-Grosse und jetzt ihr fusioniertes Update – das passt doch gut nach Düsseldorf.

Wollte man spaßeshalber die Erfahrung der Messe in einem Bild kondensieren, es wäre Alicia Viebrocks kleines Gemälde, das die Galerie Bärbel Grässlin & Filiale wie emblematisch für ihren Stand auf den Gang hängt: Linksrum, rechtsrum – die Pinselzüge tanzen sich gegenseitig schwindelig, ein lustvolles Delirium aus Farbe, wie die psychogrammatische Aufzeichnung des Synapsen-Bingos, das vielleicht jede Kunstmesse und ihr visueller Overkill auslöst. 

Bärbel Grässlins Galerie ist jedenfalls, neben etwa Esther Schipper, eine der prominenten Neuzugänge der Messe, eine von 32 Erstteilnehmern. Und hat einen tollen Stand aus Kleinformaten dabei, die wie ein Fries über die Wände laufen; eine veritable Düsseldorf-Wand inklusive – etwa mit Andreas Breunig, Jana Schröder, Imi Knoebel und Reinhard Mucha.

Stark vertreten auch die Gäste aus der Alpenrepublik: 17 österreichische Galerien, von 119 Teilnehmenden insgesamt, sind auf der Messe präsent. Aufgefallen ist uns die junge Galerie Suppan, geführt von Sebastian Suppan. Er zeigt mit Luis Zimmermann einen Künstler, der noch an der Düsseldorfer Akademie unterwegs ist, aber schon eine konzentrierte Soloschau einrichtet: Aus einem digitalen Materialfundus und Bildarchiv destilliert er Fragmente, die er zu wohlkomponierten Leinwandbildern collagiert und so weiter abstrahiert. Kommt auf die Watchlist. 

Am prall bespielten Stand der Galerie Crone aus Wien und Berlin, einem coolen Solo Christian Jankowskis, zeigt mir der Künstler auf seinem Handy, was er kürzlich zur Art Cologne Palma Mallorca Schönes veranstaltet hat. Nicht schlecht. Aber auch Malle ist bekanntlich nur einmal im Jahr – und jetzt ist eben Düsseldorf dran.  

Mehr Texte von Jens Bülskämper

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Art Düsseldorf
16 - 19.04.2026

Areal Böhler
40549 Düsseldorf, Areal Böhler
https://www.art-dus.de
Öffnungszeiten: Fr 12-19, Sa, So 11-19 h


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