Art Cologne Palma: Colonia de Mallorca
Die Art Cologne wagt erneut einen Ableger auf Mallorca, und wieder ist es eine Messe ohne österreichische Beteiligung – wie schon die MIA Photo Fair vor drei Wochen in Mailand. Das ist selten, sind doch vor allem die Wiener Galerien international sehr aktiv.
19 Jahre nach dem gescheiterten Versuch in einem alten Flughafengebäude, der unter anderem an mangelhafter Infrastruktur scheiterte, sind die Voraussetzungen heute deutlich besser: Der Palau de Congressos liegt direkt am Meer, ist gut angebunden und fußläufig von Strand und Altstadt erreichbar. Und die Einheimischen spielen mit. Viele empfanden die Messe am ersten Tag als stark von der Kölner Kunstszene geprägt. Doch in den Folgetagen erobern Spanier:innen den labyrinthartigen Rundgang.
Die Messemacher setzen gezielt auf einen lokalen Markt aus wohlhabenden Zweitwohnsitzbesitzern auf Mallorca und den anderen Baleareninseln. Dieses Konzept erscheint heute erfolgversprechender als vor zwei Jahrzehnten, da sich die Sammlerszene diversifiziert hat: Neben wohlhabenden Deutschen sind mittlerweile viele europäische Sammlerinnen und Sammler vertreten. Auch die lokale Galerienszene ist gewachsen, was sich unter anderem an der hörbaren Präsenz spanischer Besucher:innen auf der Vernissage zeigt.
Die Art Cologne Palma Mallorca positioniert sich bewusst als „Destination Fair“ und Gegenmodell zur großen Muttermesse in Köln. Dieses Konzept funktioniert überraschend gut. Als innovativ muss vor allem das Preismodell gelten: Trotz teilweise höherer Quadratmeterpreise als in Köln, ermöglicht ein gestaffeltes System (sliding scale) niedrige Einstiegskosten. Junge Galerien können bereits für 3.500 Euro teilnehmen (350 Euro/m²), während etablierte Händler:innen bis zu 750 Euro/m² zahlen. Diese deutliche Differenzierung geht über die üblichen Rabatte großer Messekonzerne hinaus und ist zukunftsweisend.
Die Messe ist für auswärtige Galerien eine kostengünstige „Boutique-Messe“ mit überschaubarem Risiko. Miles Thurlow von Workplace (London) berichtet von Verkäufen im vierstelligen Bereich, allerdings meist bereits im Vorfeld über digitale Angebote. Auch Erika Deák aus Budapest richtet ihr Angebot gezielt auf ihre Kundschaft aus, darunter ungarische Immobilienbesitzer auf der Insel, mit Werken zwischen etwa 3.000 und 15.000 Euro.
Für Nils Müller von Ruttkowski;68 aus Köln, Düsseldorf, Bochum, Paris und New York war die Teilnahme eine Selbstverständlichkeit: „Die Messe ist für uns eine klare strategische Wahl: Viele unserer Sammler sind vor Ort, die internationale Anbindung ist ideal, und durch unsere langjährige Verbindung zur Art Cologne sowie zu Daniel Hug setzen wir bewusst ein Zeichen der Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt.“ Er berichtet von mehreren Verkäufen der Bronzeskulpturen Stefan Strumbels und eines Gemäldes von Dennis Buck. Auch Nagel Draxler aus Köln und Berlin hat in den ersten Tagen mehrere Arbeiten verkauft, unter anderem von Peter Zimmermann.
Ein wesentlicher Unterschied zur klassischen Art Cologne liegt jedoch in der Auswahl der Galerien, die perspektivisch ungefähr je zu einem Drittel aus rheinischen/deutschen, internationalen und lokalen Galerien bestehen soll. Auffallend unter den 88 Teilnehmenden ist die starke Präsenz kleinerer, jüngerer Galerien. Im Gegensatz zu großen Messen wie der Art Basel vermeiden viele Galerien hier ein risikominimierendes Sammelsurium und präsentieren stattdessen gezielt künstlerische Positionen. Besonders kleinere Stände beschränken sich oft auf ein bis zwei Künstler:innen, die inhaltlich miteinander in Beziehung gesetzt werden. Ein Beispiel ist Suburbia Contemporary (gegründet 2018 in Barcelona, aktuell zu Gast in der Leipziger Spinnerei), die großformatigen Fotografien von Giovanni Ozzola (14.000–16.000 Euro, Auflage 1+1) sowie Gemälde von Jake Aikman (4.000–14.900 Euro) zeigt. Auch international agierende Galerien wie Gathering aus London mit einer Dependance auf Ibiza, nutzen die Messe gezielt. Sie präsentieren Künstlerinnen wie Anyi Ji und Soojin Kang mit komplementären Positionen: Ttextile Arbeiten für 14.000 bis 19.000 Euro und Keramiken zwischen 1.000 und 2.000 britischen Pfund.
Hochpreisige Werke bleiben die Ausnahme, auch wenn Kewenig einen Anselm Kiefer für 1,3 Millionen Euro zeigt. Lokale Galerien präsentieren sich hingegen zum Teil als nicht anschlussfähig, wie etwa Gerhardt Braun, dessen Zulassung wohl eher strategische Gründe hat. Zur Vernissage waren auch einige renommierte Galeristen angereist, die das Risiko der Premiere nicht eingehen wollten und sich vom Lokalkolorit für kommende Ausgaben hoffentlich nicht abschrecken lassen. Denn es ist nicht mehr 2007.
Mehr Texte von Stefan Kobel 09 - 12.04.2026
Palau de Congressos
07006 Palma, Carrer de Felicià Fuster, 2
https://www.artcologne.com
Öffnungszeiten: Do 12-20, Fr, Sa 13-20, So 13-18 h
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