Stadtstrand und SUV-Denkmal
Aufwachen mit einem flauen Gefühl in der Magengrube, das sich erst legt, nachdem die ersten Headlines des Tages in Nachrichtenmedien überflogen wurden. Donald Trump hat in der Nacht keine Zivilisation in die Steinzeit zurückbombardiert, die Meeresenge durch die Millionen Barrel Rohöl täglich verschifft wurden soll wieder geöffnet werden und die Spritpreise sinken leicht. Gleichzeitig bedeutet dies, dass eine weitere Normalisierung der Kriegssituation rund um den Iran und Libanon auch heißt, dass die Fossil-Lobby das nutzen wird, um weiterhin gegen den Ausbau von erneuerbaren Energien zu trommeln und die Politik weiter von der Notwendigkeit rückwärtsgewandter Technologien faseln wird.
Dass die Situation nicht so bleiben muss, versucht vom 9. April bis zum 10. Mai die Klima Biennale Wien mit einer Fülle an Projekten in Institutionen, Ausstellungsräumen und im öffentlichen Raum zu vermitteln. Nach der ersten Programmpräsentation im Februar (⤇ das artmagazine berichtete) ist das Publikum aufgerufen, sich ein Bild von den vielfältigen Ideen der teilnehmenden Künstler:innen zu machen, wie die Energie- und Klimawende vielleicht doch noch zu schaffen ist.
Am sichtbarsten wird die Klima Biennale in den Projekten im öffentlichen Raum. So darf sich Margot Pilz über die Re-Inszenierung ihres legendären Festwochenprojektes Kaorle am Karlsplatz aus dem Jahr 1982 freuen. Der künstliche Sandstrand wurde danach in vielen Städten aufgegriffen um die Sommermonate lebenswerter zu machen. Was damals lustvoll kritisch den beginnenden Massentourismus hinterfragte, wird nach mehr als 40 Jahren zur eindringlichen Mahnung für einen Systemwechsel hin zu einer klimagerechten Gesellschaft. Gut dazu passen die technoiden Palmen, der just 1982 geborenen finnischen Künstlerin Pia Sirén, die Plastikplanen auf Kränen zur fernen Erinnerung an südliches Urlaubsflair drapiert.
Während Kaorle am 10. Mai wieder vom Karlsplatz verschwinden wird, ist das bei der Skulptur von Folke Köbberling noch nicht absehbar. Mit Maaaaash! positioniert die deutsche Künstlerin ein 1:1 Modell des Luxus-SUV aus der G-Klasse von Mercedes Benz auf dem Skulpturenplatz unweit der Kunsthalle Wien am Karlsplatz. Die bräunliche Färbung des Abbilds weist bereits auf die Materialien hin, aus denen es geschaffen wurde: Ein eigens entwickelter biobasierter Verbundstoff soll dem Monument die langsame Zersetzung ermöglichen. Je nach der Intensität der zukünftigen Regenfälle wird das Material sich immer weiter auflösen, bis nur noch die hölzerne Unterkonstruktion übrig bleibt.
Das sind aber nur die augenfälligsten Projekte die im Rahmen der Klima Biennale zum Engagement für das Klima aufrufen. Über die ganze Stadt verteilt gibt es Veranstaltungen, Talks, Ausstellungen und Kunstwerke, die zum Mitmachen und Mitdenken rund ums Klima auffordern. Ein Klimagipfel am 13. und 14. April bringt Akteur:innen aus Wissenschaft, Kunst, Politik, Aktivismus und Zivilgesellschaft zusammen, um Möglichkeiten und Lösungen zu diskutieren, wie man dem Klimawandel noch begegnen kann.
Die feierliche Eröffnung findet heute, Donnerstag 9. April am Karlsplatz statt, das umfangreiche Programm gibt es HIER: ⤇ biennale.wien
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