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Art Basel Hong Kong – wechselhaft bewölkt

Rund 240 Galerien fanden sich letzte Märzwoche an der Art Basel Hong Kong, die wie in den vergangenen Jahren im ersten und im dritten Stock des Hong Kong Convention und Exhibition Centre in Wan Chai untergebracht war. Im 1. Stock präsentierte Galerie Krinzinger (Wien) im Kabinett farbenfrohe Gemälde des spanischen Malers Secundino Hernández und ergänzte diese durch das stuhlhafte Objekt „Music Room“ von Nevin Aladag und ein Foto der 2012 entstandenen Serie „With Eyes Closed I See Happiness“ von Marina Abramović. So spielen die Klänge der Farben, des Stuhls und der Leere geschickt miteinander. Gleich nebenan fanden sich bei der in Hong Kong ansässigen Galerie Grotto neue Tuschearbeiten von SHUM Kwan-yi und YAU Wing Fung, welche in ihren Arbeiten immer wieder die traditionelle Tuschemalerei hinterfragen.

Rossi & Rossi (London / Hong Kong) schuf mit seinen aus Nepal und Tibet stammenden Künstlern eine Koje, die starke Beachtung fand. So trafen Werke von Tenzing Rigdol und Gade auf die 2013 geschaffenen „54 Views of Wisdom and Compassion” des aus Nepal stammenden Künstlers Tsherin Sherpa.

Thaddäus Ropac (Salzburg / London / Paris / Mailand) kombinierte gekonnt ein diesjähriges, farbenfrohes Gemälde von Zadie Xie mit den „Welten, die es nicht gab, mit Filzhut“ (2023) von Georg Baselitz und stellte Tony Craggs Stahlskulptur „Incident (Upwards)“ (2022) dazwischen. Gegenüber gab es bei Hauser & Wirth, die vor kurzem in Hong Kong noch eine feine Ausstellung mit Gemälden und Zeichnungen von Maria Lassnig zeigten, ein grandioses Gemälde von Philipp Guston und ein gelungenes Zusammenspiel von Pat Steir, einem Glasobjekt von Larry Bell und einer stimmungsvollen Agnes Martin zu sehen. Rosemarie Schwarzwälder zeigte in der Koje der Galerie nächst St. Stephan ebenfalls eine gelungene Farbkombination mit neuen Werken der Koreanerin Jong Suk Yoon, Bernard Frize und Daniel Knorr, ergänzt durch das am Boden stehende Objekt „Seed“ der Koreanerin Jiyen Lee.

Martin Gross schuf bei Eigen + Art (Berlin und Leipzig) eine eindrucksvolle Wand, die den Betrachter immer wieder aufforderte zwischen Nahsicht und Fernsicht hin und herzuwechseln. Desweiteren gab es neuere Gemälde von Neo Rauch und Tim Eitel zu sehen und als Kontrast hierzu die anmutigen Glasobjekte von Kai Schiemenz. Als besonderen Augenschmaus fand sich die farblich gut aufeinander abgestimmte Ecke mit einem grossformatigen Uwe Kowski, dem zwei fein reduzierte Werke von Carsten Nicolai gegenüberstanden.

Im 3. Stock gab es mit Zero 10 einen neuen Schwerpunkt mit digitaler und Kunst und einigen experimentellen AI Anwendungen aus denen BottoDAO besonders herausstach. Beinah schon anachronistisch zu diesen digitalen Spielereien wirken die Klassiker, die sich bei Richard Nagy (London) fanden. Neben einem aufmunternden Frauenbildnis von George Grosz und seinem Pendant, einer großformatigen Liegenden von Paul Delvaux gab es fünfzehn Zeichnungen von Egon Schiele. Abgesehen von zahlreichen Akten und einigen Portraits stachen das Aquarell des Mittagskogel bei Villach und eine aus der Militärzeit Schieles stammende, eher seltene Zeichnung des Versorgungslagers aus Bruneck in Südtirol heraus. Fünf Zeichnungen von Gustav Klimt, darunter eine Studie zum Portrait von Adele Bloch-Bauer II, ergänzten diese fein gemachte und hochkarätige Koje.

Erfrischend war die Koje der Galerie Layr (Wien), die zum fünften Mal in Hong Kong war. Diese überraschte mit einem großformatigen Vorhang dessen ornamentale Muster ebenso wie die dahinter verborgenen Werke von der russischen Textildesignerin Anna Andreeva stammten. Im Zentrum waren drei Werke von Franz West zu sehen, an den Wänden umgeben von Philipp Timischl, Matthias Noggler und Stano Filko. Während es bei Thomas Schulte (Berlin) neue abstrakte Landschaften von Albrecht Schnider zu entdecken gab, definiert Tobias Klein bei Hanart TZ (Hong Kong) in seinen geschickt komponierten und ausgewogenen Objekten das Thema der Gelehrtensteine neu.

Am letzten Tag der Messe entsprach die Stimmung dem frühlingshaften Wetter. Hauptsächlich waren Sammler aus China und auch einige aus Korea auf der Messe unterwegs. Sammler aus Japan, Australien, Europa und Übersee hingegen waren nur sporadisch anzutreffen und dies schlug sich auch ein wenig in der Stimmung und in den Verkaufszahlen nieder. Insofern war es eher wechselhaft bewölkt.

⤇ artbasel.com/hong-kong

Mehr Texte von Harald Krämer

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