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MIA Photo Fair: Fotografie auf Kurs

Endlich mal eine Kunstmesse ohne österreichische Galerien! Eine Messe für Fotografie mit über 100 Ausstellern in ihrer 15. Ausgabe, von der man noch nie gehört hat? Die Mia Photo Fair BNP Paribas entpuppt sich trotz bisher hartnäckiger Unbekanntheit und ihres etwas sperrigen Namens als Überraschung, mit der der Sponsor durchaus etwas zu tun hat.

Vor knapp drei Jahren hat Fiere di Parma, ein kommerzieller Messeveranstalter, die MIA Photo Fair übernommen, um sie zügig auf Kurs zu bringen und international anschlussfähig zu machen. Zuvor wurde praktisch jede Galerie angenommen, die den Standpreis bezahlte. Mit der neuen neuen Direktorin Francesca Malgara entscheiden die drei Kurator:innen Domenico De Chirico, Emanuela Mazzonis di Pralafera und Rischa Paterlini über die Zulassung.

Während andere Messen Galerien nach Sektoren einteilen, werden hier „Beyond Photography – Dialogue“, „Reportage Beyond Reportage“ und „Focus Latino“ über eine Kennzeichnung der jeweiligen Werke ausgewiesen. Das bietet Orientierung und fungiert gleichzeitig als eine Art Gütesiegel in dem teilweise immer noch etwas beliebig wirkenden Angebot. „Die Messe war zehn Jahre lang recht lokal“, erzählt Malgara. „Ich habe lange im Ausland gearbeitet und bin es gewohnt, international zu arbeiten. In den letzten Jahren haben wir den Anteil der auswärtigen Ausstellenden auf 30 Prozent gesteigert.“

Zu den auch international bekannten Teilnehmer:innn gehören neben der einiheimischen Prometeo Gallery aus Mailand, Albarrán Bourdais aus Madrid, Flat // Land aus Amsterdam, Galerija Fotografija aus Ljubljana, Galerie Peter Sillem aus Frankfurt oder Galerie Springer aus Berlin. Letzterer ist bei seinem zweiten Auftrit hier zufrieden. Hinter den Kulissen, so wird deutlich, haben die Kurator:innen ihre Rolle durchaus selbstbewusst interpretiert: Sie arbeiteten sich gründlich in das Programm der Galerie ein und griffen bei der Auswahl der Positionen mit spürbarem Nachdruck ein. Ihr Anspruch zielt dabei nicht nur auf das qualitative Profil der Messe, sondern ebenso auf die Verkaufschancen der Aussteller – nicht zuletzt gestützt auf ihre Vertrautheit mit der norditalienischen Sammlerschaft. Als Gewinn für die Präsentation erweisen sich die im aufwendigen Dye-Transfer-Verfahren realisierten Arbeiten der 2009 in Mexiko-Stadt verstorbenen Evelyn Hofer aus den 1980er Jahren, die mit Preisen um 9.000 angesetzt sind. Des weiteren zeigt Springer unter anderem Arbeiten von Aitor Ortiz und Arnold Odermatt, mit dem er schon letztes Jahr erfolgreich war.

Das verstärkte Engagement der Bank, die jetzt Teil des Messenamens ist, besteht nicht zuletzt darin, die eigenen Kunden in die Hallen zu bringen. Mit dem neuen Eigentümer und dem Sponsor, der ein neues Klientel mitbringe, habe die Messe einen gehörigen Schub bekommen, erklärt Esther Woerdehoff aus Paris. Sie hatte früher schon zweimal teilgenommen, die Veranstaltung aber als wenig professionell empfunden. Das habe sich geändert, sowohl bei der Organisation, als auch beim Publikum. Sie zeigt unter anderem die monochrom grauen Gebirgslandschaften in Langzeitbelichtung von Michael Schnabel, die in Dreier-Auflagen 7.500 und 15.000 Euro kosten.

Dass noch einiges zu tun ist, weiß die Direktorin Malgarda: „Wir haben zwar nicht ausreichend Sammler in Italien, aber wir arbeiten daran. Außerdem werden auf der Messe zehn Preise vergeben, zum Teil mit Preisgeld, zum Teil als Ankäufe.“
Die MIA Photo Fair zeigt, dass auch eine kommerzielle Messe mit günstigen Standpreisen wirtschaftlich sein kann. 290 Euro zahlen italienische Galerien für den Quadratmeter, auswärtige und junge Galerien sogar nur 240 Euro. Andere Kunstmessen verlangen durchaus das Doppelte und mehr. Die Wiener Kunstmessen konnten preislich fast mithalten, kamen damit aber selbst nicht aus. Vielleicht sollte mal jemand mit den Italienern reden. Und vielleicht findet ja auch die eine oder andere österreichische Galerie demnächst den Weg über die Alpen. Der März-Termin könnte ja für sie frei sein.

Mehr Texte von Stefan Kobel

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MIA Photo Fair
19 - 22.03.2026

Superstudio Più
Mailand, via Tortona 27
https://www.miafairbnpparibas.it
Öffnungszeiten: Do, Fr 11-21 Sa, So 11-20 h


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