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Roman Pfeffer - das Ich, das ich mir leihe: Der Künstler ist anwesend

168 mal 134 Zentimeter misst das „Ich“ in Roman Pfeffers Ausstellung in der Galerie gezwanzig. 20 quadratische Platten aus speziellem Beton gefertigt, auf denen groß zwei Buchstaben prangen: ID.
Die beiden Buchstaben stehen für das, was unsere Identität, das „Ich“ im digitalen Zeitalter ausmachen. Die ID steht für die vielfältigen Repräsentationen des Selbst in den elektronischen Netzwerken, in denen wir uns täglich bewegen, für die unterschiedlichen Inszenierungen, mit denen wir unsere digitale Identität unterlegen, das „Impression Management“ mit dem wir in unseren Profilen in den sozialen Medien um Anerkennung ringen. Doch dieses „Ich“ ist nur ein gerastertes, verdrehtes Abbild, bei dem jede zweite Platte um 90 Grad gedreht wurde. Das digitale „Ich“ ist kein Spiegelbild der Realität mehr, sondern ein den medienimmanenten Gesetzmäßigkeiten angepasstes Zerrbild des Subjekts.

Gleich neben der „ID“ setzt Roman Pfeffer sich selbst ein Denkmal als Skulptur, allerdings nicht in heroischer Pose und schon gar nicht als direktes Abbild seiner Physiognomie. Vielmehr setzt Pfeffer auf seine schlichte Präsenz im Raum, etwas aus der Balance gekommen zwar, als Stele genau seiner Größe und seinem Volumen entsprechend eingehüllt in das an eleganten Nadelstreif erinnernde Muster eines Maßbandes.

Das Maßband spielt überhaupt eine größere Rolle in vielen von Roman Pfeffers Arbeiten. Sei es dass er das eigentlich flächenlose Längenmaß um die Breite des Maßbandes erweitert, oder eine volumenlose Länge von 11 Metern zu einem Kubus transformiert.

Das Spiel mit den Identitäten setzt sich in abstrakten Arbeiten mit Schleifpapier fort, die wiederum Fragestellungen nach der künstlerischen Identität, nach dem gerne zelebrierten Geniekult aufwerfen, wenn Pfeffer der Oberfläche des Schleifpapiers lediglich die durch eben dieses Papier bearbeitete Fläche gegenüberstellt.

Die Arbeiten wirken streng, sind maximal zweifarbig, es tut der Ausstellung daher gut, dass eine der Ich-Befragungen mit dem strengen Raster bricht und eine geradezu frivole Buntheit einbringt. Permanent Selfie, eine Arbeit um das so gewohnt gewordene Spiel mit der Selbstrepräsentation und Selbstbespiegelung in den digitalen Netzwerken, die letztendlich doch nur verharrt in einem starren ewiggleichen Abbild, während das eigentlich Interessante, das Leben, sich im Raum rundherum abspielt. Und weil bei aller Bedeutung und Theorie, bei Roman Pfeffers Arbeiten immer wieder ein hintergründiger Witz hervorlugt, hat sich der Künstler als 181 cm (die Größe des Künstlers) messender Maßband-Blitz selbst in die Ausstellung eingebaut, der fürwitzig hinter einem Eck hervorlugt.

Mehr Texte von Werner Remm

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Roman Pfeffer - das Ich, das ich mir leihe
02.04. - 22.05.2026

Galerie gezwanzig
1060 Wien, Gumpendorfer Straße 20
Tel: +43 664 22 15 600
Email: office@gezwanzig.com
https://www.gezwanzig.com/
Öffnungszeiten: Mi-Fr 11-18, Sa 11-15 h


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