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Halfpipes und Maschinen-Oratorien

Florentina Holzinger ist aktuell eine der international gefragtesten österreichischen Künstlerinnen, und das sowohl am Theater als auch in der bildenden Kunst. Ihre Opern-Performance Sancta, wurde in Deutschland von Kritiker:innen für die Zeitschrift „Theater heute“ zur Inszenierung des Jahres 2025 gewählt, obwohl (oder weil) das Publikum zum Teil mit Ohnmachtsanfällen zu kämpfen hatte. Mit ihrer "queerfeministischen Aneignung einer katholischen Messe" konnte sie die meisten Kritiker:innen überzeugen.
Mit der Einladung zur diesjährigen Biennale di Venezia, wo Holzinger ab dem 9. Mai mit Seaworld Venice den Österreichischen Pavillon bespielen wird, ist sie endgültig auch in der Welt der bildenden Kunst angekommen. Erst kürzlich hatte die Galerie Thaddaeus Ropac bekanntgegeben, Florentina Holzinger als bildende Künstlerin exklusiv zu vertreten.

Im Rahmen der Ausstellung Under the Milky Way hat Holzinger für den Kunstverein Hannover in Zusammenarbeit mit dem Architekt:innenkollektiv raumlaborberlin die Installation Crash Pipe konzipiert, eine Halfpipe für Skater:innen, die von Autowracks getragen wird. Eine Installation, die sie in ähnlicher Form bereits für die Ausstellung Radical Playgrounds im Garten beim Gropius Bau in Berlin realisiert hatte. Die Einweihung findet am 28. März auf der Sophienstraße im Kulturdreieck Hannover statt.

Zwei Wochen nach der Eröffnung in Venedig, wird sie wieder in Wien mit einer Inszenierung zu sehen sein. In Koproduktion mit der Nitsch Foundation und den Wiener Festwochen konzipiert die Künstlerin ein Pfingstspiel als Tagesperformance in zwei Teilen. Beginnen wird das Oratorium für Körper und Maschinen mit dem Prolog im Wiener Eislaufverein. Danach werden die rund 700 (!) Zuschauer:innen mit Bussen zum Schloss Prinzendorf gebracht, wo der zweite Teil der Performance Das letzte Abendmahl stattfinden wird.

Spätestens seit ihrer Inszenierung Sancta wird Florentina Holzinger immer wieder in Zusammenhang mit dem Wiener Aktionismus gebracht. Für die Künstlerin ist das eine Zuschreibung, die eher auf Ähnlichkeiten beruht – bei Holzinger fließt auch manchmal Blut, sogar echtes, menschliches. In ihrer Auseinandersetzung mit Religion und katholischen Riten, besteht jedenfalls eine gewisse Nähe zu Hermann Nitsch und seinem Orgien Mysterien Theater, wenngleich Holzingers Ansatz von der Theatergeschichte und der Entstehung des Theaters aus religiösen Inszenierungen ausgeht.

Die Aufführung zu Pfingsten – die im Übrigen leider schon längst ausverkauft ist – steht für Holzinger in einer Reihe von „Etüden“, rund um die Inszenierung für Venedig. Eine weitere Performance ist schon seit längerem für den 11. Juli in Bregenz in Kooperation mit dem Kunsthaus Bregenz geplant. Auch dort soll Wasser bzw. der Bodensee eine wesentliche Rolle einnehmen. Weitere Etüden in mehreren europäischen Städten sollen noch dazukommen. Von 28. bis 31. Mai wird Holzinger bei der Australien-Premiere ihres Stücks A Year Without Summer in Melbourne erwartet, danach will sie wieder „so oft wie möglich“ in Venedig selbst performen. Gute Chancen also, die „radikalste Künstlerin Europas“ (© Die Zeit) bei einem Besuch der Biennale di Venezia live zu erleben.

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Im Video: Florentina Holzinger bei der Pressekonferenz zum Pfingstspiel in der Nitsch Foundation, Wien

Mehr Texte von Werner Remm

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