Werbung
,

Mit TNT und Textmarker

Sie sitzt in einer WG, und ihr Gegenüber schaut sie prüfend an. Gerade hat er eine der wichtigsten Zeitungen Deutschlands erwähnt. Sie nickt. “Die Zeit” sagt er erneut, und malt ein Kästchen in die Luft, während er das E dramatisch ausdehnt. Ihr Gegenüber denkt tatsächlich, dass Barbara Blaha, Studentin der Germanistik und wichtiges Mitglied mehrerer Unizeitungen, das nicht kennt. Oder dass er es trotzdem nochmal erklären muss, weil sie es auf keinen Fall so gut weiß wie er. Während ich das lese, muss ich lachen. Es ist kein glückliches Lachen, es ist ein wissendes, solidarisches, trauriges. In “Funkenschwestern” gibt es viele solcher Situationen. Sehr offen schildert Barbara Blaha eigene Erfahrungen und unterfüttert sie mit Zahlen und Fakten. Und vorneweg muss ich sagen, dass es ein wirklich gutes Buch ist, schnöde Studien grazil in Unterhaltsames einbaut, und (für mich ganz entscheidend) nicht zu wenig Empörung der weiblichen Situation gegenüber mitbringt. Aber auch nicht zu viel, sodass es trotzdem aufbauend (und aufrufend!) bleibt.

Ich habe allerdings ein großes grafisches Problem: Im Layout werden einzelne Sätze gelb unterstrichen. Es kann schon sein, dass das ganze anmuten soll wie vergrößerte Zitate in Zeitschriften, aber allein die Art und Weise der Gestaltung durch Unterstreichen insinuiert, dass ich eine Einordnung in wichtig und unwichtig nicht selber bewerkstellige. Oder schlimmer noch, dass ich in KI-Zeiten sowieso nur den Digest eines Buches lese. Das Ganze kam wohl von der Gestalterin Nina Pavicsits, die Ende Dezember für ihr Buch “We are Austria” unter Kritik stand. Dafür, angeblich KI verwendet zu haben und zu wenig recherchiert. Barbara Blaha kann für diese Layout-Entscheidung wahrscheinlich wenig, zumal es sich lohnt, mehr als nur die unterstrichenen Passsagen zu lesen. Wenn das Buch mir erklärt, wie mansplaining funktioniert, fühlt sich das Layout aber ein wenig besserwisserisch an.

Da stellt sich dann auch die Frage, für wen das Buch geschrieben ist. Auf der Bühne der Buchpräsentation hört es sich so an, als sagte das Podium “für alle”. Das ist eine noble, aber nicht sehr aussagekräftige Antwort. Ich selber, die ihren Feminismus offen in die Welt ruft, fühle mich gesehen, finde Studien, um meine vorhandene Einstellung mit Fakten zu stützen, klopfe mir selber dafür auf die Schulter, wie viel ich denn schon weiß. Frauen, die trotz feministischer Einstellung vielleicht mental load und Care-Arbeit alleine leisten (müssen), haben womöglich nicht die Muße für diesen Luxus. Männer, denen es egal ist, werden es eh nicht lesen – obwohl gerade sie es wirklich sollten. Alles in allem ist die Zielgruppe, wie ich das herauslese, Menschen, die bereits sowohl eine feministische Einstellung, als auch einen akademischen Hintergrund haben. Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine große Bereicherung für den Politikunterricht in weiterführenden Schulen sein kann. Ich hätte so ein Buch schon vor zehn Jahren mit Freude gelesen, hätte es womöglich noch mehr gebraucht als jetzt, hätte Munition gehabt gegen die kleinen und größeren Sexismen des Alltags. Und das wichtigste ist sogar schon unterstrichen.

--
Barbara Blaha
Funkenschwestern
Wie Feminismus alles besser macht

Molden Verlag 2026
Format: 13.5 x 21.5 cm
Seiten: 208
ISBN: 978-3-222-15164-4
Molden Verlag 2026

Mehr Texte von Veronika Metzger

Werbung
Werbung
Werbung

Gratis aber wertvoll!
Ihnen ist eine unabhängige, engagierte Kunstkritik etwas wert? Dann unterstützen Sie das artmagazine mit einem Betrag Ihrer Wahl. Egal ob einmalig oder regelmäßig, Ihren Beitrag verwenden wir zum Ausbau der Redaktion, um noch umfangreicher über Ausstellungen und die Kunstszene zu berichten.
Kunst braucht Kritik!
Ja ich will

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung

Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2026 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: