Otto Zitko - Cardboards: Der lange Weg der Linie
„Cardboards“, also Kartonarbeiten ist der lapidare Titel der Ausstellung von Otto Zitko in der Galerie Crone. Zitko ist damit wieder zurückgekehrt zum Medium Papier, nachdem er eine weite Reise unternommen hatte durch die Universen der Malerei.
Begonnen hat er bekannter Weise als einer der „Neuen Wilden“ in den 1980er Jahren mit „Innensichten“ an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration, bis er dann bald genug Farbe für ein ganzes Malerleben auf die Leinwände geschichtet hatte.
Ab den 1990er Jahren legte er den Pinsel zugunsten von Ölstiften und Acrylfarbe auf Malerrollen weg und schuf sich immer wieder verdichtende und auseinandergehende Linienstrukturen, deren Anfang und Ende jeweils nicht genau definierbar ist. Otto Zitko spricht sogar von einer einzigen Linie, die sich von Bild zu Bild fortsetzt. Er weitet die Wege, die seine Linien nehmen bald in den Raum aus und überzieht damit Wände und Decken von Museen, Geschäfts- und Büroräumen.
Seine Linien folgen aber nicht den vorgefundenen Architekturen, vielmehr geht es Zitko darum, die Architektur der Zeichnung in gewisser Weise untertan zu machen. Vorsprünge, Ecken und Kanten werden so ausgemalt, dass die Dreidimensionalität verschwindet, dass immer die Struktur der Zeichnung als zweidimensionale Fläche zuerst sichtbar ist, sich über die Architektur legt, sie gewissermaßen auslöscht.
Zitko experimentiert mit unterschiedlichen Materialien für die zweidimensionalen Bilder und entdeckt Aluminiumplatten als seine bevorzugte Malfläche. Großformatige Arbeiten auf Karton entwickelt er erstmals für eine Ausstellung in Berlin 2015.
In der Galerie Crone zeigt Zitko kleinere, intimere Werke die in den Jahren 2024 bis 2026 entstanden sind. Als Zeichengrund dienen weiße Wabenkartonplatten. Die meisten der 2024 entstandenen Werke sind fast quadratisch, nur ein halber Zentimeter fehlt zum Quadrat, was ihnen eine besondere Optik verleiht. Die Linienstrukturen sind dicht, führen von Außen auf die Bilder, ballen sich zu Wirbeln, werden manchmal dünn und brüchig bevor sie die Malfläche wieder verlassen, ganz im Sinne der ewigen, einzigen Linie die von Bild zu Bild springt. Im Jahr 2025 zeigt sich dann eine beginnende Verdichtung der Formen und eine stärkere Konzentration auf die jeweilige Bildfläche. Die neuesten, in diesem Jahr entstandenen Arbeiten unterscheiden sich größtenteils deutlich von den früheren Arbeiten. Die klaren, dickeren Linien haben keinen Anfang und kein Ende, in sich geschlossen verbleiben sie auf der Bildfläche, sie kommen nirgendwo her, sie sind einfach präsent. Nichts muss mehr, aber alles kann in dieser Malerei, die den Weg zu sich selbst gefunden hat.
Mehr Texte von Werner Remm 20.03. - 07.05.2026
Crone Wien
1010 Wien, Getreidemarkt 14
Tel: +43 1 581 3164
Email: info@galeriecrone.com
http://www.galeriecrone.com/
Öffnungszeiten: Di-Fr 14-18, Sa 11-15 h
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