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Wiener Galerien suchen Ausweg aus dem Kunstmesse-Dilemma

Die teils erwartete Absage der viennacontemporary und die überraschende Absage der SPARK Art Fair hat die heimische Galerienszene hart getroffen. Ein ganzes Jahr ohne Kunstmesse am Heimmarkt, die auch international wahrgenommen wird, macht das Geschäft nicht einfacher, auch wenn es zuletzt erste Anzeichen einer Erholung des Kunstmarktes gegeben hat.

Auf Initiative des jungen Galeristen Maximilian Thoman haben sich nun 33 Wiener Galerien zusammengefunden, um Wege aus der verfahrenen Situation zu finden. Gleichzeitig soll durch die Gruppe, in der sich alle wichtigen Player der örtlichen Galerienszene finden, die Politik dafür gewonnen werden, sich an der Lösung zu beteiligen, um in Wien wieder eine große, internationale Kunstmesse zu etablieren. In einem aktuell verbreiteten Statement setzt sich die Gruppe dafür ein, „einen einzigen zentralen, großen Kunstevent, der für Qualität, Vielfalt, Relevanz und Internationalität steht, dabei aber insbesondere den dynamischen Veränderungen und neuen Gegebenheiten in der Kunstwelt gerecht wird“ in Wien zu etablieren. Sie fordert die Politik auf, dieses Projekt mit entsprechenden Förderungen zu unterstützen.

Im Zentrum Initiative steht der Gemeinschaftsgedanke. Durch die Fragmentierung der Wiener Kunstmesselandschaft, hätten „Ressourcen, Aufmerksamkeit und inhaltliche Stärken nicht ausreichend gebündelt werden“ können“, heißt es im Statement. Für ihn sei es wichtig, alle relevanten Interessen in den Dialog einzubinden, was auch andere Messeveranstalter miteinbezieht. Auch Abaseh Mirvali, die als künstlerische Leiterin der viennacontemporary 2025 einen guten Ansatz für die Weiterentwicklung der internationalen Kunstmesse in Wien gefunden hatte, ist in die Gespräche eingebunden.

Gespräche mit potentiellen Partner:innen
Nur Forderungen stellen und dann abwarten was passiert, will die Initiative jedenfalls nicht. Ein Sprecherkreis bestehend aus Miryam Charim (Galerie Charim), Antonia Lia Orsi (City Galerie Wien), Markus Peichl (Galerie Crone), Thomas Krinzinger (Galerie Krinzinger) und Raphael Oberhuber (Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder) sei in Kontakt mit möglichen Messebetreibern, Investoren und Institutionen. Auch im Büro des Kulturministers Andreas Babler und der Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler würde die Initiative begrüßt, heißt es.

International gibt es einige Beispiele, wie städtische und politische Institutionen gemeinsam den Erfolg einer Kunstmesse positiv beeinflussen können. Hinter der Kunstmesse ARCO in Madrid steht z.B. die 1987 gegründete Fundacion ARCO, in der Stadtrat, die regionale Verwaltung, die lokale Handelskammer und die private Stiftung Fundación Montemadrid zur Förderung von Bildung und Kultur eingebunden sind. Die Artissima in Turin ist Teil der Fondazione Torino Musei, einer Einrichtung der öffentlichen Hand.

In Wien böte sich für die Organisationsstruktur ein Private-Public-Partnership mit der Wien Holding an, in der sich Institutionen wie das Jüdischen Museum, das KunstHausWien und das Haus der Musik befinden. Die Stadt Wien Kunst GmbH, die das organisatorische Dach für das Atelierhaus Wien, Foto Arsenal Wien, Kunsthalle Wien und Kunst im öffentlichen Raum Wien sowie die Festivals Foto Wien und Vienna Digital Cultures bildet, könnte ebenso als Trägerorganisation für eine große Wiener Kunstmesse fungieren. Daneben benötigt es aber auch flankierende Maßnahmen wie eine (zumindest teilweise) Absetzbarkeit von Kunstkäufen und nicht zuletzt die Anpassung der aktuellen Mehrwertsteuer für Kunstwerke auf das Niveau der europäischen Nachbarländer, das derzeit zwischen fünf und sieben Prozent liegt.

Der Verband österreichischer Galerien moderner Kunst, der im Zusammenschluss mit den Galerien von Generalsekretär Rudolf Leeb und Präsident Martin Janda zumindest indirekt vertreten ist, will sich der neuen Initiative gegenüber vorerst neutral verhalten. Man wird sehen, ob die neue Einigkeit unter den Galerien in Zukunft ohne die sprichwörtlichen tief fliegenden Hackeln bestehen bleiben kann. Wünschenswert für den Kunststandort Wien wäre es allemal.

Mehr Texte von Werner Remm

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