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Geburtstag mit Hase

Wann beginnt eine Kunstsammlung? Viele Kunstsammler:innen erinnern sich gerne an den Kauf ihres ersten Kunstwerks, mit dem dann die Leidenschaft für Kunst und das Anlegen einer oftmals umfangreichen Sammlung von Kunstwerken begann. Wie aber legt man diesen Zeitpunkt fest, wenn das Ableben eines Sammlers mehr als 200 Jahre zurückliegt?

Die Albertina, die in diesem Jahr ihr 250-jähriges Jubiläum feiert, hat sich für jenes Datum entschieden, an dem in Venedig ein Konvolut an Kunstwerken an ihre Gründer Albert von Sachsen-Teschen und seine Frau Marie Christine, die Lieblingstochter Maria Theresias, zum Aufbau einer Grafiksammlung übergeben wurde.

Die schon zu ihrer Gründungszeit bemerkenswerte Sammlung besitzt mittlerweile mehr als eine Million Kunstwerke, darunter den Feldhasen und die betenden Hände von Albrecht Dürer, Zeichnungen von Rubens und Michelangelo, Gemälde von Claude Monet, Egon Schiele und Pablo Picasso, sowie österreichische und internationale zeitgenössische Kunst.

Um den runden Geburtstag gebührend zu feiern, bietet das Haus eine Reihe von Ausstellungen, die sowohl die lange Sammlungsgeschichte dokumentieren, als auch einen Blick in die Zukunft des zuletzt von knapp 1,3 Millionen Menschen besuchten Museums mit seinen drei Standorten.

Noch bis 22. März läuft „Faszination Papier“ im Haupthaus, eine Ausstellung, die besondere Stücke aus dem Herz der ursprünglich „Graphischen Sammlung Albertina“ präsentiert, ausgewählt von den Kurator:innen der einzelnen Sammlungebereiche. Die große Geburtsagsschau „Sammeln für die Zukunft“ rückt ab Juni Marie Christine als Sammlerin in den Fokus und zeigt die Entwicklung der Sammlung über die Jahre anhand von Sammlungshighlights wie dem Feldhasen. Werke von Künstlerinnen stehen im Herbst im Zentrum der Ausstellung „Künstlerinnen der Albertina“. Das meist (und von den Männern gerne) den Frauen überlassene Thema der Fürsorge und Pflege zeigt die Ausstellung „Care Matters“, allerdings nicht aus der Sammlung der Albertina sondern mit Werken aus der Sammlung Verbund.

In Klosterneuburg werden ab Ende März Werke gezeigt, die vor allem über Schenkungen von Künstler:innen zur Sammlung hinzukamen. Die Albertina Modern widmet sich mit „Tanzbild“ dem Thema Tanzfotografie aus der umfangreichen Fotosammlung die auch im Haupthaus mit einer Ausstellung zum Thema „Reisefotografie“ zu Jubiläumsehren kommt.

Zwischen den großen Geburtstagsschauen findet sich noch Platz für eine Einzelausstellung von Helga Philipp, einer zentralen Vertreterin der Konkreten Kunst in Österreich und eine Gegenüberstellung von Victor Vasarely und Marc Adrian, die sich intensiv mit der Darstellung von Bewegung und optischen Effekten in der bildenden Kunst auseinandersetzten. Eine besondere Form der politischen Auseinandersetzung zeigt eine Schau mit Zeichnungen des französischen Karikaturisten Honoré Daumier. Dazu gibt es noch eine Personale von Richard Prince, mit einem Schwerpunkt auf sein fotografisches Schaffen und eine Schau mit Arbeiten des zeitgenössischen Pop-Art-Superstars KAWS zum Thema Kunst & Comix, die ergänzt wird mit Arbeiten aus der Sammlung der Albertina von Roy Lichtenstein, Keith Haring und anderen.

Offen zu sein für möglichst Vieles, hat die Albertina unter Direktor Ralph Gleis als Motto für das Jubiläumsjahr und darüber hinaus gewählt. Das liegt natürlich in der DNA eines Museums, das neben dem Bewahren ja vor allem auch das Gesammelte zeigen will, also offen für die Besucher:innen sein soll. Man fühlt sich dabei aber auch dem Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart verpflichtet und einer nachhaltigen Entwicklung für die Zukunft. Wir sind gespannt auf die kommenden 250 Jahre.

⤇ www.albertina.at

Mehr Texte von Werner Remm

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