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Koo Jeong A - Land Of Ousss [ Gravitta ]: Skaten im Kopf

Sie lebe „überall“, sagt die südkoreanische Künstlerin Koo Jeong A, die Erfinderin einzigartiger subtiler Interventionen. Die auf geheimnisvolle Art und Weise an den Grenzen der Wahrnehmung surfen, um durch klare Gesten und nur erahnbare Düfte Räume zu eröffnen, die viel mit subjektiven Erinnerungen zu tun haben, letztlich an den Randzonen des real Erfahrbaren grasen.

Einem breiteren Kunstpublikum ist die 58-jährige, raffiniert zwischen den Genres angesiedelte Künstlerin von ihrem Auftritt bei der letzten Kunstbiennale von Venedig bekannt, wo sie den koreanischen Pavillon mit olfaktorischen Reminiszenzen an ihre Heimat geflutet hat. Der Duft der Zirbe spielt auch in ihrem Bregenzer Auftritt eine – wenn auch kleine – Rolle. Um ihn überhaupt wahrzunehmen, braucht der/die Riechende jedenfalls ein sehr gutes, absolut schnupfenbefreites Näschen.

Unübersehbar ist dagegen das riesige Bodenobjekt, das Koo Jeong A auf den Boden des Erdgeschosses des Bregenzer Kunsthauses gelegt hat. Das in seiner Anmutung ebenso zart wie stark daherkommt und in seiner formalen Offenheit alles andere als zufällig an das Fragment einer in den Boden eintauchenden bzw. aus diesem wieder auftauchenden Skaterrampe erinnert. Gemacht, um „den Geist in Bewegung zu setzen“, auf ihr sozusagen „im Kopf zu skaten“ so die Künstlerin. Magisch wird es allerdings, wenn der Raum in absolute Dunkelheit gehüllt ist, und die phosphoreszierende Oberfläche den nun grün leuchtenden skulpturalen Körper zu entmaterialisieren scheint.

Mit drei massiv aus Holz gebauten Möbiusschleifen hat Koo Jeong A dagegen das erste Geschoß „möbliert“. Um die materielle Banalität ihrer grafisch geometrisch strukturierten Oberflächen zu kaschieren, sind die Objekte mehr oder weniger deckend weiß lasiert. Wie sie so dastehen, mutieren die elegant in sich geschlossenen Schleifen zu raffiniert kontrapunktischen Kommentaren zur kühlen Rechteckigkeit der Zumthor’schen Architektur, zur Metapher für Bewegung im Kontrast zur räumlichen Statik. Rätselhaft erscheint in diesem Kontext dagegen auf einen ersten Blick ein an einer Wand hängendes großes, dunkel gerahmtes Bild. Das nur während der Nacht sozusagen zum Leben erwacht, wenn das phosphoreszierende Pigment, mit dem die Leinwand monochrom bemalt ist, das während des Tages gespeicherte Licht wieder abgibt, um – für wen auch immer? – geheimnisvoll zu leuchten.

In das Stockwerk darüber hat Koo Jeong A unterschiedlich hohe bzw. schlanke Stelen mit und ohne Sockel in den Raum gestellt sowie an schwenkbaren Halterungen Bildtafeln vor die Wände gehängt. In streng minimalistischer Manier gepuzzelt bzw. gepixelt aus kleinen grauen magnetischen Plättchen, die alle gleich und durch unterschiedliche Glanzpunkte, malerische oder grafische Spuren doch jeweils wieder irgendwie anders sind. Wodurch sich einerseits reizvoll unterkühlte poetische Strukturen ergeben, um andererseits zu suggerieren, dass hier energetische Kräfte am Werk sind, die wir zu spüren glauben, obwohl sie sich unseren Blicken entziehen.

Ganz oben im Kunsthaus Bregenz läuft auf einer riesigen Leinwand ein Film. Im Vordergrund sitzt eine in der Wiese kauernde Figur mit dem Rücken zum Publikum, die bewegungslos auf einen halbkreisförmigen, von Licht erfüllten Körper an dem von einem blauen Himmel überwölbten Horizont starrt.  Für die Sonne ist die offensichtlich von Gas gefüllte Kugel zu groß, was sich hier der Erde nähert, ist die Frage. Erschließt sich auch nicht beim Heranzoomen in Zeitlupe, wenn ein Gewirr bizarrer Linien die Szene durchpflügt, um sich bei der Entfernung aus dieser wieder aufzulösen. Die Kamera fährt im Loop ständig vor und zurück, ohne dass sich in diesem geheimnisvollen „Land of Ousss“ etwas ändert. Die Dimensionen von Zeit und Wirklichkeit, das Denken in „normalen“ Logiken werden auf diese Weise außer Kraft gesetzt, ein ungefähres Gefühl ungemütlicher Dystopie macht sich breit.

Mehr Texte von Edith Schlocker

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Koo Jeong A - Land Of Ousss [ Gravitta ]
31.01. - 25.05.2026

Kunsthaus Bregenz
6900 Bregenz, Karl Tizian Platz
Tel: +43 5574 48 594-0, Fax: +43 5574 48 594-8
Email: kub@kunsthaus-bregenz.at
http://www.kunsthaus-bregenz.at
Öffnungszeiten: Di-So 10-18, Do 10-20 Uhr


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