Klimt, Schiele und ein goldenes Klo
Gleich zwei Rekorde knackte das „Porträt Elisabeth Lederer“ am Abend des 18. November bei Sotheby‘s in New York. Das zwischen 1914 und 1916 von Gustav Klimt gemalte, 180x 130 cm messende Gemälde, zeigt die Tochter des Sammler-Ehepaares August und Serena Lederer, die das Bild bei Klimt in Auftrag gegeben hatten. 1938 von den Nationalsozialisten entzogen wurde das Werk 1948 an den Sohn Erich Lederer restituiert. 1983 verkaufte dieser es an die Serge Sabarsky Gallery in New York wo es 1985 vom Sammler Leonard A. Lauder erworben wurde. Der Klimt kam gemeinsam mit 23 weiteren Werken aus der Sammlung Lauders unter den Hammer.
Dieser Hammer fiel nach einem fast 20-minütigen Bietergefecht bei 205 Millionen US-Dollar, was inklusive Gebühren den Endpreis von 236,4 Millionen ergibt. Das Bild ist das teuerste, jemals bei Sotheby‘s verkaufte Kunstwerk (den Weltrekord hält Konkurrent Christie’s mit 450,3 Mio USD für da Vincis „Salvator Mundi) und zugleich das teuerste Werk Moderner und Zeitgenössischer Kunst. Diesen Rekord hielt bisher Andy Warhols Porträt von Marilyn Monroe mit einem Hammerpreis von 195 Millionen US-Dollar, versteigert bei Christie’s 2022.
Aus der Sammlung Lauders wurden an diesem Abend noch zwei weitere Gemälde von Gustav Klimt versteigert. Die „Blumenwiese“ kam auf 86 Mio US-Dollar und für den „Waldabhang bei Unterach am Attersee“ genehmigte ein:e Sammler:in knapp über 70 Mio US-Dollar.
Bislang erfolgreichste Moderne-Auktion am Dorotheum
Am selben Abend kam in Wien eine Gouache des Klimt-Zeitgenossen Egon Schiele unter den Hammer. Der „kauernde Rückenakt“ aus dem Jahr 1917 war mit einer Schätzung von 1,8 bis 2,5 Millionen Euro versehen und erreichte schließlich den Zuschlag bei 2,7 Millionen Euro bzw. 3,23 Mio €, inklusive Aufgeld. Weitere hervorragende Preise erzielten in der Auktion Werke von Giorgio de Chirico, Marc Chagall, Pablo Picasso und Alfons Walde. Laut Dorotheum war dies die bisher erfolgreichste Moderne-Auktion in der Geschichte des Auktionshauses. Eine erzielte Verkaufssumme nannte das Auktionshaus nicht.
Auktionsrekord für Maurizio Cattelan
Nochmals zurück nach New York zu Sotheby’s. Dort wurde bei einer weiteren Auktion die wahrscheinlich teuerste Toilette der Welt versteigert. Maurizio Cattelan, der erst vor kurzem mit dem Preis der Nationalgalerie ausgezeichnet worden war (das artmagazine berichtete ⤇ HIER und ⤇ HIER), hatte im Jahr 2016 zwei identische Versionen einer goldenen Toilette aus jeweils 101,2 Kilogramm 18-karätigem Gold angefertigt. Eine Version der mit dem Titel „America“ versehenen und voll funktionsfähigen Toiletten wurde 2016/2017 im Guggenheim Museum ausgestellt wo sie auch wirklich benutzt werden konnte. 2019 wurde sie an das Geburtshaus von Winston Churchill in Großbritannien ausgeliehen und dort gestohlen. Die zweite, nun versteigerte Version war ursprünglich an eine:n ungenannte:n Sammler:in verkauft worden. Eine „berühmte amerikanische Marke“, so das Auktionshaus, hat das teure Klo nun für 12,1 Mio US-Dollar (10,44 Mio €) ersteigert.
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