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Die Dead Internet Theory und wie sie zur Wirklichkeit wird

Vor kurzem musste ich in einem Gespräch feststellen, dass ich das Internet nicht mehr verstehe. Mein Gegenüber bemerkte das mit dem wissenden Lächeln einer Person, die das bei sich selber vor Jahren schon festgestellt hatte, ich mit einer Mischung aus Verzweiflung und leisem Stolz.

Ich bin nun also auch auf der anderen Seite, der “Boomer” Seite, die kopfschüttelnd Pfeife paffend über die Jugend wettern. Aber ich sehe es auch wie eine schmerzhafte Trennung von einem geliebten, wenn auch manchmal toxischen Begleiter.

Wir hatten alles in allem eine tolle Zeit miteinander. In den schlimmsten Phasen gab mir das Internet #Thinspiration und den Harlem Shake, in den besten Gemeinschaft, Diskurs und Wikipedia. Langsam hat sich ein Eindringling breit gemacht in unserer Beziehung: Die Künstliche Intelligenz. Seit 2016 gibt es schon die “Dead Internet Theory”, damals noch eine Verschwörungstheorie. Sie besagt, dass vor allem auf “sozialen” Medien, aber eigentlich überall im Internet, langsam mehr KIs und Bots unterwegs sind als echte Menschen. Das war 2016 alles noch mit dem blechernen Beigeschmack von Alu-Hüten, zunehmend aber lässt sich das auch jetzt im Internet bemerken, sogar wenn man (so wie ich) versucht, KI so gut es geht auszublenden. Pop-Ups sagen mir, es gibt jetzt “UNSER NEUES KI FEATURE!”, und ich komme gar nicht hinterher, bei jeder Website aufs Neue KI-Content zu ignorieren (meistens geht das auch gar nicht mehr). Immer wiederkäuend, was schon da ist, KI-Content, der KI-Content füttert, sich immer wiederholend, nie etwas Originelles, ist das jetzt, wo wir gelandet sind?

Oft wird mir gesagt, ich müsse da einfach mitmachen, Widerstand sei zwecklos, es sei ja sowieso schon überall. Dazu hab ich nichts zu sagen außer Nein (Das funktioniert bei Faschismus ja auch nicht). Ich versuche wohl, an Originalität festzuhalten.

Bei Bildern, die generiert wurden, scheint es vor allem mit Händen ein Problem zu geben. Ich finde das aber irgendwie tröstend. Die ersten Höhlenmalereien sind Abdrücke unserer Hände, etwas wahrlich handgemachtes. Da kommt AI-Slop (Jugendwort 2026, hier habt ihr es zuerst gehört) erstmal nicht heran - auch wenn das erschreckend schnell besser wird. Manche versuchen, mit dem sogenannten “Brainrot”, die Unsinnigkeit der ganzen Sache zu betonen. Content, der so wenig Mehrwert hat, dass das Hirn langsam verrottet. Das kann man humorvoll sehen oder wie ein letztes Aufbegehren, weil eh schon alles egal ist. Wenn das so ist, muss ich wohl meinen letzten Satz meinem Nachfolger geben.

“Das Internet stirbt leise an der KI – einst menschlich, nun nur noch ein Echo künstlicher Stimmen.”

Danke ChatGPT, sehr selbstreferenziell. Und ach ja, noch hab ich das letzte Wort.

Mehr Texte von Veronika Metzger

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