Der Umweltkunstpreis des Kunsthauses Graz geht an Camilla Alberti
Zum ersten Mal hat das Kunsthaus Graz in diesem Jahr den Umweltkunstpreis ausgeschrieben. Als Ergänzung zum Umweltpreis der Stadt Graz wurde eine künstlerische Position zum Thema "Nachhaltig Ernähren" mit einer Präsentation im Haus und einem zusätzlichen Preisgeld von 3.000 Euro ausgezeichnet.
Die Entscheidung der Jury fiel auf den Entwurf der italienischen Künstlerin Camilla Alberti, deren Arbeit zeigt, wie viel Potenzial in biologischen Abfällen steckt: Verwandlung, Erinnerung bis hin zu Neuanfang. Ihre neue Arbeit Feeding the Ghost ist bis 02.11.2025 im Foyer des Kunsthauses zu sehen.
Aus insgesamt 31 Einreichungen hat die Jury – bestehend aus Vizebürgermeisterin Judith Schwentner, der Leiterin des Kunsthauses Graz, Andreja Hribernik, und der Chefkuratorin des Kunsthauses, Katrin Bucher Trantow – aufgrund ihrer ästhetischen und konzeptionellen Wirkkraft die Arbeit von Camilla Alberti ausgewählt: "Wenn Camilla Alberti mit Pilzstrukturen malt, organische Skulpturen mit diesen besetzt oder ihre Wachstumsstrukturen malerisch vergrößert und visuell übersetzt, werden die Reste unserer Lebensmittel in ihrer ästhetischen Wirkkraft sichtbar. Indem sie dem Publikum zeigt, wie „schön” diese Abfälle sind, erweist sie ihnen und der Lebensenergie, die in unserem Essen steckt, den gebührenden Respekt", so die Jury.
Aus Weggeworfenem erschafft Alberti geisterhafte, hybride Skulpturen. Für die Installation hat die Künstlerin organische Abfälle wie Schalen, Wurzeln, Kaffeesatz und Samen verarbeitet. Gekocht, verbrannt und pulverisiert wurden diese in Pigmente, Pasten und natürliche Bindemittel verwandelt. Gemeinsam mit Blättern, Blüten und Früchten entstanden daraus fragile Formen zwischen Natur, Körper und Erinnerung.
Albertis künstlerische Praxis verweist damit auf alte Traditionen, in denen das Verfallene nicht als wertlos gilt, sondern als Träger von Wissen – ein Zugang, der heute neue Dringlichkeit gewinnt. Im Zentrum ihres Schaffens steht die Vorstellung von Materie als lebendiges Archiv: ein Körper in ständiger Veränderung und ein Symbol für die Möglichkeit, zu regenerieren. Der künstlerische Prozess folgt dabei einer ökologischen Sensibilität – achtsam, forschend, verbunden mit den Kreisläufen der Natur.
Camilla Alberti, 1994 in Mailand geboren, lebt und arbeitet dort. Ihre künstlerische Forschung verbindet Kunst und Wissenschaft, zuletzt am Institut für Biologie in Graz, wo sie 2024 als Styria-Artist-in-Residence die symbiotischen Beziehungen von Flechten untersuchte. Forschungsaufenthalte führten sie u. a. in die Atacama-Wüste (Chile, 2023) sowie ans Nationalmuseum für moderne und zeitgenössische Kunst in Seoul, wo sie schamanische Praktiken und Transformation von Materie erforschte.
Ihre Arbeiten wurden u. a. gezeigt bei der Triennale Mailand (2025), der Swivel Gallery New York (2025), der Malta Biennale (2024), der 14. Gwangju Biennale (2023), im Palazzo Strozzi (2021) sowie im Archäologiemuseum in Graz (2021).
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