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Von Monster und Genie

Gedanken zu Kunst und Marketing auf Instagram

Jackisagenius’ Instagram Account ist eine Reihe von Gegensätzen. Alles wirkt flüchtig, total unverständlich und gleichzeitig total greifbar. Das Voiceover seiner Videos ist mehr wie ein Mind-Map, die Kunst assoziativ. Er gibt seinem Publikum die Möglichkeit, seine Gedankengänge nachzuvollziehen, oder es zumindest zu versuchen. “I like whatever is wrong with you”, schreibt jemand in den Kommentaren. Man kann es nicht abstreiten, dass Leute wie Jack die Schwellen zu Kunst mit großen K senken: Er weiß, dass er nicht zeichnen kann, aber es geht ihm mehr um das Konzept; seine Kunst ist komisch, in beiden Sinnen dieses Wortes. Man kann sich darüber streiten, ob das was als Werk am Ende dabei herauskommt gut ist – oder geht es womöglich gar nicht um das Werk selber? Ist Instagramkunst eher Performancekunst als Malerei?

Seit Instagram Reels eingeführt hat, herrschen bei Content zwei Vorgaben: Bewegtbild, Hochformat. Den Schaffensprozess zu dokumentieren, umgeht das Problem, dass das wirkliche Endergebnis sich zwecks Instagram-Kompatibilität verändern muss. Geht es dann aber wirklich noch um das Bild selber? Smallwhitemonster, eine Künstlerin aus Großbritannien, zeigt in ihren Videos, wie sie das Bild malt. Zurückgenommen, wenige Schnitte, ein Lied über dem Video. Man bemerke, es ist meist der selbe Song - es scheint Teil ihres Brandings geworden zu sein. Er soll als “Trending Audio” Kundschaft zu ihr leiten: Ihre Bilder kann man auf ihrer Website kaufen. Mit sehr ähnlichen Motiven, Traumlandschaften, leicht surrealistisch und irgendwie nostalgisch. Ihr Stil ist sehr distinktiv; selbst wenn man ihr nicht folgt, haben ihre Bilder großen Wiedererkennungswert. Und selbst wenn man ihre Bilder nicht “versteht”, geben sie einem das Gefühl, zumindest etwas davon in sich selbst wiederzuerkennen. Die Zukunft von Kunst bedeutet dann wohl, die Schwelle immer weiter zu senken, bis alle das Bild gut finden können. Sonst bekommt man ja keine Likes, wenn sich nicht alle jedenfalls ein wenig gemeint fühlen.

Aber hat Kunst wie die von Jackisagenius und Smallwhitemonster, sei sie nun gut oder nicht, die Chance, es vom Bildschirm an die Wand zu schaffen? Wird sie in der Kunstwelt ernstgenommen? Wenn ihre Ästhetik so vom Vermarkten abhängt, macht das dann überhaupt Sinn? Hat sie eine Daseinsberechtigung, wenn Dreizehnjährige ohne künstlerische Ausbildung schon aus ihrem Kinderzimmer heraus Bilder in die Welt verkaufen können?

Eine solche Kunst wird immer Reichweite bringen, aber einen nicht ins Rijksmuseum, zumindest noch nicht. Kunst wie diese folgt aber heutzutage einer einfachen Wahrheit:
Performanz über Kompetenz - und über allem der Dilettantismus.

Mehr Texte von Veronika Metzger

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