Von Licht, Abstraktion und künstlicher Schöpfung
Ein Rundgang durch Sommerausstellungen in Salzburg.
Zum Salzburger Festspielsommer gehört seit vielen Jahren auch die Kunstmesse Art&Antique. Zehn Galerien haben sich unter dem Zeltdach im Hof der Residenz zusammengefunden, um das Festspielpublikum für den Kauf von Kunst, Antiquitäten, exklusivem Schmuck oder Asiatika zu begeistern. Die Bandbreite der Kunstwerke reicht dabei von den österreichischen Klassikern des 20. Jahrhunderts wie Alfons Walde oder Markus Prachensky bis zu internationalen Zeitgenossen wie Ai Weiwei. Die Galerien und Kunsthandlungen zeigten sich auf Nachfrage durchaus zufrieden und verwiesen vor allem auf das hochkarätige und interessierte Publikum, das die Salzburger Festspiele magnetisch anzieht. Im kommenden Jahr wird die Messe aufgrund der Fassadensanierung der Residenz übrigens im Kongresshaus in der Nähe des Hauptbahnhofs stattfinden.
Direkt neben dem Messezelt findet sich der Eingang zur Galerie von Waltraud und Mario Mauroner die eine Ausstellung zum Thema Licht und Schatten zusammengestellt haben. Der Zugang der einzelnen Künstler:innen ist dabei ein recht unterschiedlicher. Hans Kotter verwendet Licht in seinen Arbeiten als Medium der Wahrnehmungserweiterung, während Koloman Wagner mit seinen Skulpturen eindrucksvolle räumliche Konstruktionen und Schattenspiele erzeugt. Anselm Reyle und John M. Armleder vertrauen in ihren Werken dagegen auf die Möglichkeiten der Malerei, die schon immer aus der Kombination aus Licht und Schatten Meisterwerke hervorgebracht hat. Die Ausstellung setzt sich großzügig im Galeriehaus am Ingnatz Rieger Kai fort.
Vor der Residenz hat diesen Sommer ein weiterer von der Galerie Mario Mauroner vertretener Künstler einen wahrlich monumentalen Auftritt. Fünf jeweils 11 Meter hohe Frauenköpfe aus Gusseisen wurden rund um den zentralen Brunnen des Residenzplatzes aufgestellt. Der katalanische Bildhauer Jaume Plensa schafft „immer Hommagen an die anonymen und unsichtbaren Individuen in der Gesellschaft, die aber für die Gesellschaft eine enorme Bedeutung haben. Und das sind vielfach Frauen.“, so der Künstler im Rahmen der Eröffnung. Ermöglicht hat die Aufstellung der Skulpturen die Bonner Stiftung für Kunst und Kultur im Rahmen des Walk of Modern Art, der u.a. Werke von Marina Abramović, Anthony Cragg, Brigitte Kowanz und Erwin Wurm an speziellen Plätzen der Festspielstadt präsentiert.
Die L.art Galerie präferiert diesen Sommer die Abstraktion. Mit ihren Linienrastern, mit denen Maureen Kägi – Gewinnerin des Swiss Art Award 2025 – ihre Gemälde und Papierarbeiten überzieht, fordert sie die Wahrnehmung der Betrachter:innen heraus. Mit repetitiver Gestik schafft sie eine flirrende Unschärfe in der Vorder- und Hintergrund beständig changieren. Expressiv setzt die Künstlerin dazu florale Motive ins Bild, die an der Grenze zur Abstraktion angesiedelt sind und eine Verbindung zwischen Kunst und Natur symbolisieren sollen. Die Gemälde von Thomas Reinhold strahlen mit ihren in- und übereinanderlaufenden Farbflächen dagegen eine große Ruhe aus. Reinhold verzichtet in seiner Malerei auf die Gestik des Pinsels sondern lässt die dünne Farbe über die (meist am Boden liegende) Leinwand laufen. So entstehen räumlich anmutende Bildkonstruktionen, die sich gleichzeitig jeder Tiefenwahrnehmung verwehren.
Als dritte Position zeigt die Galerie im Hof Skulpturen von Barbara Szüts, die mit ihren Raumzeichnungen in gewisser Weise eine dreidimensionale Synthese der malerischen Positionen zu Kägi und Reinhold kreiert.
Der Kunstraum im Traklhaus zeigt Arbeiten der britischen Künstler:innen Hannah Tilson und Otis Blease. Bereits zum vierten Mal unterrichten die beiden eine Klasse für Druckgrafik auf der Festung. Hannah Tilson arbeitet vorwiegend mit Mustern, in welche sie zarte Malereien von Frauengesichtern einfügt. Ihre blass-bunten Arbeiten werden ergänzt durch einen kleinen aus Stoffbahnen konstruierten Pavillon, der eine lebensgroße Zeichnung einer Figur wie hinter zarten Schleiern verbirgt. Otis Blease dagegen ist mit schwarz-weißen Zeichnungen von Straßenszenen und ebenso in Schwarz und Weiß gehaltenen architektonischen Skulpturen vertreten. Für ihn geht es dabei um die Stadt als Zeichen der Ausbeutung der Erde und die ungebremsten kapitalistischen Wachstumsfantasien.
Ebenfalls um den Umgang mit der Schöpfung geht es in den Videoinstallationen von Philipp Timischl in der am Mirabellplatz gelegenen Kirche St. Andrä. Geschickt erschafft der Künstler schon im Eingangsbereich eine Sogwirkung in den Kirchenraum. Eine hohe Konstruktion aus Flachbildschirmen gibt durch eine kreuzförmige Öffnung den Blick quer durch den Kirchenraum auf das Altarkreuz frei. Auf dem überdimensionalen Monitor läuft ein KI-generierter Rundgang quer durch unterschiedliche Räume. Im Inneren stoßen die (nicht nur wegen der Ausstellung gekommenen) Besucher:innen dann auf weitere große Led-Wände, auf denen ebenfalls KI-generierte Videos über die Schöpfung, die Liebe, die Lust und Last der permanenten Veränderung zu sehen sind. Timischl gelingt damit eine kurzweilige Gratwanderung zwischen Unterhaltung und Tiefsinn.
Links zu den Ausstellungen:
⤇ L.art Galerie
⤇ Mario Mauroner Contemporary Art
⤇ kura-t Kunstraum Traklhaus
⤇ Kirche St. Andrä
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