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Auktionsrückblick auf das erste Halbjahr 2025

Solide gestaltete sich das erste Auktionshalbjahr in den deutschsprachigen Ländern. Anders als in London oder New York, wo das Einbrechen des Top-Segments für lange Gesichter sorgt, fahren die hiesigen Kunstversteigerer mit ihrem Angebot im mittleren Preisbereich ganz gut. Dabei reklamieren regelmäßig mehrere Häuser die Führerschaft für sich. Tatsächlich ist es kaum möglich, die unterschiedlichen Bewertungsmaßstäbe unter einen Hut zu bringen: Der eine rechnet auch Schmuck oder das Pfandleihgeschäft in seine Umsätze, der andere Aufgeld und Umsatzsteuer, der dritte die Geschäfte seiner Filialen im Ausland.

Verhältnismäßig am stärksten zulegen konnte jedenfalls Grisebach. Mit ihren Frühjahrsauktionen erlösten die Berliner 22 Millionen Euro, nach nur 12,5 Millionen im allerdings sehr schwachen Vorjahreszeitraum. Bemerkenswerterweise ist der Umsatzsprung nicht auf ein einzelnes Toplos zurückführen. Rund 40 Prozent der Lose erzielten auf der Abendauktion netto mindestens sechsstellige Preise, das ist in der Breite recht beachtlich. So ging Per Kirkebys großes Gemälde „Fünf“ aus dem Jahr 1989 hingegen ging zum Rekordpreis von 571.500 Euro inklusive Aufgeld an einen Telefonbieter. Das Toplos war Lyonel Feiningers „Vollersroda III“, das zur oberen Taxe von 1,88 Millionen Euro zugeschlagen wurde. Ein besonders freudloser Beckmann ging für 1,14 Millionen Euro. Zäher ließ sich die Mittelware im Daysale absetzen, je älter umso schwieriger. Nur etwas mehr als die Hälfte der Lose konnte überhaupt vermittelt werden, oft noch unter der Schätzung. Einer der Ausreißer war die Landschaft „Am Julierpass“ von Otto Dix aus dem Jahr 1936, die sich anscheinend aus der Abendauktion hierher verirrt hatte und ihre Taxe auf 200.000 Euro verdoppeln konnte.

Lempertz in Köln kann sich mit dem teuersten Los der Saison schmücken. Allerdings kommt dieses ausnahmsweise aus dem Bereich der Alten Meister. Ein Stillleben mit Blumen und Früchten von Jan Davidszon de Heem wurde mit 3,4 Millionen Euro mehr als doppelt so teuer wie vorgesehen. Bei Moderne und Zeitgenossen war nicht so viel Musik drin. Für das Toplos „Komposition auf Rosa“ von Oskar Schlemmer gab es lediglich ein schriftliches Gebot über 1,36 Millionen Euro. Der „Sechs-Köpfe-Fries“ von Schlemmer fand bei einer unteren Schätzung von 600.000 Euro überhaupt keinen Abnehmer. Auch das ungewöhnlich braun-schwarze „Concetto Spaziale“ von Lucio Fontana bleib mit einer Taxe von 600.000 Euro liegen.

Bei Ketterer in München, mit 29,2 Millionen Euro Deutschlands umsatzstärkstem Auktionshaus, gab es Licht und Schatten  Die größte Enttäuschung war Alexej von Jawlenskys „Kopf in Bronzefarben – Bildnis Sacharoff“ aus dem Jahr 1913, das bei 1,5 Millionen Euro liegenblieb. Immerhin Pablo Picasso erwies sich als harte Währung: Die Papierarbeit „Le Sculpteur et son Modèle“ aus dem Jahr 1933 stieg von 800.000 Euro auf 1,68 Millionen. Dafür gab es sogar zögerlichen Applaus, ebenso wie für die glatte Million (inkl. Aufgeld 1,26 Mio.), für die bei Lyonel Feiningers „Auf der Brücke“ aus dem Jahr 1913 der Hammer fiel (Taxe 600.000). Toplos des Abends wurde Edvard Munchs „Das rote Haus“, für das ein Telefonbieter 2,05 Millionen Euro genehmigte. Der neue Besitzer des monumentalen Gemäldes von Louis Morris kann sich freuen, eines von nur zwei Werken aus der „Addition“-Werkfolge von acht Stück zu besitzen, das sich nicht in Museumsbesitz befindet. 1,14 Millionen Euro (800.000) musste er dafür auslegen.

Ein Kuriosum ist die Selbsteinschätzung von Van Ham aus Köln, das sich mit einem selbst errechneten Gesamtergebnis von 30,4 Millionen Euro lediglich auf Rang Zwei in Deutschland sieht. Einen Millionenzuschlag konnte das Haus zwar nicht verbuchen, doch nicht zuletzt dank des Verkaufs der Sammlung des Chemiekonzerns Bayer sehen sich die Rheinländer „als führendes deutsches Haus für Corporate Collections“. Als nächstes steht Anfang Dezember die Verwertung der Insolvenzmasse der Münchener Galerie Thomas an.

Das zweifellos umsatzstärkste Unternehmen im deutschsprachigen Raum ist das Wiener Dorotheum, doch bei Details hält sich das Traditionshaus ebenso traditionell bedeckt. „Für das erste Halbjahr 2025 gelang es bei den Versteigerungen mit weit über 100 Millionen Euro Umsatz das ausgezeichnete Ergebnis aus dem Jahr 2024 zu übertreffen.“ Das war's, mehr Info gibt es nicht. Beim Umsatz mag das Dorotheum den deutschen Kollegen voraus sein, in Sachen Transparenz kann es von ihnen noch viel lernen.

Auch Koller in Zürich sieht sich ausweislich einer Presseaussendung an der „Spitze des Kunstmarkts im deutschsprachigen Raum“: „Die drei höchsten Zuschlagspreise für Impressionismus, Moderne und Zeitgenössische Kunst im ersten Halbjahr 2025 wurden allesamt bei Koller erzielt.“ Mit Paul Signacs „Saint-Tropez, port en fête“ aus dem Jahr 1895 konnte das Haus mit 6,18 Millionen Franken inklusive Aufgeld tatsächlich den höchsten Zuschlag für sich verbuchen. Über den Gesamtumsatz breitet das Unternehmen allerdings die Decke der schweizerischen Diskretion.

Links zu denb Auktionshäusern:

⤇ www.grisebach.com
⤇ www.lempertz.com
⤇ www.kettererkunst.de
⤇ www.van-ham.com
⤇ www.dorotheum.com
⤇ www.kollerauktionen.ch

Mehr Texte von Stefan Kobel

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