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Kulturk(r)ampf a la Weimer

Kein Witz: Der deutsche Kulturstaatsminister Wolfram Weimer versucht das Gendern zu unterbinden und drängt alle öffentlich geförderten kulturellen Einrichtungen zu einem Genderverbot. Dieses autoritäre Diktum schränkt die Freiheit der Kultur ein, in dem es den Verlust von staatlicher Förderung androht - der Kulturkampf in Deutschland geht also in die nächste Runde.

Begonnen hatte dieser Kampf mit Weimers kühner Behauptung „deutsche Maler seien in den letzten 40 Jahren durchweg absolute Weltklasse“ gewesen und dieses „ohne staatliche Subventionen“ zu benötigen. Weimer verkennt hier nicht nur, selbstverständlich in nicht gegenderter Sprache, dass die überwiegende Mehrheit der Maler und Malerinnen nicht von ihrer künstlerischen Arbeit leben können, sondern auch, dass Erfolg in aller Regel eher wenig über die Qualität von Kunst aussagt. Worum es ihm aber tatsächlich geht, wurde wenig später klar, als er die aktuelle „Empörungskultur“ kritisierte. Kunst hat sich für Weimer markt- und gesellschaftskonform zu behaupten, auf keinen Fall aber soll sie politisch oder gar systemkritisch daherkommen. Für eine solch affirmative Vorstellung von Kunst dient ihm dann, nicht ganz zu Unrecht, die autonome Malerei als Kronzeuge. „Radikal feministische, postkoloniale und öko sozialistische Empörungskultur“ aber sei nichts anderes als ein übergriffiger „linker Alarmismus“. Dass diese dümmliche Attacke auf das komplette Spektrum avanciert-engagierter Kulturproduktion die Kunstfreiheit hinterfragt ist so offensichtlich wie die aggressive Ignoranz dieser Polemik.

Aktuelle Diskurse wiederum ignorierend verkündete Weimer im Juli den nächsten erzkonservativen Backlash: Er nahm den Gedanken seiner Vorgängerin Claudia Roth, dass zur deutschen Erinnerungskultur auch das kritische Erinnern an den deutschen Kolonialismus gehöre, wieder zurück und betonte die „Singularität“ des Holocaust. Dies verbiete von anderen kolonialen Verbrechen zu sprechen. Dass es aber längst wissenschaftlicher Standard ist, den Holocaust in einer Reihe von den vielen Genoziden zu bedenken, die in der Historie der kapitalistischen Moderne und ihrer Dialektik zu beklagen sind, ignoriert Weimer – aus gutem schlechten Grund: Die Behauptung der Singularität des Holocaust macht diesen zu einer Ausnahme in der Geschichte, das Projekt der Moderne braucht daher angesichts immer wiederkehrender Genozide nicht kritisch gegengelesen werden.

Von den Topoi „Königsdisziplin Malerei“ über „Empörungs“- und „Erinnerungskultur“ bis hin zu „Genderverbot“ – all diese Vorstöße Weimars machen leider durchaus Sinn, klarerweise in dem Sinne, dass der Kulturstaatsminister mit diesen Bausteinen eine wertkonservative Kultur restaurieren will. Und diese soll in bester patriarchalischer Ordnung dem neo-liberalen „Weisse-Männer-Kapitalismus“ unkritisch, dafür aber ökonomisch erfolgreich die Hand reichen.

Es wird Zeit, dass sich dagegen endlich ein wirklicher Widerstand aus den Kulturszenen regt.

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Abbildung: Staatsminister Wolfram Weimer, Quelle: BKM / Kay Herschelmann

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