Herbert Brandl 1959 – 2025
Sein Metier war die Malerei und das gerne im Großformat, ausgeführt mit Besenbreiten Pinseln. Herbert Brandl studierte bei Herbert Tasquil und Medienkünstler Peter Weibel an der Angewandten doch Konzept-und Medienkunst blieben ihm fremd. Als die Neuen Wilden darangingen, die Malerei mit großer Geste wiederzuentdecken war Herbert Brandl mitten unter ihnen. Mit seinen farbkräftigen, an der Grenze zwischen Abstraktion und Figuration angesiedelten Bildern startete er schnell eine internationale Karriere, die ihn 1989 an die Biennale von São Paulo, das Musée d'Art de la Ville de Paris (1990) und 1992 auf die documenta IX führten. 2007 vertrat Herbert Brandl Österreich auf der Biennale di Venezia. Die letzten großen institutionellen Ausstellungen in Österreich zeigten das Belvedere und das Kunsthaus Graz im Jahr 2020. Von 2004 bis 2019 lehrte Brandl an der Kunstakademie in Düsseldorf.
Herbert Brandls Naturverbundenheit zeigte sich nicht nur in den unzähligen Variationen von Bergbildern, sondern auch im direkten Aktivismus etwa im Kampf gegen die Pläne von Investoren, an der Schwarzen Sulm im Koralpengebiet ein Kraftwerk zu errichten. Dem wildromantischen Fluss widmete Brandl dann gleich eine ganze Serie von Bildern.
Ob abstrakt oder figürlich, für Brandl stand der Akt des Sehens im Mittelpunkt seiner Auseinandersetzung mit der Malerei. Frei von Theorien sollte man seine Bilder sehen, so seine Forderung. Emotion und Empfindung waren Herbert Brandls Triebkräfte, wenn an den gerne mehrere Meter messenden Leinwänden arbeitete; Gefühle die beim Betrachten der Gemälde unmittelbar übersprangen.
Mit seinem plötzlichen Tod am 27. Juli im Alter von nur 66 Jahren verliert die österreichische Kunstszene einen der bedeutendsten Vertreter zeitgenössischer Malerei.
--
Abbildung: Porträt Herbert Brandl, 2020, Foto: David Payr, © Belvedere, Wien
Teilen
