Parallel Media - Barbara Doser || Hofstetter Kurt: Intensive Spannungsverhältnisse
Nach einer Reihe von internationalen Ausstellungen und einigen singulären Events sind Hofstetter Kurt und Barbara Doser, die gemeinsam unter dem Label Parallel Media firmieren, mit einer kleinen, feinen Ausstellung im Eikon Schauraum im Wiener Museumsquartier zu sehen. Die Schau bringt auf kleinem Raum einige wenige, aber repräsentative Arbeiten der beiden Künstler:innen.
Barbara Doser setzt sich seit vielen Jahren mit den Grenzbereichen des Medium Video auseinander. Aus Videofeedbacks kreiert die Künstlerin ein reiches Vokabular an Bewegtbildern die herkömmliche Sehgewohnheiten unterlaufen und Fragen zu Medienkonsum und Bildproduktion in der durchdigitalisierten Gegenwart stellen. Durch minimale Eingriffe in den sich endlos wiederholenden Akt des Filmens eines Monitors der das aufgenommene Kamerabild zeigt, das wiederum an den Monitor gesendet wird, entstehen chaotische Muster - ein Glitch der hinter die gewohnte Bildgenerierung blicken lässt. Wenn das (Video)bild sich nur noch aus sich selbst generiert werden alle Inhalte obsolet. In Zeiten der Inhaltsgenerierung durch KI gibt diese erprobte und seit den 1960er-Jahren bekannte Technik einen Ausblick auf ein Worst-Case-Szenario in dem das Internet eine geschlossene Feedbackschleife „Inhalt“ produzierender Large Language Models wird.
Hofstetter Kurt, dessen Installation „Planet der Pendler mit den drei Zeitmonden“ am Bahnhof Wien Mitte das wohl älteste Medienkunstwerk im öffentlichen Raum darstellt, liefert den Soundtrack für Barbara Dosers Bildfindungen. Mittels Möbiusschleifen schafft Hofstetter musikalische Werke die quasi in sich selbst symmetrisch sind. Diese sind so aufgebaut, dass sie insgesamt und auch passagenweise vorwärts und rückwärts abgespielt nahezu ident klingen. Es handelt sich um musikalische Parallelfiguren zum Prinzip der unendlichen, geometrischen Möbius-Schleife. Der Künstler sucht in seiner Arbeit immer wieder nach Verfahren, um das nicht greifbare Phänomen der ablaufenden Zeit abzubilden. Seine Studien der Musik und Mathematik verknüpft Hofstetter zu Werken, die komplexe künstlerische Aussagen auf intuitive Weise erfahrbar machen.
Zeit, Raum und ihre Wahrnehmung verknüpfen die beiden Künstler:innen sowohl in ihren individuellen als auch den gemeinsamen Arbeiten mit Fragen nach der Stellung des Individuums in sozialen Systemen und den Grundbedingungen menschlicher Existenz in der Ökologie des Planeten.
Aufgrund der Limitationen des Ausstellungsortes sei Interessierten die kürzlich im EIKON Verlag erschienene Publikation ⤇ tense_intense empfohlen, die einen umfassenden Einblick in das Schaffen der Künstler:innen gibt.
Mehr Texte von Werner Remm 03.07. - 28.09.2025
Eikon Schauraum
1070 Wien, quartier21 / Museumsquartier
Tel: +43 1 597 70 88, Fax: +43 1 597 70 87
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