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* in Südtirol, lebt in Wien: Das Welttirolertum

Eine der seltsamsten Beobachtungen, die man angeblich auf Island machen kann, ist die Tatsache, daß sich dort alle kennen. Ein durchaus ähnliches Erlebnis kann einen in Vorarlberg ereilen, und wenn man die wackeren Xiberger gar in Wien erlebt, dann hat man sowieso das Gefühl, daß alle in demselben Kindergarten waren. Bei den Südtirolern sei das genauso, wurde uns kürzlich von einem in Meran beheimateten Bekannten kolportiert, und so gesehen verlief die Vernissage im Museum auf Abruf dann als eine Art Heimatabend. Dort hat man einmal mehr im komfortablen Fundus an Kunstbesitz der Stadt Wien gekramt und diesmal das Paket hervorgeholt, das zwischen Eisack-, Etsch- und Pustertal aufgegeben wurde. Darin befindet sich alles, was auf den schönen Biografismus "* in Südtirol, lebt in Wien" hört. Das ist allerhand. Und wie meist beim Museum auf Abruf ist der Wienbezug wichtiger als die Emphase, die von den einzelnen Exponaten ausgeht Die Speerspitze der Alpin-Avangarde wird markiert von Oswald Oberhuber und Walter Pichler, und die beiden Großmeister einer anderen österreichischen Moderne waren immer Zentralisten und damit Politiker genug, um sich eine Hausmacht zu schaffen. Parallel zum rauschenden Namen war es dann die Sogwirkung der Wiener Kunstlehranstalten, die in Folge Generation um Generation die Landflucht antreten ließ. Florin Kompatscher ist in Wien und in der Ausstellung vertreten und Walter Niedermayr, der ja eigentlich einen Job in Bozen hat, und die Neuentdeckung Esther Stocker und Paul Flora, der Kubinist, und noch weitere knapp 20 Namen. Unser Bekannter, der ansonsten wenig mit der Kunst am Hut hat, konnte die meisten sogleich identifizieren. Das Welttirolertum ist keine Chimäre. Der berühmteste Nachfahre Andreas Hofers im Kunstbetrieb lebt übrigens nicht in Wien. Es hat ihn nach London verschlagen. Sein Nachname ist Prosch, mit Vornamen heißt er Gilbert. In dieser Eigenschaft bildet er mit einem gewissen George ein Duo.
* in Südtirol, lebt in Wien
16.11.2001 - 02.02.2002

MUSA
1010 Wien, Felderstraße 6-8, neben dem Rathaus
Tel: +43 (0)1 4000 8400, Fax: +43 (0)1 4000 99 8400
Email: musa@musa.at
http://www.musa.at
Öffnungszeiten: Di - Fr: 11:00 - 18:00, Do: 11:00 - 20:00, Sa: 11:00 - 16:00 Uhr


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