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Wo Es war, soll Über-Ich werden

Nun haben sie also die Wiener Wahl verloren. Wir sagen das mit aller Begeisterung: Minus Sieben-Komma-Sechs Prozent, das macht ein Viertel aller Stimmen, das ergibt einen gehörigen Knall-vor-den-Latz, Schlag-ins-Kontor und Schuß-vor-den-Bug. Man muß es sich auf der Zunge zergehen lassen, das Ergebnis ganz langsam lesen, muß es umkreisen, sich sodann die Augen reiben und buchstabieren: Minus Sieben-Komma-Sechs Prozent. Ein Viertel aller Stimmen. Dann muß man sich das Gesicht vorstellen, das womöglich lang und länger wird, jene treuegeladenen, heimatverbundenen und kinderschecktriefenden Augen, die einen in Wien wochenlang vom Plakat heruntergrüßten und sich \"Helene Partik-Pablé\" nannten. Und weil wir uns hier nicht nur in unserer ? hoffentlich noch ganz lange auf das Fröhlichste sprudelnden ? Schadenfreude baden wollen, reden wir nun von dieser Kampagne. Da war also SEIN viriles Konterfei zu sehen; zu lesen jedoch war etwas, das sich weiblich anhörte. Wo ER freundlich winkte, breitete sich nebenan die trockene Buchstabenfolge aus, die den Namen, den noch dazu Doppelnamen!, der Kandidatin referierte. Eine seltsame PR-Aktion: Die einzige Logik, die wir uns dahinter vorstellen können, ist eine Pathologik. \"Wo Es war, soll Ich werden\", versprach Sigmund Freud einst, der in dieser Stadt kein Unbekannter ist, und meinte es gut aufklärerisch. Das Plakat der FPÖ konnte dann nicht anders, als dazu die Version fürs gut Autoritäre und gut Antisemitische zu liefern. \"Wo Es war, soll Über-Ich werden\", hieß nun die einschlägige Botschaft. Und so kam ER in die Wahlwerbung wie der Wiederholungszwang in das Alltagsleben. Wo man IHN sowieso immer sieht, wenn man \"Ausländer\" und sonstige Kriminelle sieht, dann muß er auch mit aufs Bild. Der Wahlausgang macht allerdings deutlich, daß der Mechanismus womöglich mißverstanden wurde.Wo Es war, sollte Über-Ich werden. Doch es wurde nicht. Wo Es war, da wurde nur ER.

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