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Singles und Partner

Sehr einpersönlich wird es zugehen auf der diesjährigen Biennale di Venezia. Die Deutschen zeigen Gregor Schneider, die Franzosen Pierre Huyghe, die Engländer Mark Wallinger, die Schweizer Urs Lüthi, die Belgier Luc Tuymans, die Niederländer Liza May Post, die Amerikaner Robert Gober undundund: Der volle Pavillon, die ganze Nation und die totale Repräsentation für jeweils eine einzige Person. Die Mutter aller Zweijahresschauen ruft zur Ordnung im Haus: Ungeteilte Aufmerksamkeit für das unteilbare Individuum. Aller Tod des Autors und alles Ende des Werks, all das Interventionistische und Projektbezogene, die gesamte Rhizomatik und die forcierte Textualität und all die anderen schönen Theorien verfügen sich zurück in jene Einheit, ohne die das Spektakel nicht auskommt: Zurück zum Prinzip Prominenz und seiner Tauglichkeit fürs weltweite ökonomische und politische Geschäft. Die Bewußtseinsindustrie setzt nach wie vor auf den Prototyp. Die ganze Kunstwelt findet sich wieder in der momentanen Größe der Single-Existenz. Die ganze Kunstwelt? Nein. Ein gebirgiges Territorium in Mitteleuropa leistet hartnäckig Widerstand und schwört auf den Plural. Granular Synthesis und Gelatin, das macht mehr als einmal mehr als einen Künstler: Group show und Gruppendynamik, sie zählen noch etwas in Österreich. Es ist jenes Land, das Taxi Orange inszenierte und dabei das Rudelverhalten höher schätzte als die Beißfestigkeit der Alpha-Tiere. Und womöglich nicht von ungefähr ist es auch jenes Land, das sich beispielhaft der Globalisierung entgegenstemmt, indem es die Ressentiments der Modernitätsverlierer in die Staatstragendheit erhebt. Die Biennale wurde einst ins Leben gerufen als Weltausstellung nationaler Besonderheiten. Es scheint, als erfüllte sie ihren Zweck nach wie vor vorzüglich: Österreich jedenfalls kommt zur Kenntlichkeit als das Land der partnerschaftlichen Ästhetik.

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