Werbung
,

Eva Schlegel - liminal spaces: Die vierte Dimension

Seit den 1980ern wirken Fotografie, Architektur und Skulptur als sich ergänzende und vernetzte künstlerische Medien neben Malerei und Fotografie auffallend neuartig zusammen. Für die Medienkünstlerin und Fotografin Eva Schlegel, die zuletzt für die entzückende, weil flüchtig anmutende Gestaltung der Glashaut der „MQ Libelle“ am Dach des Leopoldmuseums in Form des Faltenwurfs eines Seidentuchs verantwortlich zeichnet, ist die Auseinandersetzung mit diesen unerschöpflichen Wechselwirkungen ein gewollter Ausdruck ihres persönlichen Stils. Sie arbeitet dabei zumeist prozessual und konzeptionell, wie sie öfters in Interviews betont. Unscharfe Texte, ebenso wie unscharfe Fotografien von Frauengestalten sowie rätselhafte, unscharfe Raumsequenzen bestimmten thematisch das Oeuvre der in Tirol geborenen Österreicherin. Seit einiger Zeit beschäftigt sie sich parallel ebenfalls mit raumgreifenden Skulpturen, vorwiegend aus Edelstahl, Glas und Spiegeln. Einige von ihnen sind in verschiedener Dimension und Ausführungsart in ihrer aktuellen Einzelausstellung Liminal Spaces in der Galerie Krinzinger zu sehen.

Die Präsentation und das Zusammenspiel der Aufnahmen von abstrahierten, menschenleeren architektonischen Räumen mit den wie kosmische Ufos oder Raumschiffe wirkenden, zumeist von der Decke hängenden, flatterharften Skulpturen sehen perfekt und intentionell kühl aus. Jede davon könnten aber auch für sich allein bestehen. Die minimalistisch zwischen Grau- und Schwarztönen oszillierende Farbpalette der Fotografien kommt einem kontrastreichen Film Noir mit seiner spannungsvollen Atmosphäre ziemlich nah. Die schattenhaft-düsteren Räume und die darin angedeutete Architektur erscheinen etwa wie in einem Alptraum und fordern nachdrücklich das Erinnerungsvermögen. Das Auffallende an dem ganzen Parcours ist dabei das Abwesende, das heißt es geht hier möglicherweise um ein weibliches Subjekt, dessen Anwesenheit, wie öfters bei Schlegel zwar spürbar ist, es entzieht sich aber einer bestimmenden Greifbarkeit und klaren Definition. Seine Handlungen bleiben wie dies im psychoanalytisch interpretierten Genre des Film Noir üblich ist, undurchschaubar-geisterhaft oder durch ein sinisteres Spannungsmoment charakterisiert wie in einem Thriller. Während die mit Licht malerisch weich modulierten Raumabbildungen eher eine begrenzte Zahl einer Öffnung auf das Unbekannte des Seins und Nichtseins zulassen - sie  erschöpfen nicht alle Möglichkeiten des sich Öffnens - geht es in ihren aus den harten Materialen konstruierten Skulpturen um eine Umkodierung des gewöhnlichen Aufnahmeverfahrens in einem signifikanten Paradigmenwechsel, indem die Skulptur (Ohne Titel, 2022) samt ihrem verkomplizierten Innenraum zu einem reflektierenden und reflexartigen Spiegel sprich quasi zur Kamera umfunktioniert wird. Die Besucher:innen können sich im Fall dieser Arbeit nicht nur in die abgebildeten Räume einfühlen, sondern sich interaktiv allerdings durch fragmentiere Spiegelungen ihrer Selbst (mit oder ohne Begleitung) an der in situ entstehenden Bilderwelt kreativ beteiligen. Die virtuelle Erweiterung dieses Vorhabens im All bietet die digitale Technik von heute an. Durch Scannen eines QR-Codes können die Besitzer:innen eines Smartphones die im Raum fliegenden Texte (Read Me) oder eine sich drehende Kugel (Ice White) - die Lieblingsform der Künstlerin, die sowohl das Kosmische als auch die Linse der Kamera thematisiert - als optische Bereicherung erfahren und individuell gestalten. Somit wird die im Ausstellungstext ausgerufene Forderung, „Unmögliche Räume möglich machen“ greifbar und noch dazu zusätzlich in Farbe.

--
Parallel zur Ausstellung „Liminal Spaces“ ist im Hof des Museumsquartier Wien Eva Schlegels Augmented-Reality-Projekt „Flying Eyes“ im öffentlichen Raum zu sehen. (bis Oktober 2022)

Eva Schlegel - liminal spaces
09.06 - 27.08.2022

Galerie Krinzinger
1010 Wien, Seilerstätte 16
Tel: +43 1 513 30 06, Fax: +43 1 513 30 06 33
Email: krinzinger@galerie-krinzinger.at
http://www.galerie-krinzinger.at
Öffnungszeiten: Di-Fr 12-18, Sa 11-14 h


Ihre Meinung

Noch kein Posting in diesem Forum

Das artmagazine bietet allen LeserInnen die Möglichkeit, ihre Meinung zu Artikeln, Ausstellungen und Themen abzugeben. Das artmagazine übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der abgegebenen Meinungen, behält sich aber vor, Beiträge die gegen geltendes Recht verstoßen oder grob unsachlich oder moralisch bedenklich sind, nach eigenem Ermessen zu löschen.

© 2000 - 2022 artmagazine Kunst-Informationsgesellschaft m.b.H.

Bezahlte Anzeige
Bezahlte Anzeige
Gefördert durch: