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Der obligatorische Jahresrückblick

Wenn sich etwas lernen läßt von den Hitparadenimpresarios und Best Of-Fanatikern, die wir heute sind, so der Zusammenhang von Wertschätzung und Gleichmacherei. Die Charts, wie sie Konjuktur haben, schwören ungebrochen auf den Superlativ, doch sind sie dabei derart ausdifferenziert, dass sie allem und jedem seine Nummer-Eins-Tauglichkeit garantieren. Alles ist gleich wertvoll, weil jedes irgendwo am wertvollsten ist. Es gibt nichts demokratischeres als ein Best Of. Und nichts verkäuflicheres als einen Kanon. Hier also meiner. Ausstellungsinstitut des Jahres: Die Generali Foundation, die in der Präsentation des Quintetts Farocki-Graham-Haacke-Ivekovic-Kubelka vorführte, wie man Musealität herstellt, indem man sich ganz der Gegenwart verschreibt. Mittelmaß des Jahres: Die Jeff Wall-Ausstellung des Mumok, bei der einer der relektiertesten, konzeptuellsten Künstler überhaupt zu nichts als einem Fotografen wurde. Aufsteiger des Jahres: Das Kunsthaus Graz, das natürlich erst unter Beweis stellen muss, ob seine unmögliche Architektur auch weiterhin mit genialischen Streichen wie Peter Pakeschs "Einbildung"-Präsentation zu meistern ist. Künstler des Jahres: Peter Weibel, der nun einmal Künstler ist, aber in erster Linie Multitalent, und in dieser Eigenschaft eine wunderbare, historisch sensible und das Zeistgeistige am Thema geschickt unterminierende Schau zu Sacher-Masoch in der Grazer Neuen Galerie inszenierte. Ausstellung des Jahres in einem öffentlichen Forum: Marcel Broodthaers in der Kunsthalle Wien, die wir vorab schon zur Ausstellung des Jahres erklärten, und bei einer solchen Deklaration sollte man dann auch bleiben. Ausstellung des Jahres in einer Galerie: Jakob Gasteiger in der Galerie nächst St. Stephan, weil man Kunst womöglich dann am besten findet, wenn einem was Neues einfällt, und man also auch von ihr erwartet, dass einem was Neues einfällt, und genau das hat Gasteiger geleistet. Flop des Jahres: Sex and the City, weil hier vier Künstlerinnen, die auf den weiblichen Körper Bezug nehmen, dazu herhalten durften, die sehr einschlägigen Bedürfnisse verkrachter Zölibatäre zu bedienen, und dieses Kalkül mit einem ganz anderen Publikum auch noch aufgegangen ist. Kurator des Jahres: Monika Faber, weil sie in der Albertina dafür sorgt, dass es neben Prunkräumen und Saalfluchten auch einen Weg ins Tiefgeschoss gibt, wo ihre Ausstellungen dann etwas anderes vorführen als Spektakelkultur

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