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Köln minimalistisch

Die Galerieplattform_DE der Art Cologne

Für die einen ist er verschnarcht, für die anderen minimalistisch, der Online Sale der Art Cologne mit dem etwas spröden Namen Galerieplattform_DE. Tatsächlich könnte der Auftritt kaum nüchterner sein. Nach der obligatorischen Registrierung erwartet die Nutzer eine schlichte Startseite mit den drei Kategorien „Klassische Moderne & Nachkriegskunst“, „Zeitgenössische Kunst“ und „Junge Kunst“.

Die Kölner Plattform ist weder Online-Messe, noch Galerieportal oder Internet-Auktion, sondern ein bisschen von allem und dadurch etwas ganz eigenes. Und sie funktioniert ganz gut, wenn man sich darauf einlässt und sich einmal an die Abwesenheit des ganzen Klickibuntis der Social Media- und App-optimierten Formate gewöhnt hat.

Mit 67 (modern), 110 (zeitgenössisch) und 82 (jung) Kunstwerken ist die Offerte überschaubar, und genau das ist die dahinter stehende Absicht. „Es gibt einen Grund, warum auch die Online-Auktionen der großen Auktionshäuser nur ein sehr begrenztes Angebot zeigen“, erklärt Art Cologne-Direktor Daniel Hug. „Wir versuchen nicht, eine Online-Messe darzustellen.“ Dort kann sich jeder Aussteller mitunter so viel Kunst in die virtuelle Koje schütten, wie er möchte. Was unweigerlich zu einer Überforderung des Besuchers führt und in der Konsequenz dazu, dass jeder nur das sucht, was er ohnehin schon kennt, seien es Künstler oder Galerien. „Das Format der Tefaf mit nur einem Kunstwerk pro Aussteller ist übrigens sehr ähnlich“, so Hug.

Noch mehr Ähnlichkeit hat Galerieplattform_DE allerdings mit den Online-Auktionen der großen Auktionshäuser, die mit diesem Vertriebsweg schon länger Erfahrung haben und ihre Internet-Versteigerungen aus gutem Grund an ihr klassisches Format anlehnen. Auch dort folgt die Präsentation der einzelnen Kunstwerke einer Dramaturgie, die sich dem Betrachter nicht immer erschließt. Bei den Kölnern ist das ebenso. Das läuft den eingeübten Internetgewohnheiten zuwider, und es kann etwas anstrengend sein, erzwingt allerdings auch die Beschäftigung mit Unbekanntem, was wohl durchaus Absicht ist.

Mangels gewohnter Filter- und Sortiermöglichkeiten ergeben sich beim Scrollen durch das Angebot schöne Entdeckungen, zumal die Galerien nicht nur angestaubten Lagerbestand oder die üblichen bekannten Namen aus ihrem Programm hochgeladen haben, wie man hätte befürchten können. So zeigen Johann König aus Berlin mit Evelyne Axell und Phillip Pflug aus Frankfurt mit Bettina von Arnim jeweils Arbeiten von Pop Art-Künstlerinnen, die vielen bisher noch nicht geläufig sein dürften.

Die „Junge Kunst“ zeigt sich so vielseitig und zeitgenössisch, wie man das von der enstsprechenden Abteilung der Art Cologne gewohnt ist – Peppi Bottrop (Meyer Riegger, Berlin), Carolin Eidner (Scheibler, Berlin), Sophia Süßmilch (Krobath, Wien) – die Liste spannender Positionen ist lang und dann doch zu kurz. Irgendwie möchte man mehr sehen. 

Dass die Shooting Stars der Szene fehlen, die in New York, London oder Hongkong schon kurz nach Akademieabgang sechs- und siebenstellig gehandelt werden, ist nicht anders als auf der Art Cologne. Der Messe durchaus vergleichbar ist auch der Auswahlprozess, denn jedes Werk wurde von einer Jury zugelassen. Das erfährt in ein paar dünnen Zeilen allerdings nur, wer ganz unten auf der Seite sucht. Ein bisschen mehr Information und etwas weniger Purismus hätte der Galerieplattform wahrscheinlich nicht geschadet. Immerhin, mit Preisangaben gehen die Galerien freigiebiger um als auf den meisten traditionellen Messen, nur die Moderne hinkt etwas hinterher. Hier findet sich erwartungsgemäß das teuerste Werk aller Sparten. Auch wenn hier über ein Drittel der Preise „auf Anfrage“ ist, mit den ausgepreisten 2,5 Millionen Euro dürfte Ernst Ludwig Kirchners „Artisten an Ringen“ bei Henze & Ketterer & Triebold aus Riehen die Preisspitze bilden, vielleicht nur noch getoppt von Robert Rauschenbergs „Highway Grove“ bei Ropac aus Salzburg, das diskret in der Kategorie über einer Million geführt wird.

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Noch bis 4. Juni
--> galerieplattform.de

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