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X-Screen - Filmische Installationen und Aktionen der60er & 70er Jahre: Ästhetik des Narzissmus

Dass die Postmoderne tatsächlich so etwas wie eine Epoche ist, lässt sich an den Abzählereien und Neubuchstabierungen erkennen, mit denen sie begann. In den Sechzigern, da wurden Grundlagen ausgelotet. Was Sprache ist, was Körper, was Raum und Zeit, erfuhr auf einmal, als hätte es derlei Invesitgationen vorher nie gegeben, eine prinzipielle Sondierung. Und als hätte es vorher keinen Film gegeben, erfand man auch das Laufbild neu. In einer wunderbaren, vom Geist der Retrospektive getragenen, aber genauso den Atem der Verbindlichkeit verströmenden Schau macht sich das Wiener MUMOK an die Installationen, Aktionen und Hoppla-Jetzt-Komm-Ich-Kapriolen heran, die man damals, in den Sechzigern und Siebzigern, vollführte. In der rückblickenden Sicht ist auch kein Problem mehr, was seinerzeit schon eines war: die Frage nämlich, was Inszenierung ist und was allein Dokumentation, was vor der Kamera und was für die Kamera geschieht. Abgeklärt, wie wir heute sind, gerät uns jedes Dokument zum Monument. Und so sind sie alle da: Bruce Nauman, Dan Graham, Dennis Oppenheim, Vito Acconci, jenes Quartett, an deren Oeuvres sich vielleicht am deutlichsten ablesen lässt, dass noch so tolldreiste Sprünge in der Werkentwicklung eine Logik haben; Wolf Vostell, Nam June Paik, die Pioniere; Carolee Schneemann, Dara Birnbaum, Valie Export, die Pionierinnen; Ernst Schmidt jr, Kurt Kren und sonst noch diverses Vermeidlich-Unvermeidliches für die nationalen Gemüter. Gerade Video, so hatte es Rosalind Krauss in jenem Essay beschrieben, mit dem sie das soeben von ihr gegründete "October" einleitete, dient ja der "Aesthetics of Narcissism". Nicht weniger als zelebriert wird die Konzeptualisten-Revue im Ausstellungsdesign von Martin Beck und Julie Ault. Vom Chaos der Aufbruchstimmung, auf das sich Kurator Matthias Michalka durchaus beruft, ist nichts zu bemerken, im Gegenteil, aller Aktivismus fügt sich ins übersichtliche Display ästhetischer Analyse. "X-Screen" ist eine perfekte Museumsausstellung. Und selbst das umständliche Equipment, die Raumfülle der Projektoren und die Garagenformate der Tonbänder wirken plötzlich wie gewollt.
X-Screen - Filmische Installationen und Aktionen der60er & 70er Jahre
13.12.2003 - 29.02.2004

mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
1070 Wien, Museumsquartier, Museumsplatz 1
Tel: +43 1 52 500, Fax: +43 1 52 500 13 00
Email: info@mumok.at
http://www.mumok.at
Öffnungszeiten: Täglich: 10.00–18.00 Uhr, Do: 10.00–21.00 Uhr


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