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Ornament und Abstraktion: Die Essenz an der Oberfläche

Als er noch in Wien lebte und als Bundeskurator den Kunstraum im Museumsquartier finanzierte, ließ sich Markus Brüderlin gern einmal verlocken, Ausstellungen mit Malerei zu machen, mit Bildern, auf denen nichts drauf war als monochrome Flächen, abstrakte Muster, deftige Kontraste, Hell-Dunkel Rapporte, Konturierungen und Schichtungen. Seit 1996 ist Brüderlin der künstlerische Leiter der Fondation Beyeler in Riehen. Was er einst mit staatlichen Geldern im Kleinformat realisierte, setzt er nun ins Große einer Privatstiftung um. Die Idee dahinter bleibt die gleiche. Sie gibt der Schau den Titel. "Ornament und Abstraktion" ist Brüderlins sicherlich ambitioniertestes Unternehmen, eine Thesenausstellung, wie sie orthodoxer nicht sein könnte, die Mise-en-Scène von Brüderlins Doktorarbeit, eine Theorie-Installation von komprimierter Komplexität. Mit anderen Worten: Eine opulente Schau mit intellektuellem Anspruch. Die S-Kurven von Rokoko-Ausstattungen und die Shaped Canvases von Frank Stella, maurische Supraporten und Zeichnungen von Henri Matisse, Schachbrettmuster und Gemälde von Piet Mondrian: Sie sehen sich jeweils ähnlich. Dies festzustellen ist keine große Kunst, und die Präsentation reiht die Beispiele für solche Analogien nur so aneinander. Brüderlin beharrt aber darauf, daß die Ähnlichkeit kein Zufall ist und hinter der visuellen Verwandtschaft eine Kausalität steckt. Modernistische Verdikte von "Ornament und Verbrechen" sind ihm nur um so stärker Beleg dafür. Der Kurator hat keine Mühen gescheut, Exponate beizubringen. Die simple, geradezu einfältige These bekommt wenn nicht Beweiskraft, so zumindest Plausibilität durch die Vielfalt an Dokumenten und Monumenten, die sich um sie ranken. Gezeigt werden soll, daß die Essenz an der Oberfläche liegt, und die Schau prunkt mit eben diesen Oberflächen. In der zirkulären Welt der reinen Form wird aus der Optik Logik. Brüderlins Konzept hat womöglich keine Wahrheit. Aber es kann sich auf Evidenz berufen, auf die Überzeugungskraft des Sichtbaren. Mehr ist in der bildenden Kunst sowieso nicht zu haben.
Ornament und Abstraktion
18.02 - 24.06.2001

Fondation Beyeler
4125 Riehen / Basel, Baselstrasse 101
Tel: +41 - (0)61 - 645 97 00, Fax: +41 - (0)61 - 645 97 19
Email: fondation@beyeler.com
http://www.beyeler.com
Öffnungszeiten: Mo-So 10-18, Mi 10-200 h


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