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Der kühle Blick. Realismus der zwanziger Jahre: Zur Not etwas populärer

Die Mutter aller von Banken unterhaltenen Ausstellungsinstitute, die Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung, präsentiert sich opulenter, größer, verjüngter, gelifteter als jemals zuvor. Im angestammten Areal, aber von den Weltstar-Bauprinzipien von Herzog/De Meuron in eine Art Stadtkrone und ins Zentrum einer "Fünf Höfe" genannten Passagenarchitektur gehoben, sitzt sie nun matronenhaft über den ökonomischen Beflissenheiten ihrer Umgebung. Seit Anfang Juni hat sie wieder geöffnet und wirft einen kühlen Blick auf den "Realismus der zwanziger Jahre". Besser wäre von Realismus im Plural zu reden, vom magischen eines Franz Radziwill, vom veristischen eines Otto Dix, vom klassizistischen eines Pablo Picasso, vom konstatierenden eines Charles Sheeler, vom surrealistischen eines Renè Magritte oder vom dekorativen einer Tamara de Lempicka. Noch besser wäre von den Spielarten von Sachlichkeit zu reden, von den Formen einer Figuration, die undenkbar sind ohne Fotografie. Für die Präsentation sind sie allerdings sehr denkbar ohne Fotografie, und das ist ohne Zweifel ihr Manko. Von Wieland Schmied zusammengestellt, ist die Schau ganz hervorragend bestückt, was Malerei angeht. Und sie hat eine monumentale Leerstelle: Sie zeigt Ben Shahn, einen der beispielhaftesten Lichtbildner des gesamten Jahrhunderts, als pinselschwingenden Stammler; sie zeigt Georgia OKeeffe und klammert den Herrn Gemahl, keinen geringeren als "Camera Work"-Gründer Alfred Stieglitz, aus. Die Präsentation setzt damit unbeirrt fort, was von jeher Politik der Hypo-Kunsthalle war. Zur Not etwas populärer, war stets das Motto, und diesem Credo getreu ist das fotografische Kleinformat in Schwarzweiß eine Quantité négligeable im Wortsinn. Die Attraktionen werden von Beckmann, Grosz, Derain, Balthus geliefert. Und so heißen allemal Großmeister.
Der kühle Blick. Realismus der zwanziger Jahre
01.06 - 02.09.2001

Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung
80333 München, Theatinerstrasse 8
Tel: +49 (0)89 22 44 12, Fax: +49 (0)89 29 16 09 81
Email: kontakt@hypo-kunsthalle.de
http://www.hypo-kunsthalle.de
Öffnungszeiten: täglich 10-20 Uhr


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