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Karl Blossfeldt: Close Up`s in Serie

Das vielleicht Unangenehmste an der klassischen Moderne ist ihr Faible für die Analogie von Natur und Kultur. Überall lauern \"Wachstum\" und \"Verfall\", die \"Rasse\" treibt allenthalben ihr Unwesen, und von der \"Décadence\" ist es zur \"Degeneration\" und schließlich zur \"Entartung\" nicht weit. Ausgemachte Unsympathen wie Oswald Spengler und Hans Sedlmayr bedienten sich der wüsten Metaphorik nicht minder als die Charmeure vom Schlage eines Egon Friedell. Besonders die zwanziger Jahre sehen die wildesten Blüten sprießen. Die Nazis konnten davon dann nach Herzenslust pflücken. \"Urformen der Kunst\" hieß die 1928 erschienene Publikation, die Karl Bloßfeldt berühmt machte. Das Buch zeigte Dutzende von Stengeln und Knospen und Blattwerk im fotografischen Close-Up, Lichtbilder aus der Botanik kommentarlos zur Reihe gefügt, neutralisiert im Schwarz-Weiß vor papierenem Hintergrund - und doch aufgeladen mit der latenten Bereitschaft zur Ideologisierung. Bloßfeldt machte seine Aufnahmen in aller Unschuld, als Anschauungsmaterial für die Studenten der Berliner Kunstgewerbeschule. Doch die durchaus gegebene Schlichtheit der Fotos, die jener \"Neuen Sachlichkeit\" ähnelt, die damals en vogue war, ließ sich nicht publizieren, und das heißt popularisieren, ohne Botschaft. Die Biologie bedarf keiner Worte, lautete sie; im Gewachsenen steckt das Urtümliche, die Archi-Tektonik und eherne Wahrheit. So landete man einen Welterfolg. Die Vorlagen zu Bloßfeldts Natur-Kultur-Kunde lagen jahrzehntelang im Archiv der Berliner Hochschule der Künste, zwar bekannt, aber nicht beachtet. Dieter Appelt, seinerseits Künstler, hat das Konvolut vor einigen Jahren ans Tageslicht gehoben und ihm eine Wanderausstellung angedeihen lassen, die nun in der Kunsthalle Krems gelandet ist. Dabei ist es entschärft worden. In perfekter Serialität, eingepaßt in die Grauen Zellen völlig vereinheitlichter Räume, präsentiert es sich nun als orthodoxe Conceptual Art. Der Biologismus ist gebannt. Nun sieht die Fotoreihe aus, als stammte sie von Bernd und Hilla Becher. Auch eine Art, Geschichte zu schreiben.
Karl Blossfeldt
14.10.2001 - 17.02.2002

Kunsthalle Krems
3500 Krems, Franz-Zeller-Platz 3
Tel: +43-2732 90 80 10, Fax: +43-2732 90 80 11
Email: office@kunstalle.at
http://www.kunsthalle.at
Öffnungszeiten: Di - So und Mo wenn Feiertag 10-18 Uhr; in den Wintermonaten 10-17 Uh


Ihre Meinung

1 Posting in diesem Forum
zu kaufen !
pipilotta | 25.10.2001 09:32 | antworten
hab auf der kunst wien (tolle) arbeiten von blossfeldt gesehen (Galerie Faber), zu erschwinglichen preisen (um die 6000 schilling) - und dabei dennoch eine schoene alternative mit kunst zu leben

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