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Wir müssen zurück in die Galerie

Thaddaeus Ropac hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein internationales Galerie-Imperium aufgebaut, das an fünf Standorten in Europa und bei unzähligen Messeteilnahmen eine immer noch wachsende Zahl an Kunstsammlerinnen und Kunstsammlern weltweit betreut. Für ihn ist und bleibt die Galerie der zentrale Ort der Präsentation und der Begegnung mit Kunst. 


artmagazine.cc: Läuft etwas falsch im aktuellen Kunstmarkt?


Thaddaweus Ropac: Der Markt ist so groß geworden, mit einem so schnellen Wachstum kann nicht alles richtig laufen. Ich habe gesehen, wie sich der Kunstmarkt vom Elfenbeinturm in die Mitte des Lebens bewegt hat. Der Elfenbeinturm mit seiner Isolation war nicht ideal, und das was wir jetzt erleben, die Größe und besonders das Tempo, ist auch nicht ideal.
Nur ist die Kunst heute so im Leben angekommen, dass junge Menschen mit Kunst aufwachsen und die Auseinandersetzung ist in dieser Zeit nicht nur intensiver und schneller, sondern auch bewusster geworden und das ist gut so.


Beeinträchtigt die aktuelle Geschwindigkeit im Kunstsystem nicht gerade diese intensive Auseinandersetzung mit der Kunst?


Natürlich ist es ein Problem, wie rasch heute Künstlerkarrieren vorangetrieben werden. Wir erleben gerade mit einem jungen Künstler, den wir vertreten, ein Tempo das ich für sehr ungesund halte. Wir versuchen, gemeinsam mit anderen Galerien, dem entgegen zu steuern um dem Künstler auch die Möglichkeit zu geben, sein Werk in Ruhe entwickeln zu können.
Das ist einfach Teil unseres Jobs als Galerie. Bei allen Extremen, die der aktuelle Kunstmarkt mit sich bringt und die es gilt in den Griff zu bekommen, sehe ich die Entwicklung trotzdem positiv.


Ihre Galerie ist in den letzten 20 Jahren auf über 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an fünf Standorten gewachsen. Ist Größe eine Voraussetzung für den Erfolg geworden?


Mit London haben wir natürlich ein riesiges neues Standbein dazugewonnen und wir bewegen uns natürlich im selben Fahrwasser wie andere große internationale Galerien. Es ist aber praktisch unabdingbar geworden, wenn man versuchen will, für seine Künstler das Optimale zu erreichen.
Es ist nicht so, dass man unbedingt wachsen muss, aber der Markt gibt uns die Möglichkeit dazu und wir nutzen sie, um an unterschiedlichen Standorten präsent sein zu können.


Im Falle von London wird das jetzt aber komplizierter als gedacht.


Als überzeugter Europäer bin ich sehr enttäuscht über die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen. Es wird wohl komplizierter werden, ich habe aber nie daran gedacht, die Entscheidung für London rückgängig zu machen. Die Kunstwelt agiert doch in ihren eigenen Bahnen und ich rechne nicht damit, dass es Künstler überhaupt beeinflusst und wenn dann dahingehend, dass sie in ihrer Arbeit darauf reagieren.
Man wird abwarten müssen, wie weit das den Markt oder die Entscheidungen von Kunstsammlern überhaupt beeinflusst. Wir erreichen in London genauso wie in Paris ja nicht nur das lokale Publikum. Diese beiden Städte sind mit ihren Museen und Institutionen so wichtig, dass internationale Kunstsammler und Kuratoren regelmäßig vor Ort sind.


Mit jetzt fünf Standorten, bekommen Sie da nicht ein Problem, jeweils für die Kunden auch präsent zu sein?


Diese Phase habe ich jetzt schon länger hinter mir. Wenn es darum ginge, dass ich persönlich an den jeweiligen Standorten anwesend sein müsste um die Dinge voranzutreiben, dann könnte die Galerie ja gar nicht wachsen. Man muss sich auch loslösen können von der Bindung der Galerie an die eigene Person.
Für mich ist es viel wichtiger, bei den Künstlern präsenter zu sein und mich um die großen Museumsausstellungen zu kümmern, an denen die Künstler der Galerie beteiligt sind. Außerdem produzieren wir dreißig bis vierzig Ausstellungen pro Jahr und rund 25 Publikationen die immer aufwendiger werden. Das war früher vielleicht anders. Leo Castelli und Ernst Beyeler sagten immer: „Man kann nicht größer werden als die Zahl der Sammler, die man selbst noch bewältigt.“
Diese Regel ist mittlerweile überholt. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an den Galeriestandorten können Sammler viel konzentrierter und besser betreuen.


Aber die Galerie als Präsentations- und Verkaufsort für Kunst ist doch auch schon überholt, denkt man an die elektronischen und sozialen Medien und den Messeboom der letzten Jahre.


Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die wichtigen Kunstwerke in den Galerien verkauft werden und nicht im Netz. Das Erlebnis vor einem Bild, vor einer Skulptur zu stehen wird sich auch noch die nächsten dreißig Jahre nicht ersetzen lassen. Ich bin der Meinung, dass wir drei Viertel unserer Umsätze in den Galerien machen müssen und nicht auf Kunstmessen.
Wenn ich an die vielen jungen Galerien denke, die davon träumen und darum kämpfen an den großen Kunstmessen teilnehmen zu können, dann sage ich immer: „Wir müssen zurück in die Galerien!“
In den Galerien achten wir auf jedes Detail, den Boden, das Licht. Bei den Messen werden wir plötzlich sehr bescheiden und sind bereit mit schlechtem Boden, grauenvollen Wänden und unzulänglichem Licht umzugehen.
Wir müssen die Galerie wieder als Hort der wichtigsten Ausstellungen und Begegnungen etablieren. Messen sind wichtig, aber sie sollen nur das Sahnehäubchen auf dem Kuchen sein, einen extra Umsatz und vielmehr Kontakte für die Arbeit in der Galerie liefern.
Wir möchten ja nicht nur ein einzelnes Kunstwerk präsentieren, sondern eine ganze Ausstellung und daher geht es bei den Messen darum, Werbung für die Ausstellungen an den einzelnen Standorten zu machen.


Das mag für kleinere Galerien jetzt zynisch klingen, die ja die teuren Messeteilnahmen finanzieren müssen und dann noch mit Gewinn nach Hause fahren wollen.


Ich denke wir erziehen das Publikum falsch, wenn wir ihm angewöhnen nur noch von Messe zu Messe zu reisen. Ich bin sicher wir profitieren alle davon, wenn wir die Galerie wieder zum Ort der Kunstbegegnung machen. Ich spreche immer wieder mit jungen Sammlern und frage, ob ihnen das Netz als Ort der Auseinandersetzung reicht und das ist gerade nicht der Fall.
Wenn man irgendwann alles virtuell erleben kann, dann braucht es in letzter Konsequenz auch das Kunstwerk nicht mehr.


Es gibt aber viele Versuche, den Ort Galerie anders aufzuziehen, etwa als Popup-Space.


Ich bin da einfach „Old School“ und verteidige den Galeriespace und die Begegnung mit Kunst in der klassischen Form der Galerie. Bei einem Popup-Space geht man viele Kompromisse ein was die Präsentation betrifft und fokussiert auf ein ephemeres Erlebnis mit der Kunst, dass dann eben wieder vorbei ist.
Wir investieren viel Mühe und Geld um Räume zu schaffen, die eine Ausstrahlung haben. Es gibt zwar auch das virtuelle
Museum, aber die großen Institutionen wie die Tate Modern haben sich ganz sorgfältig überlegt, mit den interessantesten Architekten zu arbeiten um einen Kunstraum zu schaffen, der es den Künstlern ermöglicht ihre Visionen zu verwirklichen. Das ist auch der Grund, warum Millionen von Menschen dort hingehen.
Wir haben auch für London darüber nachgedacht, wer so ein Gebäude am Besten in einen Kunstraum verwandeln könnte. Annabelle Selldorf hat schon mit der Neuen Galerie und der Frick Collection in New York sowie einigen anderen Galerien bewiesen, dass sie fähig ist, Räume und Häuser in funktionierende Museen und Galerien zu verwandeln. Ich bin kein Freund von diesen ähnlich aussehenden „White Cubes“.
Mir ist es wichtig eine Atmosphäre zu schaffen, was uns mit dem Ely House auch wirklich gelungen ist.


Trotz aller Atmosphäre in den realen Kunsträumen arbeitet die Galerie Ropac trotzdem intensiv mit neuen und sozialen Medien. Der Instagram Account der Galerie hat immerhin fast 74.000 Abonnenten.


Wir nehmen unseren Auftritt im Bereich der Social Media schon sehr ernst. Ich merke auch, dass speziell Instagram uns gut vernetzt mit unserem Publikum. Es geht dabei nicht vordergründig um Verkäufe, sondern um Ankündigungen zu Veranstaltungen.
Auch wenn es vorkommt, dass über das Bild eines Werkes ein Dialog entsteht, der dann letztendlich zu einem Verkauf führt, aber es geht dabei nie um das Werk das man gerade postet. Ähnlich wie auf Facebook geht es darum, uns mit unserem Publikum zu vernetzen. Es ist aber auch spannend zu sehen, wie ein Dialog zwischen den Besucherinnen und Besuchern entsteht.


Nach Markus Schinwald im Jahr 2011 bespielt nun wieder ein Künstler den Sie vertreten den Österreichischen Pavillon in Venedig.


Ja, und wir freuen uns sehr darüber. Die Biennale bringt immer noch einen zusätzlichen Effekt an Aufmerksamkeit der mit Museumsausstellungen so nicht erreicht werden kann. Ich bin sicher, dass das für Erwin Wurm ein wichtiger Schritt sein wird.


Trotz Biennale und vieler anderer Museumsausstellungen die Ihre Galerie betreut bleibt die Galerie für Sie der zentrale Ort der Präsentation.


Ja, ich möchte die Menschen in die Galerie zurückholen.



Galerie Thaddaeus Ropac
Mirabellplatz 2
Vilniusstraße 13
5020 Salzburg
7, rue Debelleyme
75003 Paris
69, avenue du Général Leclerc
93500 Paris-Pantin
37 Dover Street
London W1S 4NJ
www.ropac.net


*Siehe auch unsere Kritik der Eröffnungsausstellung im Ely House, London

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