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Service ist der Schlüssel

Vor der dritten Ausgabe der viennacontemporary in der Marx Halle, die neuerlich interessante Galerien und spannende Sonderprojekte nach Wien bringt, sprechen wir mit der Messedirektorin Christina Steinbrecher-Pfandt über die Anfänge der Kunstmesse, ihre Zukunft und aktuelle Herausforderungen.


artmagazine.cc: Was war Ihre Motivation, 2012 von der Art Moscow weg zu gehen und gemeinsam mit Vita Zaman die Leitung der Kunstmesse in Wien zu übernehmen, die damals noch den Namen Viennafair trug?


Christina Steinbrecher-Pfandt: Ich war ja als Leiterin der Art Moscow mehrfach in Wien und fand es spannend, was hier auf der Kunstmesse in Wien passierte. Besonders interessierte mich das Einzugsgebiet Osteuropa mit dem ich mich sehr identifizieren kann.
Außerdem musste ich feststellen, dass Wien eine unterbewertete Stadt war. Darin sah ich für mich eine echte Chance. Die Stadt Wien hatte unglaublich viel zu bieten, wurde aber international kaum wahrgenommen. Für mich war das eine Situation mit der man arbeiten konnte.


Die Messe hat sich ja dann noch unter dem alten Veranstalter schnell weiter entwickelt.


Ich hatte ja schon in den Jahren davor viele Kunstmessen in unterschiedlichen Ländern besucht. Es ging mir einfach darum, internationale Standards einzuführen, die eine Kunstmesse auf jeden Fall haben muss. In erster Linie wollte ich ein VIP-Programm konzipieren, das den internationalen Sammlerinnen und Sammlern interessante Inhalte und ein entsprechendes Service bietet.
Diese Dienstleistung wird auch bei Kunstmessen immer wichtiger. Wenn man hält was man verspricht, dann findet man auch die richtigen Kunden. Und zum zweiten ging es darum, immer wieder die Vorteile Wiens als Kunstdestination hervorzuheben. Eigentlich bin ich von einer Messedirektorin zu einer Standortverkäuferin geworden.


War der Wechsel in die Marx Halle und selbst als Veranstalter zu agieren ein notwendiger Schritt in die Selbstständigkeit?


Es gibt Eckdaten einer Kunstmesse die einfach stimmen müssen. Wenn schon das Datum nicht stimmt, dann kann man nur scheitern. Anstatt sich entschuldigen zu müssen, nicht den optimalen Zeitpunkt im internationalen Messekalender wählen zu können, wollten wir die richtigen Bedingungen schaffen um eine Weiterentwicklung zu ermöglichen.
Der Wechsel in die Marx Halle war dann nur noch ein logischer weiterer Schritt. Auch die Änderung des Namens der Messe hatte letztendlich einen positiven Effekt.


Aktuell gibt es weltweit doch viele Kunstmessen, die ähnlich wie die viennacontemporary funktionieren. Wie kann sich eine Messe in Wien gegen diese Konkurrenz durchsetzen?


Was sich meiner Meinung nach in den letzten Jahren ganz stark verändert hat, ist der Faktor Zeit. Kaum jemand hat noch die Zeit oder ist so abenteuerlustig um einfach irgendwohin zu fahren um zu schauen was es dort denn gibt. Kunstsammler, Museumsleute und Kuratoren wollen ganz genau wissen, was sie an einem Ort erwartet. Mit unseren Services sind wir da auf jeden Fall international konkurrenzfähig.
Unser zweites Asset ist der Standort. Österreich mag ein kleines Land sein, das spielt international keine Rolle. Es liegt mitten in Europa, und Wien hat offensichtlich alles, was den Menschen heute wichtig ist, sonst wäre die Stadt in einer Studie nicht acht Mal hintereinander zur „Most Livable City“ der Welt gewählt worden.
Die Besucherinnen und Besucher, die wir international ansprechen, wählen ihre Reiseziele sehr genau. Da geht es um die Anreise, oder die Flugzeiten, also brauchen wir einen ganzen Katalog voll von guten Argumenten, um diese Leute zu überzeugen. Jede Stadt hat ihre eigene Relevanz, wenn es um den Besuch von Kunstmessen geht.
Hong Kong ist das pulsierende Zentrum Asiens, New York ist das kulturelle Zentrum der USA. Wien besitzt mit seiner hohen Lebensqualität eine globale Relevanz und Kunst und Kultur sind ein bedeutender Bestandteil dieser Stadt. Deshalb ist genau dieser Standort für die viennacontemporary so wichtig. Es wäre wesentlich schwieriger, eine ähnlich gelagerte Kunstmesse in einer anderen europäischen Stadt zu veranstalten.
Ich bin ja mittlerweile schon eine überzeugte Wienerin geworden.


Spielt der früher stärker kommunizierte Begriff der Entdecker-Kunstmesse jetzt eine kleinere Rolle, nachdem die Kunstsammler genauer wissen wollen was sie hier erwartet?


Natürlich ist unser Schwerpunkt auf Osteuropa mit seinen noch zu entdeckenden Künstlerinnen und Künstlern ein bedeutendes Argument. Aber es zählt auch die Betreuung, das Service und die Erreichbarkeit für die Sammler. Das Team der viennacontemporary leistet hier einen enormen Aufwand.Wir sind überzeugt davon, dass Wien diesen Aufwand wert ist.


Die Galerien, die andere Kundengruppe der viennacontemporary, stehen derzeit unter einem hohen Druck. Es gab Galerieschließungen, das klassische Modell des White Cube wird grundlegend hinterfragt und die Messeteilnahmen werden reduziert. Wie kann sich eine Kunstmesse wie die viennacontemporary vor diesem Hintergrund weiter entwickeln?


Ich denke, das ist sogar ein zusätzliches Argument für eine Messeteilnahme. Denn gleichgültig welches Modell eine Galerie verfolgt, geht es doch darum, sich zu präsentieren.
Im Rahmen unserer Sonderpräsentationen haben wir schon bisher neue Formen der Teilnahme für Galerien entwickelt und werden das auch in Zukunft tun.


Die Art Basel ist vor kurzem bei der Art Düsseldorf eingestiegen, die Art Cologne bei der abc Berlin. Wird die viennacontemporary irgendwann einen größeren Partner haben?


Das ist für uns kein Thema. Wir haben hier in Wien genug Potential um eine eigenständige Messe zu produzieren.


Wäre es nicht ein großer Vorteil, ein Teil eines größeren Netzwerkes wie das einer Messegesellschaft zu sein, in dem auch Investitionen möglich sind?


Seit wann investieren denn diese Messekonzerne in kleinere Messen die sie aufgekauft haben?


Die Zukunft der Marx Halle ist nach wie vor ungewiss. Welche Rolle spielt der
Veranstaltungsort für die viennacontemporary?


Wenn die Stadt Wien einen jährlich wiederkehrenden großen Kunstevent haben will, der auch touristisch interessant ist, dann braucht es auch eine besondere Location. Messehallen gibt es ja überall auf der Welt und sie sehen alle ähnlich aus. Wien ist jetzt schon die Kulturhauptstadt Europas und kann im Zusammenhang mit der Lebensqualität ein weltweites Publikum anziehen, das auch Geld für Kunst und Kultur ausgibt – wenn es die richtigen Events dafür gibt und die entsprechenden Veranstaltungsorte.
Das betrifft natürlich auch das lokale Publikum. Es geht doch darum, Leute zu finden, die offene Ohren und Augen für die Leistungen der Galerien haben und diese Interessen lokal wie international zu vernetzen. Wir bringen durch unsere Services die Sammler und die Besucher auf die Messe, dann liegt es an den Galerien, die entsprechenden Verkäufe zu machen. Wir bemühen uns jedenfalls, unsere Leistung bestmöglich zu erbringen.


Ist vor dem Hintergrund des aktuellen Wandels der Galerienszene auch eine Phase der Konsolidierung absehbar?


Also ich kenne keine Messedirektorin oder Direktor der sich jemals zurückgelehnt
hätte.


viennacontemporary
21.-24.09.2017
Marx Halle, 1030 Wien
viennacontemporary.at

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