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Roland GOESCHL, 1932 - 2016 - Farbe muss Material werden.: Konkret und utopisch

Welch klares Statement hier doch gesetzt wurde! Es ist die unmittelbare Präsenz von Pop, ein Vibrato des Aufbruchs per Farbe, das sofort fasziniert. Keine überschwänglichen Gesten allerdings. Vielmehr mathematisch genaue, präzise Setzungen. Kaum zu glauben, wie gegenwärtig und im Jetzt verhaftet diese Ausstellung wirkt!


Dabei handelt es sich gar nicht um eine künstlerische Neuentdeckung, sondern um eine kompetent und klug aufgebaute Überblicksschau, die durch das Œuvre des 2016 verstorbenen Bildhauers Roland Goeschl führt. Vielleicht liegt es an dem mittlerweile eingetretenen historischen Abstand zu all den Aufbrüchen, die im Werk Goeschls manifest werden, dass diese Retrospektive derart frisch wirkt; sicher trägt auch die mit Tagslicht durchflutete, weitflächige Präsentation dazu bei, in der sich zahlreiche Dialogsituationen und Entwicklungsschritte entdecken und nachvollziehen lassen.


In Kooperation mit der Witwe des Künstlers, Ingeborg G. Pluhar-Goeschl, ist es gelungen, Werke aus nahezu allen Schaffensperioden des Künstlers zu zeigen. Plausibel und sensibel inszeniert lässt sich der Übergang von den Einflüssen Wotrubas in Richtung experimentellem Umgang mit Farbe, die dann selbst zum Material wird, nachvollziehen. Die ständige Wiederkehr der für die Arbeit Goeschls zum Markenzeichen gewordenen Primärfarben rot-gelb-blau aus dem Bauhaus Kanon, zu denen Goeschl nach seinem London Aufenthalt überging, wirkt in dieser Bündelung keineswegs monoton, sondern auflockernd variationsreich. Es kommunizieren außerdem Zeichnungen mit Skulpturen, wovon Goeschl selbst einige als Linie im Raum verstand. Auf diese Weise entsteht ein informativer Resonanzraum, in dem gelegentlich auch die Durchgangssituationen der Galerie für Hängungen oder Fensternischen für die Platzierung kleiner, auf Sockeln gezeigter skulpturaler Objekte genutzt werden. An den Wänden akzentuierend und vermittelnd: einige Interview- bzw. Katalogzitate.


Wenn man sich vergegenwärtigt, dass Roland Goeschl schon 1964 und dann noch einmal 1968 documenta-Teilnehmer war und 1968 auch noch die Biennale Venedig bespielte, lässt sich ermessen, welche enorme Zeitspanne sein Werk seit Ausformung der künstlerischen Grundideen durchlaufen hat. Wie relevant es blieb, erweist sich an jenen Ansätzen, die in den öffentlichen Raum führen; nicht bloß in einem trivialen Verständnis als Skulptur. Als Konzeptkünstler realisierte Goeschl sowohl Farbe als auch Objekt als Intervention im gesellschaftlichen Raum. Topografisch bezugsreich tendierten manche seiner Installationen dazu, aus dem Galerieraum auf die Straße hinaus zu wachsen. Manche Skulpturen luden dazu ein, sie zu benützen. Und Raum: Das war für Goeschl sehr früh der mediale Raum der Massenkommunikation. Dafür bot die Schuhfirma HUMANIC der österreichischen Avantgarde von 1969 an ihre TV-Werbespots als Fläche.


So kam es, dass 1971 unter der Regie von Axel Corti gesprengte farbige Würfel von Roland Goeschl in Österreichs Patschenkinos zum Dauer-Aufreger wurden. Auch dieses großartige Medienkunstwerk aus einer Zeit, in der Werbung gelegentlich Kunst sein durfte, anstatt von der Kunst bloß zu klauen, zeigt diese Ausstellung. Insgesamt ein schöner erfrischender Überblick aus dem biografischen Kern des Künstlers heraus entwickelt. Unbedingt einen Abstecher Wert.

Roland GOESCHL, 1932 - 2016 - Farbe muss Material werden.
19.05 - 28.07.2017

zs art Galerie
1070 Wien, Westbahnstraße 27-29
Tel: +43-1-895 9395 11
Email: galerie@zsart.at
http://www.zsart.at
Öffnungszeiten: Mo - Fr 11 - 19 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung

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