Kunst und Kfz

Nina Schedlmayer, 08.05.17

Unlängst in einer Jurysitzung. Man wühlt sich durch viel zu viele Einreichungen: junge Künstler, ältere Semester, mal mehr, mal weniger spannend, die meisten davon ernst zu nehmen. Dazwischen immer wieder Portfolios von Hobbykünstlern und –künstlerinnen. Die farbkräftige Malerei eines Arztes wird zunächst milde belächelt. Warum soll ein Mediziner nicht malen, schadet ja keinem.

Doch im Laufe des Tages häufen sich die Bewerbungen selbsternannter Künstlerinnen und Künstler. Nebst einem Rechtsanwalt bewerben sich eine IT-Technikerin, eine Steuerberaterin, der Inhaber einer KfZ-Werkstatt um öffentliche Gelder. Mit der Zeit weicht das sachte Abwinken einem gewissen Groll. Denn: Wieso glauben Menschen, die ein schönes Hobby haben, dass die öffentliche Hand ebendieses fördern muss? Woher nehmen sich Menschen mit respektablen, nützlichen und teils auch bestens dotierten Berufen die Chuzpe, sich für etwas zu bewerben, von dem ihre Elaborate Lichtjahre entfernt sind?

Offenbar herrscht ganz allgemein der Glaube, dass jeder, ohne Ausbildung und Ausübung, Kunst produzieren kann. Jede Bäckerin, jeder Friseur hat eine Gesellenprüfung zu absolvieren, um sich zu qualifizieren, ganz zu schweigen von den Jahre, teils Jahrzehnte währenden Studien, die jede Juristin und jeder Arzt zu absolvieren hat. Kein Künstler, keine Künstlerin dieser Erde käme auf die Idee, sich als Chefarzt oder Tischlerin zu bewerben, wenn er oder sie diese Profession nicht ausdrücklich erlernt hat.

Vielleicht hat dieser naive Glaube auch damit zu tun, dass diverse Regional- und Grätzelveranstaltungen jeden, der einen Pinsel halten kann, zu „Tagen der offenen Ateliers“ oder „Art Walks“ einladen. Die dort präsentierten „Werke“ von teilweise erschütternder Nicht-Qualität werden dann von einzelnen ernstzunehmenden Positionen aufgewertet. Dahinter steckt freilich keine Böswilligkeit, sondern Unkenntnis. Nein, Leute: So einfach geht das nicht. Lasst die Kunst den Künstlern. Und beleidigt sie nicht mit euren Hobbygemälden, indem ihr glaubt, tatsächlich in Konkurrenz zu ihnen treten zu können.

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10 Postings in diesem Forum  versenden Ihre Meinung

Vielleicht ...
WaSta | 21.05.2017 10:49 | antworten
... tun sich Frau Schedlmayer & Co. leichter, wenn sie nicht so sehr auf die Herkuntsqualifikation derjenigen achten, die da ihre Werke der Jury vorlegen, sondern, ob es gute oder schlechte Kunst ist.
Ich verstehe Frau Scheldlmayers Argumentationsgrimm sehr gut - ich habe schon drei Kücheneinrichtungen sekber gefertigt, aber ich würde mich nicht als Tischler bezeichnen -, aber geht's um die (Berufs-)Bezeichnung, oder geht's um die Qualität des Ergebnisses?!?
Dr.
Atelier Penker | 08.05.2017 23:22 | antworten
Dann hat auch der Ausschreibungstext Verbesserungsmöglichkeiten. z.B KünstlerInnen mit einen Kunststudium die ausschließlich davon leben. Esgibt auch Künstlerinnen mit Ausbildungen die hochdotierte Jobs haben zb.Prof. Univ. Ass Prof und sich bewerben .....um Förderateliers, Ankäufe, Reisekosten....
Hat z.B eine KünstlerIn mit Architektur/Landschaftplanung/ Modesstudium eine Ausbildung. Ja als Architekt oder Landschaftplaner, aber nicht als Malerin/Bildhauerin/Video/Foto/Graphik/Sound Art
Life is often unfair but Arthistorie is decided by its Art and not by others:)
The Artist's Dilemma
Laura Kuch | 09.05.2017 09:57 | antworten
Wie wahr, wie wahr - danke für den Artikel.
Hierzu sehr interessant Mark Rothkos Text "The Artist's Dilemma".
Daraus: "While the authority of the doctor or plumber is never
questioned, everyone deems himself a good judge and an
adequate arbiter of what a work of art should be and how it
should be done."
Ich habe schon mehrmals mein Waschbecken repariert und bin
am überlegen ob ich mich nun als 'Artist & Plumber' betiteln sollte ;)
Galerist
Hubert Thurnhofer | 09.05.2017 11:44 | antworten
Es stimmt, dass Förderungen nicht jeder bekommen sollte. Dass viele einreichen, die Förderungen nicht unbedingt brauchen, liegt aber auch daran, dass es keine, und ich meine ABSOLUT KEINE Kriterien gibt, nach denen KUNST gefördert wird. Wenn nur "echte" Künstler gefördert werden sollen, dann muss man definieren, was "echte" Kunst ist.
Ich lehne das despektierliche Prädikat "selbsternannte" Künstler ab. JEDER Künstler ist selbst ernannt. Wer denn sollte einen Künstler ernennen: Gott, die Eltern (bzw deren Gene), die staatlichen Institutionen, die Kunstprofessoren ernennen, die Kunstprofessoren die nach völligen Willkürentscheidungen Künstler aufnehmen?
Fakt ist, dass viele Künstler im zweiten Bildungsweg künstlerisch weiter kommen, als die MEISTEN Absolventen von Kunsthochschulen. Gemäß Studien geben 95% der Kunstabsolventen ihr Berufsziel von der Kunst leben zu können, früher oder später auf.
KünstlerIn JA oder NEIN?
Christiane Sandpeck | 15.05.2017 21:49 | antworten
Wahre Worte von Herrn Hubert Thurnhofer!
Hinzuzufügen wäre noch, auch die Vergabe von Förderungen ist willkürlich und oft nicht nachvollziehbar!
Worum geht es wirklich
Beschloptu | 11.05.2017 10:28 | antworten
Die Kunststudenten und dann professionellen Künstler kommen allermeist aus begüterten bis sehr begüterten Verhältnissen. Verteilungskämpfe gewinnen zumeist diejenigen, die sowieso schon alles haben.

Viele dieser Künstler finden dann auch nur Eingang in die Galerien und Kunstwelt, weil sie eben diesen Geld-Hintergrund mitbringen. Vielleicht wäre eine Recherche interessant, wer da genau deshalb in einer renommierten Galerie vertreten wird (man braucht sich die Familiennamen nur einmal etwas genauer ansehen). Aber natürlich zählt dann nur die Qualität der Arbeit ;) Es gibt aber auch viele Künstler, die ganz andere Zugänge zur Kunst fanden und ihr Leben nicht nur durch Kunsthochschulen-Hopping und Familie finanzieren konnten. Ich sah erst vor Kurzem eine Ausstellung in der Landesgalerie hier in Linz darüber. Ich glaube, sie hieß An die Arbeit. Es stimmt aber schon, es gibt viel grottigen Output von Personen die sich bei Stillstand in ihrem Beruf zur Künstlerin oder zum Künstler berufen fühlen. Deshalb gibt es ja aber auch die Kommissionen. Ob diese dann größtenteils nach Qualität urteilen möchte ich aber hier ebenfalls stark bezweifeln.
Mir ist dieser Artikel zu unreflektiert und scheint aus einer gewissen Haltung einer Elite gegenüber verfasst zu sein, zu der sich die Schreiberin zugehörig fühlt. Die Frage ist ja eben: Sollen rein Personen gefördert werden die bekannt sind bzw. blutjung und vielversprechend - so wie heute. Oder geht es um ein Projekt, das gefällt bzw. als wichtig zur Verwirklichung erachtet wird?
Das soll nicht heißen dass ich nicht auch in der Frage von Förderungen zwischen ernsthaft und Beschäftigungstherapie unterschieden haben möchte - ich empfehle, die Person erst im zweiten oder dritten Schritt anzusehen. Ist das dann eine langweilige Ärtzin, fliegt sie klarerweise trotzdem raus.
Der Kunst ihre Freiheit
Subhash | 16.05.2017 08:47 | antworten
Problem 1: Einkommensteuerbescheid anfordern.

Problem 2: Wie klar und deutlich getrennt da doch alles ist: Arbeit vs. Hobby, Ausbildung vs. Dilettantismus, Künstler*innen vs. Selbsternennungen. Da gibt es einen felsenfesten Glauben an die sich schon Lichtjahre weit entfernt habende Elite und einen schlimmen Groll gegen den abzuqualifizierenden künstlerischen Mob. Fehlt nur noch, dass ein Schwarze-Punkte-System gefordert wird: Wer schon ein Mal als Hobbykünstler*in entlarvt wurde, wird auf Lebenszeit von Einreichungen ausgeschlossen, es sei denn, sie oder er kann später eine profunde Ausbildung in Echter Kunst nachweisen.

Vielleicht einfach einmal Pause machen von der Juroriererei:
Nur Echte Kunst anschauen, nur mit Echten Künstler*innen reden, auf der sicheren Seite bleiben, ArtWalks unbedingt vermeiden, Ateliers besser fernbleiben, soferne nicht einigermaßen gesichert ist, dass nur Echte Kunst darin zu finden ist.
mag.
nux | 16.05.2017 09:19 | antworten
bedingungsloses grundeinkommen!!! und wir können uns diese ganzen diskussionen und juryveranstaltungen sparen.ob künstler oder hobbykünstler, alle hätten eine chance zu überleben!
Dilettanten
Guentta | 16.05.2017 09:36 | antworten
Warum soll ein Kfz-Mechaniker nicht als Künstler gefördert werden, wenn es ein hochkant gestellter Lkw sogar auf die Biennale schafft?
AN NINA UND ALLE ANDEREN DIE GENAUSO DIE NASE VOLL HABEN WIE ICH:
nanu mazuku | 16.05.2017 12:05 | antworten
+)solange leute wie dr.berthold ecker im amt sind wird sich nichts ändern…
seine aussage 2013 über meinen kunsttempel an dem ich über 8 jahre gebaut hab hier wörtlich:
"das ist ja wirklich gigantisch hr. mazuku was sie da geleistet haben" diese aussage stört nicht aber, als ich ihn genau zu diesem selben thema wie hier ansprach,
>>> seine weitere aussage wort wörtlich: >>> "kunst kann man nicht definieren"
damit gehört er meiner meinung nach sofort ausgewechselt samt derzeitiger regierung…

+)solange diese verkorksten pseudointellektuellen im bundeskanzleramt
unbekümmert unter jeden dreck ihr logo setzen dürfen, wird sich nichts ändern…

+)solange leute wie thurnhofer und die meisten anderen auch, ihr überleben hauptsächlich nur mit überhöhten vermietung ihrer wände an künstler sichern können,
die nicht merken dass da immer die gleichen 50 leute zu seinen vernissagen kommen, die nie ein werk kaufen würden…was soll sich ändern?
ich muß turnhofer allerdings zu 100% recht geben zu seinem sehr treffenden kommentar!

+)solange so genannte kuratoren, die sich hinstellen und stundenlang über einen dreckfleck auf einer weißen leinwand daherbrabbeln von den künstlern nicht selbst ausgeladen werden wird sich nichts ändern..

+)solange zb. anlanger´s kunstverteiler nur in seine politische richtung verteilt, wird es keine
objektive information geben auf diesem weg…

+)solange in diesem staatsfunk orf, dieser seine politisch einseitigen und nur zur eigenen machterhaltung eines unzulänglichen proporz auf kosten von zwangsgebühr-beglückten weitermachen darf wird sich nichts ändern…

liebe nina, ich könnt hier noch 10 seiten zu diesem thema schreiben aber ich lebe von der kunst und nicht vom text schreiben……

+)und was die bildnerische szene wahrscheinlich nicht so mitbekommt:
auch z.b. am musikpädagogischen markt gibt es noch immer keine vernünftige regelung, sondern jeder vollkoffer der nicht mal sein instrument gscheit stimmen kann, darf am ach so freien markt unterrichten und hochbegabte talente für immer zerstören…

+)josef jap(spö) hat mich bei den podiums diskussionen in den 90ern
(es ging um die künstlersozialversicherung) durch seine arroganten ansichten
persönlich beleidigt mit seinem statement: "wer gut ist schaffts auch"
schon damals war es im gespräch doch klar, dass in realität oft genau das gegenteil stimmt und als ich dann ab 2011 drei jahre im kreise der familie prof. fuchs unter den phantasten vertreten war, bekam ich das ganze ausmaß zu spüren, dass ich bis heute nicht nachvollziehen kann nämlich:
es fühlt sich an als gäbe es da leute die voll motiviert sind die schönen künste mit allen mitteln auszugrenzen als wäre es eine krankheit wenn man nicht schmiert und deppert herumpatzt …
hat mich hier irgendwer nicht ganz verstande?
ich rede zb. von diesem schwerstakoholiker, bekannt als meister unserer bürger, der mit seiner moslempartei jobs aus steuergeldern nur an parteifreunde verteilt egal was sie drauf haben…

+)mein diplom hab ich auf der hochschule f. musik und darstellende kunst 1982 gemacht,
vertrete aber nun schon seit 30jahren als baukünstler für "bauen und wohnen mit kunst"
ausschließlich die schönen künste und war bis vor 2 jahren völlig unpolitisch...
nach meinem super auftrag 2014 wo ich wagners ring ins bildnerische übersetzen durfte,
hab ich mir die galeristenszene genauer angeschaut…so 2-3 vernissagenbesuche pro woche
speibübel wird mir wenn ich zurückdenke was ich da erlebt habe…

+)ich selbst bin zwar frei in meiner schöpferischen tätigkeit aber der glaube an die freiheit der kunst ist absoluter fake

danke liebe nina endlich mal klartext im artmagazin das mich bisher auch eher wenig berührt hat
lg
nanu mazuku

PS:
sorry an jene die meine inhalte nicht verstehen wollen und stattdessen an meinen schreibfehlern hängen bleiben…

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