Ely House: 37 Dover Street, London

Susanne Rohringer, 08.05.17

Ende April eröffnete der österreichische Galerist Thaddaeus Ropac seine fünfte Ausstellungsfläche in Europa. Seine Wahl fiel dabei auf das noble Viertel Mayfair in London in der Nähe der Royal Academy of Arts. Umgeben von zahlreichen prominenten Galerien wählte Ropac das sogenannte Ely House als Standort aus und ist damit nicht weit vom Picadilly Circus entfernt.

Das Haus wurde 1772 bis 1778 von Robert Taylor erbaut und hat seinen Namen von seinem früheren Besitzer Bischof Edmond Keene of Ely. Das historische Gebäude wurde von der deutsch-amerikanischen Architektin Annabelle Selldorf behutsam renoviert. Auf fünf Etagen, die durch eine geschwungene Treppe erschlossen werden, wurde in den Räumen teilweise Stuck entfernt, im Erdgeschoß entstand ein großer Ausstellungsraum in dem auch großformatige Werke ihren Platz finden. Hier sind derzeit Werke des 35jährigen Briten Oliver Beer zu sehen.
Während der Renovierungsarbeiten wurden Glaskuppeln freigelegt, die zubetoniert waren und die gemeinsam eine angenehme, von Licht durchflutete Atmosphäre schaffen.

Oliver Beer, Absolvent der Musik Akademie in Guildford, brachte in seiner Eröffnungsperformance das Gebäude zum Klingen. Er ließ im Treppenhaus mehrere ausgebildete Sänger eine Tonfolge singen, die in den Räumen widerhallten. Sein sogenanntes „Resonance Project“, das er seit 2007 an verschiedenen Orten entwickelte, vermittelt auch hier den sonoren Duktus dieser Architektur. Heben die Sänger ihre Köpfe von den Ecken so bleiben ihre Abdrücke und Atmungsspuren in der Mauer sichtbar zurück.

Im bereits erwähnten Hauptraum im Erdgeschoß sind Leinwände von Beer zu sehen. Darin sind hauchdünne aus Holz gesägte Schichten wie Intarsien in die Malerei eingelegt. Sie bilden Bruchstücke von Instrumenten. Das gesamte gezeigte Instrument muss der Betrachter sich im Kopf allerdings erst zusammen denken.

In der oberen Etage zeigt Ropac Sammlungsklassiker: Zeichnungen, Gouachen und Aquarelle von Joseph Beuys. Der Künstler war, nachdem seine Vertretung in London schloss, hier fast zwanzig Jahre nicht mehr zu sehen. Die jetzige Schau seiner Arbeiten aus den 1950er bis zu den 1980er Jahren ist sicherlich ein „Must“ für Londoner Kunstinteressierte. In den gezeigten Zeichnungen arbeitete Beuys zum Teil mit der von ihm benannten Farbmischung „Braunkreuz“. Dabei handelte es sich um eine vom Künstler erfundene Mischung aus Industriefarbe und Hasenblut. Man denkt bei diesen Arbeiten sofort an Beuys’ Performance mit dem toten Hasen. Es sind Tier-Mensch-ähnliche Formen die er zu Papier bringt und die sich auch in der Rückstütze aus Eisenguss in der Vitrine abbilden. Ursprünglich war dies eine Vorlage einer Haltungsstütze für ein junges Mädchen. Abgegossen hat die Skulptur Ähnlichkeiten mit einem ausgeweideten Tier. Diese organischen Materialien und Bezüge sind typisch für die Kunst von Joseph Beuys und sie sind hier sehr schön verdichtet in der „Chapel Gallery“ zu sehen.

Zuletzt sei hier noch auf eines der Highlights der Ropac`schen Sammlungen verwiesen: Der Galerist kaufte kürzlich Teile der Sammlung von Egidio Marzona, die im Obergeschoß des Ely House zu sehen sind. Es sind dies die Klassiker der Minimal Art: Sol le Witts Kuben, die Boxen von Donald Judd aus gerostetem Stahl, die Kupferplatten von Carl Andre, ein ungleiches Neonröhrenpaar von Dan Flavin und eine stille Arbeit von Fred Sandback: Schnüre in einer Raumecke.

Der Raum ist ein beeindruckendes Ensemble von prominenten Arbeiten der Minimal Art wie man es selten außerhalb von Museen zu sehen bekommt.

Beendet man den Besuch im Ely House so ist man gut gestimmt angesichts der Qualität der Kunstwerke die Ropac hier präsentiert. Es sind Arbeiten die in London sicherlich ihren Abnehmer finden werden. Mit der Wahl des Standorts des Hauses und der Präsentation liegt Ropac sicherlich richtig.


Tipps

 

Galerie Thaddaeus Ropac - Ely House
W1S 4NJ London, 37 Dover Street
Tel: +44 20 3813 8400
email: london@ropac.net
http://www.ropac.net




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Galerie Thaddaeus Ropac - Ely House
Eröffnungsausstellung: Oliver Beer, Gilbert & George, Joseph Beyus, Sammlung Marzona

28.04.2017 bis 29.07.2017

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