Opus operatum

Bettina Landl, 07.05.17

Wir betreten einen Raum, indem/in dem imaginiert wird und überschreiten dabei eine Schwelle der Absurdität, hinter dieser sich Launen der Fantasie zeigen: „Land der Berge“. Warum die Österreichische Bundeshymne? Der Begriff „Heimat“ drängt sich auf: „Sie fühlen, welche Tragweite dieser Mythos von der Bildung des Draußen und Drinnen hat: es geht um die Entfremdung, die auf diesen Begriffen beruht.“ (Jean Hyppolite)

Hier sehen wir alles groß. Die Miniaturen besitzen psychologische Realität. Wölbungen, ob Ergebnis auf der Leinwand oder in Form einer Plastik. Den Bildern ist eine gewisse Objektivität zu eigen. „Ich hätte dir auch ein Bild gegen soziale Töchter malen können“, ist der Titel einer Arbeit von Markus Huemer, die sich neben Wurms Bronzefiguren befindet. Als „Unikate“ bezeichnet dieser seine Objekte, die auf Sockeln präsentiert, getrennt voneinander zu existieren scheinen. Jedes für sich ist einmalig, veredelt, und in einem künstlerischen Prozess entstanden, der die Welt zu fassen wünscht. Alle Werke, datiert 2017, zeugen von einer Unbestimmtheit und dem reinen Willen zur Form. „Alles Wollen des Menschen ist auf die befriedigende Gestaltung seines Verhältnisses zu der Welt gerichtet. Das bildende Kunstwollen regelt das Verhältnis des Menschen zur sinnlich wahrnehmbaren Erscheinung der Dinge: es gelangt darin die Art und Weise zum Ausdruck, wie der Mensch jeweilig die Dinge gestaltet oder gefärbt sehen will.“ (Alois Rigl)

Es sind „Körper gewordene Sprache“ und Symbole für den Habitus des Menschen, der jeden Moment seines Daseins durchdringt und gleichzeitig seinen Handlungsspielraum einengt. Gewohnheiten im Denken, Fühlen und Handeln sind den Mitgliedern einer Figuration gemeinsam, woraus sich die individuelle Persönlichkeitsstruktur mitentwickelt.

In diesem Kontext lassen sich Wurms Objekte als Sinnbilder einer „Habitualisierung“ deuten: Darin versteht man die psychosoziale Entwicklung von Menschen als ein wechselseitiges Formen und Geformt-Werden. In der alltäglichen Praxis werden kollektive, generative Schemata und „Dispositionen“ (grundlegende Einstellungen) einverleibt. Auch die Natur wird dabei determiniert. Die soziale Herkunft und der bisherige soziale Lebenslauf sind für die Prägung des Habitus von zentraler Bedeutung. Der Habitus als „System verinnerlichter Muster“ ist also „objektiv“ bestimmt, erlaubt aber zugleich „subjektive“ individuelle Handlungsstrategien in einem Raum der Möglichkeiten, wie dem der Kunst. Als ein „System dauerhafter und übertragbarer Dispositionen“, welche als Erzeugungs- und Ordnungsgrundlage für Praktiken und Vorstellungen dienen, die sich in der Spontaneität des Momentes, also ohne Wissen und ohne Bewusstsein in der Praxis eines Menschen offenbaren; einverleibte, zur Natur gewordene und damit als solche vergessene verinnerlichte, also inkorporierte (einverleibte) Geschichte; ein „sozial konstituiertes System von strukturierten und strukturierenden Dispositionen, das durch Praxis erworben wird und konstant auf praktische Funktionen ausgerichtet ist“; Zeichen der Distinktion der einzelnen Klassen; Denk- und Sichtweise der Wahrnehmungsschemata, welche die Prinzipien des Urteilens und Bewertens begründen. Die Doxa ist die stillschweigende, sich in der Übereinstimmung des Habitus mit den objektiven Strukturen entstehende Erfahrung der bestehenden Ordnung, nicht als willkürlich geschaffene und damit kritisierbare, sondern als ein natürlich gegebener, selbstverständlicher Zustand und wird somit als natürlich aufgefasst.

„Die Gemälde und Plastiken sind Miniaturen“, so Christa Steinle, „in Proportion zur Größe unserer Vorstellungskraft.“


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Markus Huemer, Erwin Wurm - Land der Berge

22.03.2017 bis 14.05.2017

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