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Using a collection as an Ironing Board

Raimar Stange, 09.03.17

Die walisische Künstlerin Bethan Huws hat jetzt die Daimler Art Collection kuratiert. Dabei wurden von ihr ausgewählte Arbeiten in Bezug gesetzt zum Denken Marcel Duchamps – und das Kuratieren wurde selbst zum Readymade.

Schon der Titel der Ausstellung ist bedenkenswert: “On the Subject of the Ready-Made or Using a Rembrandt as an Ironing Board“. “Einen Rembrandt als Bügelbrett benutzen“ – mit diesen nur scheinbar „bilderstürmischen“ Worten hat Marcel Duchamp in einer seiner Notate aus der „Green Box“, 1934, erklärt, wie ein „reziprokes Readymade“ funktioniert: Sie setzen sich gegenseitig in einen gedanklichen - darum besagtes „nur scheinbar bilderstürmerisch“ - Dialog. Readymades, die sich aufeinander beziehen, hat Bethan Huws dann auch in „ihrer“ Ausstellung „On the Subject of the Ready-Made“ zusammengestellt und sich somit beim Kuratieren eines Prinzips bedient, dass von Duchamp bereits vorformuliert wurde, also ein Readymade ist.

Die Resultate dieser kuratorischen Methode beleuchten, und genau dieses macht die Spannung dieser bemerkenswerten Ausstellung aus, dann wechselseitig sowohl Qualitäten des Denkens von Duchamp, vor allem seines spielerischen Umgangs mit Sprache, wie Qualitäten der von Huws ausgesuchten Arbeiten. Ein Beispiel: Gleich am Anfang von „On the Subject of the Ready-Made“ hängen vier der großartigen „Target“-Bilder, 1966-68, von Poul Gernes. Dazu erklärt Huws in einem von der Künstlerin selbst konzipierten Audioguide, der als integraler Bestandteil der Ausstellung anzusehen ist: „Tableau ist die Verkleinerungsform von table (Tisch). Ursprünglich bezeichnet das Wort eine Zielscheibe aus Holz oder Metall mit Beschriftungen oder Bildern. Erst später wurde es für Staffeleibilder (auf Keilrahmen gespannte Leinwand) verwendet.“ Die Zielscheibe, vereinfacht formuliert, wird hier zum Bild von Bildern, wie dann Huws mit einem Duchamp-Zitat aus dessen erster Schachtel „La Boite de 1914“ noch einmal unterstreicht: „Faire un tableau de fréquence“, meist übersetzt als: „Gemälde der Frequenz machen“. Kunst als physikalischen Phänomen – genau diesen Gedanken spinnen Huws/Duchamp/Warhol dann fort, zeigt die Waliserin doch gleich gegenüber der „Targets“ zwei Siebdrucke von Andy Warhol, auf denen ein Auto zu sehen ist, die Arbeiten „Mercedes Benz 300 SL Coupé, 1954“, 1968 nämlich. Und die Kuratorin erläutert dazu: „Das französische Wort machine stammt von lat. Machina („Erfindung“, Werkzeug“, …). Das Wort bezeichnet außerdem die Struktur des Universums sowie ein mit künstlerischen Mitteln hervorgebrachtes Werk.“

Der hier inszenierte gedankliche Parcours streift in der Abfolge seiner Präsentation dann, eine kurze, willkürliche Auswahl muss hier genügen, im Werk Duchamps wichtige Themen wie „Kunst und Serie“, „die Farbe Schwarz“, die „Rolle des Zufalls“, die Schachfigur „Springer“ und „Kranksalbung“. Dabei werden dann Kunstwerke von Joseph Albers bis Heimo Zobernig, von Monika Brandmeister bis Rosemarie Trockel – insgesamt sind 75 Positionen vertreten – zu reziproken Readymades. Zuweilen verlieren sie so ihre „ursprüngliche“ Bedeutung, gewinnen dann aber neue diskursive und sinnliche Qualitäten hinzu.

Diese überaus gelungene Ausstellung ist ein heute leider seltenes Beispiel für eine produktive Auseinandersetzung mit Kunst, die Spaß macht, gerade weil sie ein hohes Maß an gedanklicher Leistung erfordert.


Tipps

 

Daimler Contemporary
10785 Berlin, Haus Huth, Alte Potsdamer Straße 5
Tel: +49 30 25941 420
Fax: +49 30 25941 429
email: art.collection@daimler.com
http://art.daimler.com/
Öffnungszeiten: täglich 11 - 18 h




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Daimler Contemporary
On the Subject of the Ready-Made or Using a Rembrandt as an Ironing Board

25.11.2016 bis 14.05.2017

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