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Heidrun Holzfeind - Never Neverland: Radikale Selbstbeschränkung

Nur dann könne man das Leben weise betrachten, wenn man sich freiwillig der Armut aussetze, schrieb Henry David Thoreau. In seinem Buch „Walden“, längst zu einem Klassiker der Literaturgeschichte geworden, beschrieb er 1854, wie er zwei Jahre einsam in der Natur gelebt hatte.

Heidrun Holzfeind beleuchtet nun in ihren drei Videoarbeiten mit dem Titel „Never Neverland“ (2014), die sie im Kunstraum Lakeside zeigt, Aussteigergemeinschaften, die sich gegenwärtig in die Natur zurückziehen, der (Massen-)Gesellschaft regelrecht entfliehen und versuchen, autark zu leben: „Eines der Hauptmerkmale der in „Never Neverland“ vorgestellten Gemeinschaften ist eine Bewegung hin zu einem stärkeren Grad der Eigenständigkeit in allen Bereichen (Energie, Lebensmittel, Medizin, Bildung, Wirtschaft)“, schreibt Luigi Fassi im Begleitheft.

In Holzfeinds „Never Neverland“ erzählt die Mittzwanzigerin Darya mitten in der kalifornischen Wüste, umgeben von Schrottskulpturen, über ihre Ängste vor der amerikanischen Gesellschaft und von ihren Erfahrungen, als sie sich einmal freiwillig der Obdachlosigkeit aussetzte, einfach um zu wissen, wie das sei. Der Sozialarbeiter Gert philosophiert in seinem Selbstversorger-Paradies bei Graz über die Selbstentfremdung des Konsumismus und ökonomische Zwänge, die sich die moderne Gesellschaft selbst auferlegt.
Die Protagonistinnen und Protagonisten der Arbeiten öffnen sich bereitwillig der Künstlerin – was wohl daran liegt, dass sie sich bei ihrer Recherche an der anthropologischen Methode der teilnehmenden Beobachtung orientierte. In ihren einfühlsamen Erkundungen erscheinen Thoreaus Wiedergänger keineswegs abgehoben oder esoterisch angehaucht, sondern als kritisch reflektierende Zeitgenossen. Jene freiwillige Selbstbeschränkung, die in homöopathischen Dosen via Plastikvermeidung und Elektroauto längst im zeitgeistigen Lifestyle angekommen ist, üben sie in aller Radikalität aus: gelebte Utopie.

Heidrun Holzfeind - Never Neverland
10.03 - 05.05.2017

Kunstraum Lakeside
9020 Klagenfurt, Lakeside B01
Tel: +43-463-22 88 22 11, Fax: +43-463-22 88 22 10
http://www.lakeside-kunstraum.at

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