Indexanpassung sofort!

Nina Schedlmayer, 06.02.17

Glücklich und stolz war der Kulturminister unlängst, sagte er. Grund dafür waren die gestiegenen Besucherzahlen in den Bundesmuseen. Fünf Millionen Menschen haben die Häuser insgesamt gestürmt. Ist bloß zu hoffen, dass sich das nicht ändert, denn mit jeder Zahl wird ein neuer Maßstab gesetzt. Nicht einmal die Museen bleiben vom permanenten Wachstumsstreben verschont. Obwohl es hier doch in Wirklichkeit um ein bisschen etwas anderes gehen sollte.

Bei so viel Glück und Stolz wäre es aber vielleicht mal angebracht, dass die Bundesmuseen, deren Eigentümerin die Republik – also die Öffentlichkeit – ist, ihrerseits einmal wüssten, womit sie rechnen können. Denn zwar wurden in den vergangenen Dekaden ganz automatisch jährlich vom Finanzamt immer mehr Steuergelder eingehoben, und dank kalter Progression sogar über die Inflation hinausgehend. Im Umgang mit den Museumsbudgets schlug sich das Jahr für Jahr immer höhere Steueraufkommen aber keineswegs nieder: Denn anstatt diese zu valorisieren, lassen sich die jeweils kulturpolitisch Zuständigen lieber von den Direktoren beknien für diese und jene Sonderfinanzierung oder zusätzliche Förderung. Jahr für Jahr wird dann bekanntgegeben, wer diesmal die Glücklichen sind, deren Basisabgeltung „erhöht“ wird – wobei es sich zumeist, über die Jahre gerechnet, um letztlich ohnehin nicht mehr als eine schnöde Indexanpassung handelt. Doch die Verkündung vermeintlicher Steigerungen erweist sich natürlich als medienwirksamer denn eine automatische Anpassung der Finanzierung: In solch einem Fall könnte schließlich kein Politiker groß rausposaunen, wie viel er „zusätzlich“ für die Kunst dort und da herausgeschlagen hat.

Schon abwegig: Ständig übertrumpfen die Museen ihre eigenen Zahlen. Doch die Finanzierung, die sie erhalten, hält nicht einmal automatisch mit der Inflation mit. Deren „Steigerung“ hängt vom Gusto der/des gerade aktuellen Kulturministers/Kulturministerin ab. Angeblich, so berichtete Ö1, soll sich das nun ändern. Höchste Zeit wäre es. Doch in Österreich glaubt man Versprechen lieber erst dann, wenn sie tatsächlich eingelöst wurden – und schwarz auf weiß zu belegen sind.

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