Damien Hirsts Vorläufer

Nina Schedlmayer, 22.02.17

Als im Vorjahr die Sammlung von David Bowie versteigert wurde, kursierte überall Damien Hirsts Arbeit „Beautiful, shattering, slashing, violent, pinky, hacking, sphincter painting“ – ein Gemälde, entstanden durch den Farbauftrag auf einer rotierenden Leinwand, datiert mit 1995. Dass dieses Bild in der Kunst durchaus einen sehr, sehr ähnlichen Vorläufer hat, wurde dabei allerdings nirgends vermerkt: Denn schon mehr als drei Jahrzehnte vor Hirst hatte Alfons Schilling (1934–2013) auf dieselbe Art seine „Rotationsbilder“ produziert.

Eines davon zeigt nun das Westlicht in seiner Ausstellung „Alfons Schilling. Beyond Photography“ – allerdings nur als kurzen Exkurs in seine Malerei-Phase, die 1962 zu Ende war. Denn die Schau widmet sich vor allem den vielen Seh-Experimenten des in Österreich noch immer unterschätzten Künstlers, der populäre Medien wie etwa Hologramme, stereometrische Apparate und Linsenrasterfotografien – im Volksmund als „Wackelbilder“ bekannt – in die Kunst einführte. Damit erweiterte er ebenso die Wahrnehmung wie mit seinen Sehmaschinen, die er selbst auf den Schultern durch die Landschaft schleppte. Mit einem Entwurf für sein „Video-Headset“ nahm er sogar Technologien des 21. Jahrhunderts vorweg (womit er freilich nicht der einzige war).

Für seine Arbeiten verwendete er oft politische Sujets, etwa Bilder von brennenden Autos bei den Chicago Riots oder von Demonstrationen – aber auch Fotos von fallenden Männern oder Vorlagen von Eadweard Muybridge, der ihn stark inspirierte. Die Ausstellung ist nicht chronologisch oder thematisch angelegt, sondern eher assoziativ – manchmal würde man sich da doch einen roten Faden wünschen. Dennoch: Schillings Werke – trotz virtueller Welten und Augmented Reality – vermögen auch im 21. Jahrhundert noch immer zu faszinieren. Was vielleicht gerade mit ihrer Patina zu tun hat.


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Westlicht. Schauplatz für Fotografie
Alfons Schilling - Beyond Photography

14.02.2017 bis 14.05.2017

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