Prof. Dr. Günter Herzog, Leiter des ZADIK, erhält den Preis der ART COLOGNE.

31.01.17

Seit 15 Jahren wird das ZADIK – Zentralarchiv des Internationalen Kunsthandels entscheidend von Günter Herzog geprägt. Er hat es zu einem offenen, vitalen „Speicher für die meist im Verborgenen wirkenden Kräfte derjenigen entwickelt, die den Werken der Künstler ihren Platz in der modernen Gesellschaft geben“ (Klaus Honnef). Kräfte, die sich in den Vor- und Nachlässen bedeutender Unternehmen und Persönlichkeiten des Kunstbetriebs erhalten haben. Diese werden im ZADIK nicht nur inventarisiert, sondern durch Digitalisierung, Ausstellungen und Publikationen zur Erforschung und für Interessenten zugänglich gemacht.

Günter Herzog promovierte und habilitierte an der Universität zu Köln, wo er seit 1998 Kultur- und Sozialgeschichte der Kunst sowie Geschichte des Kunsthandels lehrt und 2008 zum außerplanmäßigen Professor ernannt wurde. Vor zwei Jahren gelang die Anbindung des ZADIK als An-Institut an den Fachbereich Kunstgeschichte der Kölner Universität – die perfekte Grundlage für den Masterstudiengang Kunstmarkt, der hier 2014 neu eingerichtet worden ist.

Das ZADIK wurde 1992 vom BVDG gegründet und war bis 2001 der Bonner Bundeskunsthalle angeschlossen. 2001 zog es nach Köln in eine ehemalige Filiale der Sparkasse KölnBonn, deren SK Stiftung Kultur seitdem als Hauptsponsor wirkt – wobei das Institut frei und unabhängig von seinen Gründern und Förderern agiert. 2007 zog es in den Mediapark, wo es ein großes Magazin, Büros und einen Showroom unterhält. Die regelmäßig von Günter Herzog anlässlich der ART COLOGNE konzipierten originellen Ausstellungen sind sowohl auf der Messe als auch im Mediapark zu sehen.

Seit der Übergabe der ersten großen Donation durch die Kölner Galerie der Spiegel befinden sich heute über 150 Konvolute im Bestand des ZADIK: von Galerien und Institutionen, von Sammlern und Kuratoren, von Fotografen und Kunstkritikern. Mit Hauswedell & Nolte (Hamburg) konnte erstmals der Nachlass eines renommierten Auktionshauses gewonnen werden. Zwei Lastwagen lieferten im Sommer letzten Jahres 900 Kartons, die nun auf ihre Erschließung warten.

Geschäfts- und Privatakten, Korrespondenz mit Künstlern, Sammlern und Museen, Manuskripte und Autographen, Presseberichte, Inventar- und Preislisten, Buchhaltung und Bilanzen und Tausende fabelhafte Fotografien bilden den Kernbestand der Fundgrube ZADIK. Dabei ist der partnerschaftliche Umgang mit seinen Donatoren für Günter Herzog das Maß aller Dinge.

Günter Herzog hat überdies die ZADIK-Schriftenreihe sediment - Mitteilungen zur Geschichte des Kunsthandels konsequent weiter entwickelt; 26 Bände dieser herausragenden Reihe sind mittlerweile erschienen. Aspekte der modernen Kunstvermittlung werden hier anhand der Primärquellen im Miteinander von Galerien, Künstlern, Kuratoren und Sammlern profund nachgezeichnet. Das Bildmaterial und die abgedruckten Briefe, die einst zwischen den Akteuren kursierten, gewähren einen Blick hinter die Kulissen und bereiten höchstes Lesevergnügen.

Der besondere Spirit des ZADIK zeigt sich für Günter Herzog immer dann, wenn sich innerhalb der Einzelarchive Vernetzungen ergeben. Wenn etwa ein Künstler wie Nam June Paik mit Briefen oder Fotos in Unterlagen der historischen Galerie Parnass (Wuppertal), der Galerie Konrad Fischer oder von Kasper König – der dem ZADIK jüngst sein Privatarchiv übergab – auftaucht. Dann, so Herzog, „kommen bei uns Leute wieder zusammen, die früher miteinander gearbeitet haben“.

Namhafte Provenienzforscher und Museumkuratoren schätzen die Recherchemöglichkeiten, die das ZADIK bietet ebenso wie das angenehme Arbeitsklima vor Ort, die Unterstützung und das Interesse, das von Günter Herzog jeder Fragestellung entgegen gebracht wird. Weil hier Primärquellen durch vielfältige Nutzung reaktiviert, Pioniere des Kunstmarkts entdeckt und weitgehend neue Kapitel der Kunstgeschichte eröffnet werden können, erwägen immer mehr potentielle Donatoren, ihre privaten und geschäftlichen Archive dem ZADIK zu überlassen.

Unter der Ägide von Günter Herzog wurde das ZADIK zu einer Schnittstelle zwischen Kunstbetrieb und Kunstwissenschaft. Seine Kooperationen mit dem documenta Archiv Kassel, dem Wiener Dokumentationszentrum für zeitgenössische Kunst oder der New Yorker Guggenheim Foundation führten zur internationalen Anerkennung des ZADIK. Dies würdigt der auf 10.000 Euro dotierte ART COLOGNE-Preis, der jährlich für herausragende Leistungen der Kunstvermittlung vom BVDG und der Koelnmesse vergeben wird.

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