Wie der Kaiser einmal...

Rainer Metzger, 20.11.16

..., nämlich am 18. Februar 1853 den Attentatsversuch des Janos Libenyi auf der Bastei am Kärntner Tor glücklich überstand, da wurde die Votivkirche gepflanzt. Alle Kaisertreuen sollten sich daran beteiligen. Auch das Theater an der Wien wollte mitmachen und die Einnahmen aus der Premiere des „Tannhäuser“ stiften. Der Kaiser lehnte dankend ab, mit Richard Wagner, der damals seinerseits ein Revolutionär war, wollte er nichts zu tun haben.

..., nämlich am 4. März 1849, die Wortfolge„Viribus Unitis“ in die so genannte Märzverfassung einfügte, da sollte daraus ein Wahlspruch werden. Das Papier indes war bald Makulatur, denn mit Konstitutionalismus hatte es der Monarch jedenfalls in jungen Jahren nicht so. Das Silvesterpatent von 1851 hob alle aus der Not von 1848 geborenen Verfügungen auf und spielte ganz die Karte des Absolutismus.

..., nämlich im Jahr 1854/55 mit dem Krimkrieg zu tun hatte, da erwartete der Zar verwandtschaftliche Hilfe. Russland hatte dem Kaiser schließlich schon in der Revolution geholfen. Österreich lehnte dankend ab, der Ministerpräsident Fürst Schwarzenberg hatte schon 1851 erklärt: „Wir werden die Welt erstaunen mit unserer Undankbarkeit“.

..., nämlich am 24. April 1854, zur „Copulatio carnalis“ schritt, da war das Unternehmen zunächst ein Misserfolg. Die Ehe wurde erst drei Tage bzw. Nächte später vollzogen, der ganze Hof wusste Bescheid, denn am jeweiligen Morgen gab es peinliche Befragungen seitens der Mutter und der Schwiegermutter. Johann Strauss hatte zwar extra seine „Elisabethenklänge“ erschallen lassen, doch der Gemahlin, volkstümlich Sisi, war damit schon mit dem Entree das Kaisertum verleidet.

..., nämlich im Jahr 1868, die im Bau begriffene neue Hofoper inspizierte, da gefiel sie ihm nicht. Der Architekt Eduard van der Nüll soll daraufhin Selbstmord verübt haben, was den Kaiser natürlich irritierte. Fortan verzichtete er auf alle Kritik und hinterließ allenthalben sein notorisches „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“.

..., nämlich am 7. Mai 1898, die Ausstellung der frisch gegründeten Secession besuchte, für eineinhalb Stunden, nachdem er vorher schon im Künstlerhaus gewesen war, da fand er nur für Rudolf von Alt anerkennende Worte. Kaufen sollte er auch nichts. Im Künstlerhaus dafür gab er für sechs Gemälde immerhin 10.000 Gulden aus.


Kaiser Franz Joseph I.besucht die erste Ausstellung der "Secession" in den Blumensälen der Gartenbaugesellschaft. Druck nach Gemälde von R(udolf) Bacher. Bildnachweis: ÖNB / Bacher, R.

..., wieder einmal, bei Anna Nahowski weilte, da kann es sein, dass er ein Töchterchen zeugte. Helene sollte es heißen, und sie sollte später dann den Komponisten Alban Berg heiraten. So sollte der Kaiser doch noch ganz lebensnah mit den Avantgardisten zu tun haben.

..., nämlich 1903, sich ins Konklave einmischte, da machte er von seinem „Ius exclusivae“ Gebrauch. Er legte Einspruch ein gegen die Wahl Mariano Rampollas zum Papst. Als Kardinalstaatssekretär hatte Rampolla Einwände gegen ein christliches Begräbnis des Kaisersohns Rudolf erhoben. Schließlich war der ein Selbstmörder, die Tragödie von Mayerling zog sich so ins nächste Jahrhundert.

..., nämlich am 21. November 1916, schließlich gestorben war, da wurde das Testament gültig, das der Kaiser am 6. Februar 1901 verfügt hatte. Das Vermögen ging ausschließlich an Familienmitglieder. Der Kaiser hatte nichts daran geändert, und die Völker, in deren Namen er den Weltkrieg jedenfalls mit entfesselt hatte, bekamen entsprechend nichts ab. Immerhin wurde ihnen für ihre Treue gedankt.

Quellen:

Michaela und Karl Vocelka, Franz Joseph I., München 2015

Christopher Clark, Die Schlafwandler. Wie Europa in den ersten Weltkrieg zog, München 2013

Brigitte Hamann, Elisabeth. Kaiserin wider Willen, Wien/München 1981

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2 Postings in diesem Forum  versenden Ihre Meinung

erbe
maryska | 22.11.2016 15:48 | antworten
und was ist mit den 2,5 millionen kronen, die er der schratt vererbte?
Klartext
Andreas Huber | 22.11.2016 10:56 | antworten
endlich mal Klartext, gegen allerorts herrschende Romantisierung, Nostalgie und Kitsch

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