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IRWIN | 1983-2016: Retro Chic?

Die Ausstellung „IRWIN / 1983 -2016“ in der Galerija Gregor Podnar konfrontiert ältere mit neueren Arbeiten der aus Ljubljana kommenden Künstlergruppe IRWIN. Das Ergebnis dieser Konstellation ist allerdings fragwürdig.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Installation „Was ist Kunst“, an der IRWIN seit 1984 arbeitet. In Petersburger Hängung sind collagenartige Gemälde gesehen, dazwischen ausgestopfte Tierköpfe. Die Bilder mixen im Stil der von IRWIN postulierten „Retroavantgarde“ bildnerische Motive und Elemente sowohl aus der russischen Avantgarde, vornehmlich dem Suprematismus, der christlichen Ikonographie, zeitgenössischer Kunst sowie dem agitatorischem Vokabular faschistischer und stalinistischer Rhetorik. So ist da z. B. ein rotes Kreuz, das durchaus auch an Joseph Beuys‘ Kunst erinnert, auf goldenem Grund zu sehen, dazu Porträts von Marx und Lenin, das Ganze üppig gerahmt, „typisch russisch“. Der vielsagende Titel dieser Arbeit: „Death of Ideology“, 1988, deutet an worum IRWIN in „Was ist Kunst“ geht: Vergangenheit und Gegenwart werden miteinander kurzgeschlossen, um dann ideologiekritisch nach den Ursachen von gesellschaftlicher Realität zu fragen.

Also hat IRWIN 1992 ein 22-Meter-Quadrat aus schwarzem Stoff auf dem Moskauer Roten Platz ausgelegt und so Malewitsch‘s Ikone der avantgardistischen Malerei einerseits stark vergrößert zitiert, andererseits dabei mit Macht und Alltag in der Sowjetunion konfrontiert. Das Video „Black Square on Red Square“, 1992, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist, dokumentiert dann den Prozess des Auslegens des Stoffquadrates. Die auf dem Video zu sehenden ratlos vorübergehenden Polizisten zeigen in welcher Tradition solche Aktionen stehen: Politische Aktivisten sprechen da von „Dilemma-Aktionen“, wird doch die Staatsmacht vor das Dilemma gestellt, zu entscheiden ob es sich hier um Protest oder nur um einen Joke handelt. Oder gar um Kunst.

Spannende Arbeiten wie diese werden dann in der Galerija Gregor Podnar mit neueren Arbeiten wie den „Monochromes“ – monochrome Farbflächen gerahmt in der für IRWIN typischen aufwendig-massiven Weise – und weiteren abstrakten Bildern. Da ist etwa eine Collage zu sehen, auf der ein Kreuz über einem Mondrian-Bild liegt. Der Titel der Arbeit „Encounter (P.Mondrain/Giotto)“, 2016, spätestens zeigt das Problem dieser Kunst jetzt: Es geht ihr nur mehr noch um einen rein künstlerischen Dialog, der einstmals politische Anspruch bleibt so leider auf der Strecke.

IRWIN | 1983-2016
12.11.2016 - 14.01.2017

Galerija Gregor Podnar Berlin
10969 Berlin, Lindenstrasse 35
Tel: +49 30 259 346 51, Fax: +49 30 259 346 52
Email: berlin@gregorpodnar.com
http://www.gregorpodnar.com
Öffnungszeiten: Di - Sa 11.00 - 18.00

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