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Achtung, Sex!

Nina Schedlmayer, 18.10.16

„Diese Ausstellung enthält explizit erotische Darstellungen, die das moralische Empfinden von Personen unter 16 Jahren verletzen könnten.“ So warnt das MAK derzeit vor seiner sehr sehenswerten Ausstellung „Shunga. Erotische Kunst aus Japan“ an deren Eingang und auf seiner Website. Zu sehen ist, wie ja schon der Titel sagt, Sex, Sex und noch mal Sex. Riesige Penisse, monströse Vaginen, Köpfe, die anstelle von Gesichtern Geschlechtsteile tragen, Fabelwesen, die nackte Frauen penetrieren – und das auf höchst dekorativen Holzschnitten. Dazu viele Bilder von Kurtisanen, vollständig bedeckt von wunderschönen Gewändern und – nicht wirklich anstößig erscheinende – Szenerien aus Rotlichtvierteln. Außerdem zeigt man einige von Nobuyoshi Arakis Bondage-Nackedeis.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, wie es um das „moralische Empfinden von Personen unter 16 Jahren“ bestellt ist – und was es mit dieser Ausstellung zu tun hat. Was hält eine solche „Person unter 16 Jahren“ für moralisch einwandfrei, was nicht? Findet sie es unmoralisch, wenn zwei Menschen einander sexuell Freude bereiten? Wenn jemand über solch enorme Geschlechtsteile verfügt wie die vergnügten Sexpartner in diesen Bildern? Wie zart besaitet muss ein Kinder- oder Teenagerseelchen sein, um dadurch „moralisch“ verletzt zu werden? Ja, es gibt bestimmt Eltern, die ihren Nachwuchs vor Bildern wie diesen hier bewahren wollen. Aber die überlegen sich wohl ohnehin zweimal, ob sie ihre Sprösslinge in eine Ausstellung, die den Sex schon im Titel trägt, mitnehmen.

Wir leben in einem Medienzeitalter, in dem wir von Bildern ausgebombter Städte und toter Kinder überflutet werden, in dem Jugendliche auf YouPorn surfen und von rechtsextremen Gruppierungen umworben werden, die am liebsten die Demokratie abschaffen würden und Frauen wieder an den Herd zurückschicken sollen. Und die derart gebeutelte Jugend will man vor ein paar karikaturhaften Sexbildern schützen? Wofür hält man die Teenager der Gegenwart? Für Klosterschwestern aus dem 19. Jahrhundert? Für Reinkarnationen des Pornojägers Martin Humer?

Andererseits: Seit jeher erscheinen Alben mit dem Label „Parental Advisory“ besonders begehrenswert. Also wird wohl auch ein Hinweis auf moralische Verletzungsgefahren für gesteigertes Interesse bei Jugendlichen sorgen. Insofern handelt es sich dabei wohl in Wirklichkeit um eine besonders gewiefte Art des Zielgruppenmarketings.

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