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Bavaria – Traumreise durch Bayern

Rainer Metzger, 10.10.16

Im folgenden ein Reise-Bericht, deren Stationen drei Ausstellungen sind, die sich im Moment in Bayern ergeben. Joseph Vilsmaiers filmische Hommage aus dem Jahr 2012 gibt diesem Blog-Beitrag den Titel.

Aldersbach: Bier in Bayern
Mir, des samma mir, mir und des bayrische Bier: Mit diesem Leitmotiv von Haindling, Hans-Jürgen Buchners nach seinem Heimatort in der Nähe von Straubing benannter Wierd Bavarian Band, war Vilsmaier seinerzeit im Helikopter über den Freistaat hergezogen. Jetzt dient es der diesjährigen Landesausstellung als sehr nachvollziehbares Motto. Die Alliteration klappt von Haus aus, Territorium und Trunk gehen ineinander über, und immer schon bestand darin des Erfolgsgeheimnis der CSU. Die eher volkskundliche als kunstgeschichtliche Präsentation, die sich immerhin einen schönen Abschlussraum mit allerlei Biergartenszenen, Getränkestillleben und Paradepokalen leistet, hat als eindrücklichstes Exponat den Ort: Sudkessel, Darre, Schrotmühle des Aldersbacher Klosterbräus stehen für eine Tradition, die gerade, in Gestalt des 1516 erstmals fixierten Reinheitsgebots, ein halbes Jahrtausend alt geworden ist. Früher, als fast alles besser war, geriet das Bier bisweilen schlechter, denn die komplizierten biologischen Dinge, für die die Vierfaltigkeit Hopfen, Malz, Wasser und Hefe sorgt, ließen oft dem Zufall Raum. Und der ist schlecht, weiß man in Bayern von jeher. Insofern ist es heute dann doch besser. Fazit: Wer es lieber intersektional und interventionistisch hat, muss nicht unbedingt hin. Ansonsten gibt es auch einen Ausschank.
www.landesausstellung-bier.de


Ehrung des 110.000sten Besuchers der Bayerischen Landesausstellung. Foto: Regina Ehm-Klier, Innpressum

Regensburg: Rudolf Maison
Eine, wie sagt man, Trouvaille. Als ich vor einiger Zeit von den Museen der Stadt Regensburg angefragt wurde, ob ich zum Katalog der Ausstellung Rudolf Maison einen Beitrag schreiben würde, wusste ich von nichts (womit hier eingebracht wäre, dass ich mit der Schau zu tun habe). Jetzt bin ich schlauer: Maison, geboren 1854 in Regensburg, 1904 in München gestorben, war ein Bildhauer wie er im Buche steht. Im Buche, aber kaum dort, wo er hingehört, im öffentlichen Raum oder in Museen. Maison ist gründlich in Vergessenheit geraten. Er stand in zweiter Reihe, beteiligte sich vielfältig an Denkmalswettbewerben und wurde fast immer ausgebootet oder sein schräges Konzipieren verhinderte von vornherein einen Erfolg. Den Rest besorgten zwei Weltkriege, die Metall für etwas anderes als Stadtmöblierungen benötigten. Deshalb ist das Bleibendste von Maison ein Brunnen im Park von Herrenchiemsee, ein auf Wunsch des Auftraggebers Ludwig II füglich epigonales Stück, eine Versailles-Replik wie die gesamte Anlage. Dabei sind speziell die kleinformatigen Sammlerstücke, die sich spärlich erhalten haben, von eindrücklichem, ja spektakulärem Kalkül. Ein Leopard springt einen Afrikaner an, Bewegung in der Froststarre, in einer Ponderation, der man die Balance kaum glaubt. Maison war Autodidakt, und man sieht seiner Arbeit die Nicht-Ausgebildetheit an. Hier agiert einer, der sich viel eher an der Malerei orientiert, an den ekstatischen Szenen eines Jean-Léon Gérome, am räudigen Witz eines Arnold Böcklin, an der Theaterversessenheit eines Gabriel von Max. Es ergibt sich, leider nur an wenigen Exponaten zu ermessen, eine Paradefigur des Fin-de-Siècle.
www.regensburg.de


Famabrunnen Herrenchiemsee von Rudolf Maison

Schweinfurt: Lockruf der Décadence
Als Lovis Corinth 1908 das „Bacchantenpaar“ malte, das der Ausstellung des Schweinfurter Georg Schäfer Museums das Plakatmotiv gibt, lebte er in Berlin. Zur Jahrhundertwende war er von München hergezogen und hatte damit den „Niedergang der Kunststadt“, der dem Isar- speziell vom Spree-Athen her angesonnen wurde, komplett gemacht. Und doch hat das Lebenslustige, Derbe, das angesteckt und auch ein wenig angestrengt Fröhliche der beiden Zecher viel vom Stammtischgeist der Münchner Kunst um 1900. So gesehen ist, was die Ausstellung auf den Begriff „Décadence“ bringt, ein Münchnerisches Phänomen. In Frankreich, angeleitet von Thomas Coutures Epochendarstellung „Die Römer der Verfallszeit“, das wiederum auf Edward Gibbons erste seriöse, in den 1780ern erfolgte Geschichtsschreibung „The Decline and Fall of the Roman Empire“ zurückgeht, in Frankreich lieferte man mit mit den Ideen einer Abwärtsbewegung nicht weniger als ein Bild der Zivilisation. In München war Décadence dagegen eher hanswurschtig, Niedergang meinetwegen, aber der ließ sich, und genau das versuchte man, aufhalten mit einer Künstlerkommission unter Vorsitz des Allmächtigen Franz von Lenbach. So trifft es der Untertitel besser: „Deutsche Malerei und Boheme 1840 – 1920“. Zu Wagner kommt dabei immer auch Witz, und in jedem Abgrund lauert die Karikatur. Das Drohend-Dräuende ist stets durchlässig zum Komischen. Wer der Kunst jener Jahre die Entwicklung auf den Weltkrieg hin anzusehen sucht, sollte sich jedenfalls eher Kirchner und Kandinsky vornehmen als Makart oder Stuck.
www.museumgeorgschaefer.de


Lovis Corinth: Bacchantenpaar, 1908, Öl auf Leinwand, Museum Georg Schäfer, Schweinfurt

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