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ART-O-RAMA Salon international d’art contemporain: Sommerlich und attraktiv

Sommermessen sind in ihrem Segment in der Regel, was Accrochagen für Galerien darstellen: seichte Ferienunterhaltung zum Abschöpfen von Urlaubskaufkraft. Das gilt für Art-O-Rama in Marseille nur bedingt. Am Ende der französischen Ferien positioniert sich die Messe in einer Reihe mit kleinen Avantgarde-Veranstaltungen wie der Sunday Art Fair in London oder Paris Internationale parallel zur Fiac. Auch personell gibt es auffällige Überschneidungen.

Was Art-O-Rama einzigartig macht, ist die Einbindung in den lokalen Kontext: La Friche ist ein riesiger ehemaliger Industriekomplex, der seit 1992 gefördert durch öffentliche Mittel Ateliers, Ausstellungsräume, Residencies, Theater und Kreativindustrie beherbergt. Es ist sozusagen das künstlerische Herz der südfranzösischen Metropole mitten in einem der ärmsten Stadtviertel Frankreichs. Einerseits gibt es diesen sehr deutlichen sozialpolitischen Auftrag, anderseits funktioniert die Anbindung an die Sammlerscaft vor Ort. Eine Kunstmesse in diesem - für Aussteller auch preislich attraktiven - Rahmen hat also durchaus ihren Reiz. Das sehen jedenfalls zunehmend deutsche Galerien so. Von den 22 Teilnehmern stammen alleine vier aus Berlin, eine aus Hamburg.

Jennifer Chert aus Berlin ist zum ersten Mal dabei, nachdem sie schon mehrere Mal eingeladen wurde. "Es war einfach mal soweit", erklärt sie. Außerdem spricht sie Französisch, was hier sehr hilfreich ist, und hat französische Kunden. Die günstige Teilnahme ermöglicht auch ihr, ein vermittlungsbedürftiges Programm zu zeigen: vier Künstlerinnen, die mehrere Jahrzehnte überspannen. Ruth Wolf-Rehfeldt hat schon zu DDR-Zeiten mit Schreibmaschinenzeichnungen collagiert (3.400 Euro netto), während Zora Mann Großbritannien Polizei-Schilde unterschiedlicher Provenienz mit an Stammeskunst orientierten Ornamenten versieht (ab 4.000 Euro netto).

Joseph Tang sieht Die Veranstaltung als Gelegenheit, sein Netzwerk in Frankreich über Paris hinaus auszuweiten. Das Verhältnis der zweitgrößten Stadt des Landes zur Metropole vergleicht er mit der relativ neuen Dynamik zwischen Los Angeles und New York. Gleichzeitig stellt er Art-O-Rama in einen größeren Kontext, den er den "Unterschied zwischen den 5.000 und den 15.000 Euro-Messen" nennt.

Tatsächlich sind es wohl die Kosten, die über das entscheiden, wer sich welche Messe leisten kann und in der Folge auch, welche Inhalte dort zu sehen sind. Ein einzelnes Kleinformat auf rund fünfzehn Laufmetern Wandfläche kann sich auf der Art Basel wohl nur leisten, für den ein mittlerer fünfstelliger Betrag Standgebühr Kleingeld ist. Und eine solche Galerie handelt in der Regel nur mit etablierten Künstlern.

Neumeister Bar-Am aus Berlin schwärmen vor allem vom VIP-Programm. Da die Messe erst am frühen Nachmittag öffnet, werden die Aussteller jeden Vormittag zu Besuchen bei Sammlern aus der Region gefahren. Umgekehrt küren die Sammler jedes Jahr den besten Stand. So kommen Kontakte zustande. Die Umsätze hätten sich bei der Erstteilnahme letztes Jahr zwar im überschaubaren Rahmen gehalten, erzählt Jean-Pierre Neumeister. Andererseits hätte sie in diesem Jahr direkt auf der Eröffnung ein Sammlerpaar gefragt, ob sie auf dem Heimweg nicht auf ihrem Schloss Station machen möchten. Einen schöneren Ausklang der Sommerferien kann man sich als Galerist kaum wünschen.

ART-O-RAMA Salon international d’art contemporain
26 - 28.08.2016

La Cartonnerie
13003 Marseille, 41 rue Jobin
http://art-o-rama.fr

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